Positiv Verrückte: Thomas Schneider, Christoph Finkernagel und Sebastian Rau (von links) sind die geistigen Väter des Projekts "Neues Rasenspielfeld" des KSV Langen-Bergheim. Foto: Thomas Seifert

Hammersbach

KSV Langen-Bergheim: Mitglieder rollen neuen Rasen aus

Hammersbach. „Ein Plan von Verrückten, der von Verrückten umgesetzt wurde.“ So beschreibt der Sportliche Leiter des KSV Langen-Bergheim, Sebastian Rau, das Projekt „Neues Rasenspielfeld“.

Von Thomas Seifert

Was am Anfang schier undurchführbar schien, haben die positiv Verrückten des Vereins tatsächlich gestemmt und den Sportplatz „Am Seedamm“ in einer Woche von einer „üblen Wiese“ in ein schmuckes Rasenspielfeld verwandelt – und zwar komplett in Eigenregie.

Die Väter des Projekts sind neben Rau noch Christoph Finkernagel und Thomas Schneider, die bereits im Herbst letzten Jahres mit der Planung begonnen haben. „Die letzte Erneuerung des Rasens liegt schon sehr lange zurück. Im Laufe der Zeit wurde viel ausgebessert und geflickt. Der vergangene heiße Sommer hat dem Gras aber dann den Rest gegeben, aus einer Sandwüste haben noch einige Rasenbüschel herausgeschaut. Vernünftiges Fußballspielen war dort nicht mehr möglich“, beschreibt Rau den Zustand des Spielfelds, so wie er noch vor gut einer Woche war, bevor die Arbeiten begannen.

Komplett über Spenden finanziert

Das Trio setzte sich mit Firmen in Verbindung, holte Kostenvoranschläge ein und musste feststellen, dass auf diesem Weg eine Erneuerung des Rasens für den KSV finanziell nicht machbar sein würde. Also verfielen die drei auf die Idee, lediglich den Rollrasen zu kaufen und diesen selbst zu verlegen. Nach einigen Recherchen wurde auch eine Firma in den Niederlanden gefunden, die zu einem vertretbaren Preis den Rollrasen anliefern würde.

„Da der KSV im positiven Sinne ein Dorfverein ist, haben wir die Kosten des Projekts, das einen kleinen fünfstelligen Betrag verschlingen wird, komplett über Spenden finanziert, darunter ein kleiner vierstelliger Betrag von der Gemeinde. Der Verein selbst musste keinen einzigen Euro beisteuern“, berichtet der Sportliche Leiter nicht ohne Stolz.

Rollrasen aus Holland

Am vergangenen Montag wurde das auf eine Woche Arbeitszeit angelegte Mammutprojekt gestartet. Mit Hilfe von Landwirten und deren Geräten, die auch nur ihre Unkosten bezahlt haben wollten, wurde die alte Grasnarbe mit zwei Baggern abgetragen und bis Mittwoch die Erde bis auf eine Tiefe von 30 Zentimetern entfernt. Am Donnerstag begann dann die Feinarbeit, der Platz wurde abgezogen und eingeebnet und es wurden die größten Erdklumpen, die nicht zerkleinert worden waren, eingesammelt. „Wir haben jede Menge gute Erde abzugeben“, betont Rau, „Interessenten müssen sie nur selbst abholen.“

Unter Anleitung von Mitarbeitern der Gartenbaufirma „Naturtalent“ begannen dann am Freitag die vielen Helfer die ersten Bahnen Rollrasen zu verlegen, die am frühen Morgen auf zwei Lkw aus Holland eingetroffen waren. Am Samstag kamen dann weitere zwei Lastwagen mit Rollrasen in Langen-Bergheim an.

Zeitplan ist aufgegangen

„Im Vorfeld haben ich und meine Mitstreiter einige schlaflose Nächte gehabt. Aber als wir gesehen haben, wie viele Freiwillige sich auf dem Sportplatz tummeln, war alles gut. Wir hatten teilweise extra Strahler aufgebaut, um auch nach Einbruch der Dunkelheit noch Rollrasen verlegen zu können. Bis 1.30 Uhr in der Nacht waren wir an den beiden Tagen tätig“, beschreibt Rau das Arbeitspensum der bis zu 40 Helfer, zu denen auch Bürgermeister Michael Göllner und Pfarrer Markus Christ gehörten.

Und der Zeitplan ist aufgegangen. „Im Gegensatz zum Hauptstadtflughafen oder Stuttgart 21“, fügt Rau hinzu. Jetzt erstrahlt der Sportplatz in einem satten Grün, das Wort Rasenspielfeld kann mit Fug und Recht wieder für das Geläuf des KSV benutzt werden.

Verein stolz auf das Geleistete

Bis zum ersten Pokalspiel in zwölf Wochen soll der Rollrasen in aller Ruhe anwachsen. „Wir können bei befreundeten Vereinen zum Beispiel in Himbach, auf dem Platz am Jugendzentrum Ronneburg und auf der zentralen Sportanlage in Marköbel trainieren. Wir brechen nichts übers Knie, denn der Rasen soll uns nun wieder lange Zeit gute Dienste leisten“, betonte der Sportliche Leiter.

Seines Wissen nach gibt es im näheren und weiteren Umkreis keinen Verein, der die Verlegung eines neuen Rasens in Eigenregie gestemmt hat, worauf der „Dorfverein“ natürlich ziemlich stolz ist. „Jetzt brauchen wir nur noch Temperaturen über 20 Grad und genügend Regen, dann wird das ein Spielfeld, um das uns andere Vereine beneiden werden“, freut sich Rau schon auf die ersten Begegnungen auf dem sanierten Sportplatz „Am Seedamm“.

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