Revierförster Udo Kaufmann leistet in Nidderau und Hammersbach gute Arbeit, wie beide Kommunen ausdrücklich bestätigen. Archivfoto: Jan-Otto Weber

Nidderau/Hammersbach

Kommunen suchen nach Lösungen für Beförsterung und Holzverkauf

Nidderau/Hammersbach. Über Jahre haben sich die Gremien in vielen Kommunen lediglich einmal im Jahr näher mit ihrem Wald beschäftigt. Nämlich dann, wenn es darum ging, den Forstwirtschaftsplan durchzuwinken, der oft beständige Erträge auswies.

Von Jan-Otto Weber

Doch mit den vom Dienstleister Hessen Forst angekündigten Gebührensteigerungen, mit denen der Staatsbetrieb die gesetzlich vorgeschriebene Kostendeckung erreichen will, und der kartellrechtlichen Neuordnung der Holzvermarktung beraten die Kommunen derzeit, wer sich künftig um die Bewirtschaftung des Waldes kümmern soll.

Grundsätzlich sind sowohl Nidderau als auch Hammersbach mit der Arbeit des für beide Kommunen tätigen Revierförsters Udo Kaufmann von Hessen Forst zufrieden. In puncto Beförsterung will Hammersbach deshalb an der Zusammenarbeit mit Kaufmann festhalten, auch wenn dies wegen der steigenden Gebühren geringere Erträge bedeuten könnte. „Wir wollen neben der Holzvermarktung jetzt nicht noch eine zweite Baustelle bei der Beförsterung aufmachen“, erklärt Hammersbachs Bürgermeister Michael Göllner (SPD) am Donnerstag auf HA-Anfrage.

In der Wirtschaft sparen

Nidderau hingegen hatte den Vertrag mit Hessen Forst bereits im Jahr 2017 vorsorglich gekündigt. Er läuft Ende 2019 aus. „Über eine Kostenverdopplung wird man ja schließlich nachdenken dürfen“, hatte Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD) seinerzeit im Ausschuss gesagt. „Sich nach anderen, günstigeren Anbietern umzuschauen, ist das gute Recht und geradezu eine Pflicht für Kommunen, die gehalten sind, sparsam zu wirtschaften.“

Ein vom Magistrat beauftragtes Gutachten, das Ende Februar im Umweltausschuss vorgestellt wurde, sieht sowohl Vorteile in der weiteren Zusammenarbeit mit Hessen Forst als auch bei einer Eigenbeförsterung. „Die Försterstelle für unsere 1000 Hektar Wald ist im Gutachten mit 60 Prozent angesetzt“, erläutert Stadtrat Rainer Vogel (Grüne) am Donnerstag gegenüber dem HA die aktuellen Überlegungen. „Die Eigenbeförsterung hätte den Charme, dass wir dieser Stelle somit noch andere Arbeiten wie Heckenschnitt und Grabenräumung am Waldrand zuordnen könnten. Zudem hätten wir keinen fixen Bewirtschaftungssatz pro Hektar zu zahlen.“

Denkbar sind beide Möglichkeiten

Diese Gebühr will Hessen Forst zur Kostendeckung bis 2025 von derzeit netto 15,66 Euro im Jahr auf dann 30,32 Euro steigern. Der Ausschuss hatte deshalb nach Vorstellung des Gutachtens im Februar die Verwaltung beauftragt, nähere Informationen zu Beförsterung und Holzverkauf durch einen Dienstleister einzuholen, eventuell in Kombination mit einer Eigenbeförsterung. „Doch auch eine Verlängerung mit Hessen Forst ist jederzeit denkbar“, betont Umweltdezernent Vogel.

Der Ortsverband Nidderau des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) spricht sich in einer aktuellen Pressemitteilung für eine Eigenbeförsterung aus. „Der Wald wäre nicht überwiegend 'Holzacker'“, erklärt Helmut Gockert, Waldexperte des BUND in Nidderau und Grünen-Vertreter des Ortsbeirates Erbstadt. „Alle Entscheidungen des Waldeigentümers könnten direkt umgesetzt werden – Eigeninteressen und Gewinnstreben von Dienstleistern wären nicht mehr vorhanden.“

Vorsicht beim Holzverkauf

Doch so ganz möchte auch Stadtrat Vogel, der zugleich Kämmerer ist, nicht auf die Erträge aus der Waldbewirtschaftung verzichten, die er je nach Einschlagsmenge durchschnittlich auf bis zu 50 000 Euro im Jahr beziffert. Da die Vermarktung über Hessen Forst – unabhängig von der Beförsterung – aus kartellrechtlichen Gründen ab September nicht mehr möglich ist, muss in dieser Frage jedoch erst eine Lösung gefunden werden.„Wir dürfen jetzt auf jeden Fall nicht einfach einschlagen, ohne zu wissen, an wen wir verkaufen“, so Vogel.

Durch den weit verbreiteten Borkenkäferbefall seien die Preise für Nadelholz im Sinkflug. Wie sich die Preise in den für Nidderau wichtigen Segmenten Buche und Eiche durch die Neuordnung der Vermarktungsstrukturen entwickeln, müsse man abwarten. „Hessen Forst hat große Mengen aus verschiedenen Landesteilen abgesetzt. Dafür können die Sägewerke nun gezielter einkaufen. Kann sein, dass sich Qualität gegenüber der Masse behauptet.“

Einheit durch Verkaufsorganisation

Allerdings will auch Vogel das Holz aus dem Nidderauer Stadt- und Bürgerwald nicht im Alleingang anbieten. Vielmehr beteiligt sich Nidderau an einem Arbeitskreis verschiedener Kommunen aus dem westlichen Main-Kinzig- und dem Wetteraukreis, die eine Holzvermarktungsorganisation anstreben. Treibende Kraft ist Hammersbachs Bürgermeister Michael Göllner. Der hat bereits einen Beschlussvorschlag entworfen, über den sich die Kommunen von ihren Parlamenten den Auftrag zu einer solchen interkommunalen Zusammenarbeit erteilen lassen könnten.

„Sinnvoll ist es, wenn der Zusammenschluss der Kommunen so viel Holz bündelt, dass eine am Markt spürbare Größenordnung gebündelt wird“, heißt es darin. „Außerdem sollten die Waldbesitzer eine homogene Einheit bilden im Hinblick auf die möglichen Holzsortimente und eine räumliche Überschaubarkeit sollte gewährleistet sein. Wichtig ist aber auch, dass soviel Holz gebündelt wird, das es möglich ist, die Kosten einer Organisation auf eine möglichst große Holzmenge zu verteilen.“

Blick in die Zukunft

Und auch zum Thema Beförsterung hat Göllner seine eigene Vorstellung: „Ich habe die Vision, ein Kommunalforstamt mit mehreren Förstern zu bilden“, so der Diplom-Forstwirt. „Eine Trennung von Ver- und Betrieb halte ich nicht für zukunftsträchtig.“

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