Im heimischen Garten in Langen-Bergheim setzt Petra Urban ebenfalls auf Blumen und Blütensträucher, wie diese Blutjohannisbeere. Da ist auch die gelb blühende Forsythie im Hintergrund zu verkraften, die leider keine Pollen bildet, dafür aber schön aussieht. Foto: Jan-Otto Weber

Hammersbach

Parzellen für Insekten: Sie ist die erste "Pollen-Patin"

Hammersbach. Es bedurfte nicht viel Überzeugungskraft, um Petra Urban zur Übernahme einer Patenschaft bei der neuen Initiative „Blühfeld“ zu bewegen.

Von Jan-Otto Weber

Im Gegenteil: „Im Grunde waren wir noch im Aufbau der Internetseite begriffen, da hat sie uns bereits kontaktiert und gesagt, dass sie mitmachen will“, erklärt Hans-Joachim Wörn, der gemeinsam mit Hauptinitiator Friedrich Bellgardt aus Hirzbach und weiteren Mitstreitern die „Blühfeld Initiative Hirzbacher Höfe“ ins Leben gerufen hat. Dabei können Naturfreunde für einen Euro pro Quadratmeter Parzellen einer Ackerfläche pachten, die von Landwirt Bellgardt mit einer bienenfreundlichen Blühmischung eingesät wird.

„Wir sind mit Familie Rottstedt aus Hirzbach befreundet“, erklärt Petra Urban ihren „Frühstart“. „Deren Tochter hat selbst Bienenstöcke. Sie sind Nachbarn von Friedel Bellgarth und haben mir bereits vorab von der Initiative erzählt. Da habe ich mir gedacht: Bevor ich es wieder vergesse, mache ich es lieber gleich.“

Auch bei Facebook hat die 54-jährige Langen-Bergheimerin den Hinweis auf das „Blühfeld“ bereits geteilt. Für sie ist Naturschutz nicht nur eine Modeerscheinung, jetzt, wo sämtliche Kommunen in der Region plötzlich ihr Herz für Insekten entdecken. Die Gemeinde Hammersbach nahm hier übrigens schon vor einigen Jahren eine Vorreiterrolle ein.

„Die Umwelt liegt mir am Herzen“, sagt Urban, die die Patenschaft für 50 Quadratmeter Bienenweide übernommen hat. „Das ist eine Sache, die mich interessiert.“ Zwar ist sie nicht im Verein organisiert, aber sie lässt beispielsweise im heimischen Garten ganz bewusst Löwenzahn und Klee blühen, ohne ständig mit dem Mäher den Rasen zu trimmen. Und auch ihren beiden Kindern und dem Enkelchen will sie dieses Bewusstsein vermitteln. „Wir achten auch in anderen Bereichen darauf und versuchen, etwa Verpackungsmüll zu vermeiden.“

Für Friedrich Bellgardt und seine Mitstreiter ist die Initiative „Blühfeld“ ebenfalls mehr als eine pfiffige Geschäftsidee. Bellgardt geht es nicht um Profit. Er hat bereits vor Jahren auf eigene Kosten kleinere Blühflächen angelegt und auf das Problem des Insektensterbens aufmerksam gemacht. „Unser Ziel ist, einen Beitrag zur Erhaltung der Bienen und Insekten zu leisten und dafür weitere Förderer zu finden“, erklärt der Hirzbacher.

Insektensterben entgegenwirken

Wie ernst die Lage ist, stellen die Blühfeld-Initiatoren auf ihrer Internetseite dar: „Die Anzahl und Diversität der Bienen und Insekten, von denen wir so abhängig sind für die Bestäubung der Kultur- und Naturpflanzen, ist in den letzten Jahren bis zu 80 Prozent (Quelle: NaBu) zurückgegangen. Die Folgen des Insektensterbens gehen weit über die 'Bestäubungskrise' hinaus. Auch Vogelarten wie Blaukehlchen, Mehlschwalbe oder Dorngrasmücke, die ohnehin schon unter der Zerstörung ihrer Lebensräume zu leiden haben, werden bei einem weiteren Rückgang ihrer wichtigsten Nahrung Probleme bekommen, genügend Nachwuchs aufzuziehen.“

Die Gründe für das Insektensterben sind mannigfaltig. Die Initiatoren des Blühfeldes wollen dieser Entwicklung entgegenwirken – und zwar mit Sachverstand. Die fachmännische Bearbeitung seines Ackers stellt Landwirt Friedrich Bellgardt sicher. Bereits im Januar hat er den Boden gegrubbert. Im Mai soll die Aussaat erfolgen. Wichtig ist dabei die richtige Mischung der verschiedenen Pflanzenarten sowie deren Komposition, damit die Bienen und Insekten stets ein breites Nahrungsangebot vorfinden. Dieser Aufgabe hat sich Imker Paul Wegner aus Nidderau angenommen.

Um das Blühfeld während seiner gesamten Vegetation verfolgen zu können, stellt Naturfotograf Dieter H. Maisch jeweils aktuelle Aufnahmen auf der Homepage der Initiative ein. Den Freundeskreis rund um das Blühfeld komplettieren Manfred Kopp und Hans-Joachim Wörn.

Höhepunkt am 1. September

Das Team hat sich einiges vorgenommen. Über die Patenschaft hinaus werden verschiedene Gelegenheiten zu einem „come-together“ angeboten oder die Paten machen sich spontan auf zu einer Fahrradtour entlang der „Hohen Straße“ zum Blühfeld, das an der Landesstraße zwischen Ostheim und Marköbel liegt. „Ich werde dazu extra Wege anlegen, damit man auch mitten reinlaufen und die Blumen in aller Pracht genießen kann“, erklärt Bellgardt. Sogar der Besuch der Honig-Königin des hessischen Imker-Verbands ist geplant.

Der Höhepunkt wird dann am 1. September sein, an dem sich das Blühfeld im Rahmen des Hohe-Straßen-Festes einer breiten Öffentlichkeit vorstellen wird. Die Paten können sich dann ein Probier-Glas mit Honig abholen. „Ich habe auch sonst noch ein paar Ideen“, erklärt Bellgardt. „Besonders freut mich, dass bereits ein Brautpaar angefragt hat, das im Sommer in der Hirzbacher Kapelle heiratet. Für die Hochzeitsfotos wollen sie unser Blühfeld besuchen.“

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