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Machbarkeitsstudie für „Große Burg“ in Marköbel vorgestellt

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Das Luftbild zeigt den Ortsteil Marköbel. Der markierte Bereich zeigt das untersuchte potenzielle Wohnbaugebiet „Auf der großen Burg“ parallel zur Römerstraße. Der erste Bauabschnitt neben dem Friedhof (rechts) ist bereits in Umsetzung.
Das Luftbild zeigt den Ortsteil Marköbel. Der markierte Bereich zeigt das untersuchte potenzielle Wohnbaugebiet „Auf der großen Burg“ parallel zur Römerstraße. Der erste Bauabschnitt neben dem Friedhof (rechts) ist bereits in Umsetzung. © Büro Plan ES

Einen Blick auf die mögliche Zukunft der Siedlungsentwicklung im Ortsteil Marköbel konnten die Mitglieder des Bau- und Planungsausschusses und interessierte Hammersbacher werfen, denn auf der Tagesordnung stand am Dienstagabend als zentraler Punkt die Vorstellung einer Machbarkeitsstudie zum Baugebiet „Auf der großen Burg“, parallel zur Römerstraße.

Hammersbach – Stadtplanerin Elisabeth Schade vom Gießener Büro Plan ES stellte die Studie vor, „die wegen der Pandemie und der Restriktionen eigentlich schon früher hätte fertig sein sollen und bislang auch ohne die gewünschte Bürgerbeteiligung ablaufen musste“. Grundsätzlich, so die Planerin, stehe der Entwicklung des Gebiets nichts im Wege, bei einem Scoping-Termin hätten auch die Vertreter des Regierungspräsidiums signalisiert, dem Projekt keine Steine in den Weg legen zu wollen. Und das, obwohl in dem in Frage kommenden Areal nordwestlich der Römerstraße zum Beispiel ein Vorranggebiet zur landwirtschaftlichen Nutzung und ein Vorbehaltsgebiet für besondere Klimafunktionen bestünden, berichtete Schade. Diese könnten durch eine Änderung des Regionalen Flächennutzungsplans und einen Antrag auf Zielabweichung aus der Welt geschafft werden, betonte die Planerin.

Platz für 200 Wohneinheiten

Die Machbarkeitsstudie zeigt die Möglichkeit auf, das Gebiet in vier Abschnitten zu realisieren, wobei der erste Bauabschnitt vom Parlament bereits beschlossen ist und sich zwischen Friedhof und Spielplatz befindet. Insgesamt stehen für alle Bauabschnitte je nach Variante zwischen 5,3 und 5,7 Hektar zur Verfügung, auf denen nach den Vorstellungen des Büros Plan ES Platz für etwa 200 Wohneinheiten bestehe.

Vor einer Realisierung müssten Untersuchungen und Gutachten wie eine Umweltplanerische Bestandsaufnahme und eine Übersichtsbegehung zur Ermittlung des überschlägigen Kompensationsbedarfs, eine Vermessung (liegt für den 1. BA vor, für die anderen Flächen noch erforderlich), eine Betrachtung der verkehrlichen Belange (liegt vor), ein Bodengutachten (liegt für den 1. BA vor) und die Planung der Ver- und Entsorgung sowie Entwässerung erstellt werden.

Bebauung mit Einzel-, Doppel- und Reihenhäusern

Für den beschlossenen 1. Bauabschnitt seien bereits ein Umweltbericht und ein artenschutzrechtlicher Fachbeitrag, schalltechnische Untersuchungen, Planung der Ver- und Entsorgung sowie Entwässerung (Entwurf) und eine geophysikalische Prospektion eingeholt worden, stellte Elisabeth Schade fest. Sie präsentierte zwei Varianten, wie die Bebauung in den vier Abschnitten einmal aussehen könnte, wobei im 1. Bauabschnitt ein Anfang mit 18 Wohneinheiten gemacht werden soll.

„Wir haben uns an der bestehenden Bebauung mit Einzel-, Doppel- und Reihenhäusern orientiert, Mehrfamilienhäuser sind nicht geplant“, so Schade. Zu einem möglichen Zeitplan wollte sich die Planerin nicht äußern, denn zunächst müsse die Gemeindevertretung einen Grundsatzbeschluss zur Entwicklung dieses Gebiets fassen.

Mit einer ganzen Reihe von Fragen und Bedenken meldete sich Alexander Kovacsek (CDU) zu Wort. Sollte das Gebiet so realisiert werden, bedeute dies einen Zuwachs von etwa 500 Einwohnern, was ein Zehntel der jetzigen Bevölkerung darstelle und „eine Hausnummer“ sei mit Konsequenzen für die Infrastruktur des Ortes. Er verwies darauf, dass die Römerstraße und umliegende Straßen den gesamten Verkehr zum und aus dem Neubaugebiet verkraften müssten, was zwar laut Gutachten machbar wäre, aber die Frage nach sich ziehe, ob man den Bürgern, die dort wohnen, den zusätzlichen Verkehr zumuten könne. Auch stelle sich die Frage nach der Wirtschaftlichkeit eines solchen Projekts für die Gemeinde, die wohl auch stark davon abhänge, in welcher Größe letztlich geplant werde und zu welchen Konditionen Land angekauft werden könne.

Weniger historische Funde erwartet als im ersten Bauabschnitt

„Wollen wir Zuzugsgemeinde werden oder lediglich unseren jungen Familien die Möglichkeit eröffnen, eigenes Wohneigentum zu schaffen?“, fragte Kovacsek in die Runde. Nach Ansicht seiner Fraktion liege das mögliche Neubaugebiet in Marköbel „sehr am Rande der Gemeinde mit weiten Wegen zum Ortsmittelpunkt mit den infrastrukturellen Einrichtungen wie Kita, Schule oder Verwaltung“, bemängelte der Christdemokrat, der die Entwicklung eines näher zur Ortsmitte gelegenen Gebiets lieber sähe.

Diese und weitere Fragen, die schon sehr ins Detail der Planung und Gestaltung gingen, konnten naturgemäß in dieser Sitzung nicht erschöpfend geklärt werden. Immerhin stellte die Planerin auf eine Frage von Antje Schöny (Grüne) fest, dass man bei einer geophysikalischen Prospektion weit weniger historische Funde in den weiteren Bauabschnitten erwarte als im 1. Bauabschnitt. Denn dieser Bereich liegt noch in unmittelbarer Nähe des römischen Kastell-Areals.

Von Thomas Seifert

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