Wissenschaftler der Universitätskliniken München und Erlangen haben in einem Versuch mit Sängern festgestellt, dass Aerosole bis zu eineinhalb Meter nach vorne ausgestoßen werden. Um die Konzentration von eventuell in der Luft befindlichen Viren zu minimieren, sollen in Hammersbach künftig Filteranlagen für unbedenkliche Raumluft in Kinderbetreuungseinrichtungen und dem Bürgertreff sorgen.
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Wissenschaftler der Universitätskliniken München und Erlangen haben in einem Versuch mit Sängern festgestellt, dass Aerosole bis zu eineinhalb Meter nach vorne ausgestoßen werden. Um die Konzentration von eventuell in der Luft befindlichen Viren zu minimieren, sollen in Hammersbach künftig Filteranlagen für unbedenkliche Raumluft in Kinderbetreuungseinrichtungen und dem Bürgertreff sorgen.

Digitales Bürgerinformationssystem abgelehnt

Lüftungsanlagen sollen umgebaut werden: Hammersbach will Aerosole bekämpfen

  • Jan-Otto Weber
    vonJan-Otto Weber
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Hammersbach – „Corona hat uns fest in der Hand“, stellte Bürgermeister Michael Göllner (SPD) mit Blick auf die Allgemeinverfügung des Kreises am Dienstagabend zur Gemeindevertretersitzung fest. So hielten sich die Parlamentarier und Besucher im bis an die Kapazitätsgrenze gefüllten Saal des Bürgertreffs Langen-Bergheim an die Maskenpflicht auf den Plätzen und trugen zu einer zügigen Durchführung der Tagesordnung bei.

Auch das Hauptthema des Abends drehte sich um das Virus. Gleich zwei Anträge der SPD-Fraktion befassten sich mit der Reduzierung von Aerosolen in Räumlichkeiten der Gemeinde wie Kinderbetreuungseinrichtungen und dem Bürgertreff Langen-Bergheim.

„Durch den Einsatz von Geräten zur Reduzierung der Aerosolbelastung könnten die Gefahren von Infektionen für Kinder, Erzieher und Mitarbeiter in unseren Einrichtungen bedeutend vermindert werden“, so SPD-Fraktionsvorsitzender Wilhelm Dietzel in seiner Begründung. „Solche Geräte scheiden Aerosole durch Filterelemente ab und vernichten sie durch Erhitzen. Tests haben die Wirksamkeit nachgewiesen. Auch Gremienversammlungen und Veranstaltungen in den Räumen der Gemeinde wären besser geschützt.“

Hammersbach will Förderprogramm in Anspruch nehmen

So könnte auch im Bürgertreff durch den Umbau der Lüftungsanlage die Gefahr durch Aerosole bedeutend vermindert werden. Durch die Zuspitzung der Lage habe die SPD ihren ursprünglichen Prüfantrag nun zur sofortigen Umsetzung abgeändert. Gerade recht komme da ein Förderprogramm des Bundeswirtschaftsministeriums, das kürzlich für die Corona-gerechte Um- und Aufrüstung von Lüftungsanlagen aufgelegt worden sei.

„Die Förderung beträgt bis zu 40 Prozent der förderfähigen Ausgaben“, so Dietzel. „Nach Auffassung der SPD sollte die Gemeinde diese Fördermöglichkeit umgehend in Anspruch nehmen und die Maßnahme umsetzen, um Lieferengpässen bei den Geräten zuvorzukommen.“ Die nötigen Mittel sollen durch Umschichtungen im Haushalt 2020 zur Verfügung gestellt werden.

CDU mit Kritik an Art und Weise des SPD-Antrags

CDU-Fraktionsvorsitzender Alexander Kovacsek zeigte sich in der Sache einverstanden, jedoch nicht in der Art und Weise, wie dieser Antrag zustande gekommen sei. „Auch uns in der CDU geht es darum, Gefahren von unseren Bürgern abzuwenden. Wenn es aber so wichtig ist, solche Geräte zu beschaffen, warum ist dann der Gemeindevorstand nicht von sich aus schon längst tätig geworden?“

Entweder, so Kovacsek, müsse der Gemeindevorstand durch den SPD-Antrag zum Handeln getrieben werden, oder – und das sei seine Vermutung – der Gemeindevorstand wollte ohnehin tätig werden, und die SPD meinte, sie müsste dies mit einem Antrag „untermalen“.

„Jedenfalls ist wertvolle Zeit verloren gegangen“, so das Fazit des CDU-Fraktionschefs. „Ich hätte mir in einer so wichtigen Frage ein gemeinsames Vorgehen des Parlaments gewünscht.“ SPD-Fraktionsvorsitzender Dietzel entgegnete, das Problem sei wohl eher, dass die CDU nicht selbst auf die Idee gekommen sei. „Wir beschließen das heute hier zusammen. Das ist gut so.“ Die Entscheidung fiel einstimmig.

Digitales Bürgerinformationssystem abgelehnt

Abgelehnt wurde hingegen der CDU-Antrag, den Geschäftsablauf des Parlaments zu digitalisieren und in diesem Zusammenhang ein Bürgerinformationssystem zu erstellen, auf dem der Öffentlichkeit sämtliche parlamentarische Unterlagen zugänglich gemacht werden.

Gerade die Corona-Krise habe gezeigt, dass auf Papier basierende Kommunikation nicht mehr zeitgemäß sei, so Kovacsek, dessen Fraktion schon zu Beginn der Wahlperiode einen Anlauf in der Sache unternommen hatte. „Es wird Geld kosten, aber auch einen absoluten Mehrwert bringen.

Bürger nutzen digitale Angebote nur selten

Hatte der Haupt- und Finanzausschuss nach einem Fachvortrag der Hauptamtsleiterin Sandra Schutt unter Enthaltung der SPD noch eine Beschlussempfehlung ausgesprochen, erteilte Fraktionsvorsitzender Dietzel dem Antrag am Dienstagabend eine Absage. „Wir haben vor eineinhalb Jahren den Kompromiss geschlossen, dass wir die Unterlagen als Download auf der Homepage der Gemeinde zur Verfügung stellen. Das Angebot funktioniert inzwischen und ist an Vollständigkeit nicht zu übertreffen.“

Einziger Vorteil eines Bürgerinformationssystems wäre nach Ansicht der SPD-Fraktion eine Suchfunktion. Laut Verwaltung werde jedoch die Möglichkeit zum Download von den Bürgern kaum genutzt. „Das Bedürfnis der Bevölkerung nach digitalisierten Informationen ist wohl doch niedriger als gedacht“, so Dietzel. „Angesichts des hohen organisatorischen und technischen Aufwands gibt es dringendere Dinge.“

Bürgermeister Göllner ergänzte: „Ich bin in verschiedenen Parlamenten tätig. Einen Quantensprung was die Qualität der Debatten betrifft, konnte ich zum Beispiel im Kreistag trotz Digitalisierung noch nicht feststellen.“

Weitere Themen und Beschlüsse der Gemeindevertretung

Die Gemeindevertreter haben den Forstwirtschaftsplan von Hessen Forst für das Haushaltsjahr 2021 beschlossen. Er sieht einen Überschuss von 21 856 Euro vor.

Die im Haushaltsplan vorgesehenen Mittel von 75 000 Euro zum Umbau der Trauerhalle Marköbel werden zur Sanierung von Dach und Fassade des Oberturmes in Marköbel übertragen. Hier werden die Mittel dringender benötigt, da durch Witterungseinflüsse auf Dauer die Bausubstanz geschädigt wird. Die Trauerhalle soll zu einem späteren Zeitpunkt wieder in den Blick genommen werden.

Die Ladestation für Elektrofahrzeuge am Rathaus soll wieder der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden.

Der Gemeindevorstand soll prüfen, ob und mit welchem Partner in Hammersbach eine Tagespflege eingerichtet werden kann. Nach Ausführung der antragstellenden SPD-Fraktion gibt es in Ronneburg eine solche Einrichtung, die an die dortige Senioren-Dependance der Alten- und Pflegezentren des Main-Kinzig-Kreises angeschlossen ist. Sie werde von einem Hammersbacher Unternehmen betrieben und auch von Hammersbacher Bürgern genutzt. Durch die geplanten Baugebiete könnte auch in Hammersbach der Bedarf steigen. Dieser Bedarf sei zu klären, ebenso wie die Frage nach dem Standort, dem Betreiber sowie der Finanzierung (Investor, Zuschüsse).

Der Gemeindevorstand soll auf die Gemeinde Limeshain zugehen, um die Herstellung einer Radwegeverbindung von Langen-Bergheim nach Rommelhausen auf bestehenden Feldwegen parallel zur Landesstraße 3191 sind. Die Verbindung wäre wesentlich kürzer und komfortabler als die beiden bereits bestehenden entlang des Gewerbegebiets jenseits der Autobahn oder durch den Wald.

Das Parlament stimmte einer Änderungssatzung zur Wasserversorgungssatzung zu. Hintergrund ist die Senkung des Umsatzsteuersatzes durch die Bundesregierung im Rahmen der Corona-Maßnahmen. Die neue Formulierung kann nun flexibel angewendet werden.

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