Bärenstarke Leistung: Diesen Teddy nähte Monika Heuser während ihres Reha-Aufenthaltes. Er wurde zum Symbol für ihre Willenskraft, mit neuem Mut und Fröhlichkeit dem Leben zu begegnen. Foto: Ulrike Pongratz

Nidderau

Neuer Lebensmut: Sie leitet einen Stammtisch für Krebserfahrene

Nidderau. „Ich hole mir eben meine 'Gesundheits-Bescheinigung'.“ Mit diesem Satz verabschiedete sich Monika Heuser von Zuhause, um zur Mammografie nach Hanau zu fahren. Es war ein Routine-Termin am 9. Juni 2017. Die Nidderauerin, Anfang 50, nahm die angebotene Vorsorge wahr. Doch ihr Leben sollte sich schlagartig ändern!

Von Ulrike Pongratz

Wenige Tage später erhielt sie allerdings die Aufforderung, sich beim Radiologen vorzustellen. Mit dieser Untersuchung änderte sich das Leben von Monika Heuser schlagartig – nichts war mehr so wie zuvor. „Das sieht mir nach Krebs aus“, sagte der behandelnde Arzt sofort. Die Gewebeprobe der Stanzbiopsie präzisierte die augenscheinliche Diagnose – eine aggressive Form von Brustkrebs.

Bis zu diesem Wendepunkt standen für die tatkräftige Frau Familienleben und Arbeit an erster Stelle. Beruflich hatte sie ehrgeizige Pläne, die Mutter eines inzwischen volljährigen Sohnes wollte sich als Finanzdienstleisterin selbstständig machen. Nach über 25 Jahren Berufserfahrung und kontinuierlicher Weiterbildung wollte Monika Heuser diesen Schritt gerne wagen – eine neue, spannende Herausforderung, so stellte sie sich das vor.

Eine Frau auf Erfolgskurs

Mit Beginn der 1990er Jahre war die gelernte Rechtsanwalts- und Notargehilfin und Fremdsprachenkorrespondentin vom Chefsekretariat in den IT-Bereich ihres Unternehmens gewechselt. „Ich war für den Aufbau der neuen Geschäftsstellen in diesem Sektor zuständig; Planung, Installation und Betreuung der Datennetzwerke gehörten sieben Jahre lang zu meinem Aufgabenbereich in führender Position“, erläutert Heuser ihren Tätigkeitsbereich.

Schließlich übernahm sie 1998 im Call-Management-Center ganz exklusiv einen global agierenden Kunden, koordinierte die Störungsmeldungen aller Standorte weltweit. Mit der Geburt des Sohnes reduzierte Monika Heuser dann ihre Arbeitszeiten drastisch, wechselte schließlich 2014 in die Finanzbranche und war schnell wieder auf Erfolgskurs.

Kleinere Ziele, aber großer Lebensmut

„Aktuell bewerbe ich mich auf Halbtagsstellen in einem Notariat. Die Ziele sind kleiner geworden.“ Nicht aber der Lebensmut. Sie gehe ganz offen mit ihrer Erkrankung um, denn es würde mehr Kraft kosten, den Schein zu wahren. „Dafür lebe ich jetzt fröhlicher. Gesünder und mutiger“, lacht sie. „Jetzt ist Glitzer angesagt.“ Monika Heuser deutet auf die beiden Katzen auf dem schwarzen Shirt. „Früher hätte ich gesagt: Du bist über 50, das kannst du nicht mehr tragen.“

Mit Zirkeltraining, Spazierengehen und Ernährungsumstellung gewinnt Monika Heuser auch das Vertrauen in ihren Körper zurück. „Ich habe meinen Körper und meine Seele während der Therapie und Rehabilitation neu kennenlernen müssen.“ Eineinhalb Jahre dauerte die intensive „neoadjuvante Behandlung“, eine Zeit mit Höhen und Tiefen, die im Dezember 2018 erfolgreich abgeschlossen worden ist. „Mein Weihnachtsgeschenk!“, sagt Monika Heuser.

"Wir sollten uns mal länger unterhalten"

Aus einem spontanen Impuls heraus habe sie den Gesprächskreis für Krebserfahrene gegründet. „In Gesprächen mit Menschen mit Krebserfahrung habe ich oft gehört: 'Das ist ja interessant. Wir sollten uns mal länger unterhalten.'“ Das erste Treffen Anfang dieses Jahres habe sie noch im Nebenzimmer einer Gaststätte organisiert. Inzwischen hat die Stadt Nidderau dem Stammtisch im Familienzentrum einen Raum zur Verfügung gestellt. „Wer will, kann einfach so kommen, Frauen wie Männer – egal welcher Krebs“, sagt Heuser.

Der Stammtisch für Krebserfahrene in Nidderau solle ein Ort sein, an dem Menschen sich austauschen können; auch über Dinge, die man mit Freunden oder in der Familie nicht besprechen will. Beispielsweise spiele die Frage „Perücke ja oder nein“ eine Rolle. „Mir fielen die Haare büschelweise aus. Schon beim kleinsten Lüftchen hatte ich eine Gänsehaut auf dem Kopf“, erinnert sich Monika Heuser. „Ich habe deshalb lieber Mützen getragen.“

Mögliche Stütze in schlechten Zeiten

Der Stammtisch biete die Möglichkeit, Gedanken und Erfahrungen auszutauschen, über Nebenwirkungen von Behandlungen zu sprechen und darüber, wie man sie reduzieren kann. „Jeder Mensch reagiert anders. Ich habe zum Beispiel eine Allergie auf Hefe entwickelt. Versuchen Sie mal, ein Brot ohne Hefe zu finden.“ Das Forum kann durchaus eine Stütze in schlechten Zeiten sein, es ist aber kein Therapieangebot. Ein Aspekt ist Monika Heuser besonders wichtig: „Wir lachen viel zusammen und wollen auch gemeinsam feiern – schließlich haben wir überlebt.“

Reden und lachen

Der Stammtisch für Krebserfahrene in Nidderau trifft sich im Familienzentrum der Stadt Nidderau (Nidder Forum/Stadtplatz). Termine sind immer donnerstags am 22. August, 10. Oktober und 21. November jeweils um 19 Uhr. E-Mail-Kontakt: krebsstammtisch-nidderau@email.de

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