Der Wappenstein richtig herum: Auf dem linken Foto von Michael Voget aus der Festschrift von 1989 ist er noch gut erhalten. Heute ist der Sandstein stark verwittert (rechts). Der Geschichtsverein möchte ihn gern rekonstruieren lassen. Fotos: Jan-Otto Weber

Hammersbach

Das Rätsel um den Marköbeler Wappenstein ist gelöst

Hammersbach. „Was Sie hier sehen, dass können Sie im Original nicht mehr sehen.“ So beginnt Hartmut Schneider, Vorsitzender des Vereins für Kultur und Heimatgeschichte, seinen Bericht über ein Foto, das den Hammersbacher Lokalhistorikern über Jahre hinweg Kopfzerbrechen bereitete.

Von Jan-Otto Weber

Es zeigt einen Wappenstein mit Sparren im Schild. Die Abbildung ist in der Festschrift zu finden, die vor 30 Jahren zur 1150-Jahr-Feier von Marköbel erstellt wurde. Schneider selbst hatte damals an der Festschrift mitgewirkt. Doch woher der darin abgebildete Wappenstein stammt, konnte bis vor Kurzem niemand beantworten.

„Der Fotojournalist Michael Voget hatte das Motiv damals ausgewählt“, erklärt Schneider. „Aber neben der Festschrift ist damals auch noch eine Chronik erschienen. Das war eine Menge Arbeit, sodass wir keine extra Bildunterschriften mehr zu den Fotos in der Festschrift gemacht haben.“

Die Festschrift wanderte in die Bücherregale der Hammersbacher und mit ihr das Foto des Wappensteins. Und als die Mitglieder des Geschichtsvereins Jahre später die Herkunft des Steins ergründen wollten, wusste niemand, wo er in Marköbel zu finden ist. Der Fotograf Michael Voget, der mittlerweile verstorben ist, war damals unbekannt verzogen. Wen also fragen?

Dass die Hammersbacher Lokalhistoriker dem Geheimnis des Wappensteins nach nunmehr 30 Jahren doch noch auf die Spur kamen, ist Rudolf Lorey zu verdanken. Der Rentner aus Marköbel ist gelernter Maurer. Seine große Leidenschaft gilt seit Jahrzehnten der Bildhauerei und der Arbeit mit Sandstein. „Ich war früher bei der Stadt Bruch‧köbel angestellt und habe zum Beispiel das Backhaus in Roßdorf saniert“, erzählt der 80-Jährige. Ein solches Backhaus hat er sich auch privat auf seinem Grundstück an der Burgstraße errichtet, gleich neben dem früheren Stall, den er zu einem schmucken Gartenhaus umgebaut hat – natürlich aus Sandstein. Auch die Mauer rund um das Grundstück ist aus diesem Naturmaterial gefertigt. Darin sind auch mehrere Wappensteine eingelassen, die Lorey selbst gehauen hat.

„Ich könnt' ja mal wieder ein Wappen klopfen, hab ich mir irgendwann gedacht“, erzählt Lorey. „Da hab' ich die Festschrift von damals durchgeblättert und bin auf den Wappenstein gestoßen.“

Der Rentner ließ das Foto in einer Druckerei vergrößern, fertigte anhand der Vorlage ein Raster und legte los. Vier oder fünf Tage habe er daran gearbeitet, bis er fertig war. „Meine Tochter hat dann gemeint, ich soll das mal dem Geschichtsverein zeigen“, so Lorey.

Würdigung der Kunstfertigkeit

„Dadurch sind Wilhelm Dietzel und ich noch mal auf die Suche gegangen“, erklärt Schneider. Und tatsächlich kam den Lokalforschern somit der entscheidende Hinweis. „Es ist verrückt“, sagt Schneider, „aber das Foto von dem Wappenstein in der Festschrift war auf dem Kopf abgedruckt. Wir hätten es nur drehen müssen.“

Dietzel erkannte den Stein auf einem anderen Foto wieder – ausgerechnet auf dem Hochzeitsbild von Bürgermeister Michael Göllner, das vor dem Historischen Rathaus in Marköbel gemacht wurde. Der Stein ist dort im Sockel eingelassen. „Inzwischen ist er total verwittert, sodass man das Motiv kaum noch wiedererkennen kann“, erläutert Schneider. „Aber dank des Anstoßes von Rudolf Lorey und der Fotografie aus der Festschrift ist es uns nun möglich, den Stein rekonstruieren zu lassen“, freut sich Schneider.

Für Rudolf Lorey ist die Geschichte eine ganz besondere Würdigung seiner Kunstfertigkeit: „Da bin ich auch stolz drauf, dass ich so was gemacht hab'.“

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