Um die Gäste zu bekochen, ist Mohamad Al Sadi für diesen Abend aus Mainz angereist. Hier wird das Hähnchen in kleine Portionen geschnitten. Foto: Ulrike Pongratz

Hammersbach

Hummus trifft Bockwurst: Geflohene und Einheimische kochen

Hammersbach. Es riecht schon lecker nach gebratenem Hähnchen und Reis, in der Küche bereiten Mohamad Al Sadi und Adnan Mriden auf engstem Raum ein leckeres Essen zu. Eine große Tafel für etwa 20 Personen ist bereits gedeckt, Hummus als Vorspeise und Fladenbrot stehen auf dem Tisch, dazu Wasser, Limonaden, Saft.

Von Ulrike Pongratz

Nach und nach kommen die Gäste, werden freundlich begrüßt und umarmt. Wer will, kann zugreifen, doch zuerst will man sich unterhalten. In kleinen Gruppen sitzen oder stehen Syrer und Hammersbacher zusammen und unterhalten sich.

Nach und nach kommen die Gäste, werden freundlich begrüßt und umarmt. Wer will, kann zugreifen, doch zuerst will man sich unterhalten. In kleinen Gruppen sitzen oder stehen Syrer und Hammersbacher zusammen und unterhalten sich.

Idee begeistert aufgenommen

Seit Anfang des Jahres kochen einmal im Monat, immer donnerstags, Geflohene in den Räumen des Vereins für sozialpädagogisches Management in der Langen -Bergheimer Straße. Noch ist die Zahl der Einheimischen überschaubar, die die Einladung zu diesen Abenden annehmen, um die Geflüchteten und deren Kultur kennenzulernen.

Die Initiative für das Projekt hat Mohamad Hadid ergriffen. Der Syrer, der zurzeit als Projektleiter für World Vision arbeitet, hat sich in Darmstadt mit einem Masterstudium im „Non-Profit-Management“ weitergebildet. In Syrien war Hadid bereits für die Vereinten Nationen (UNO) in verschiedenen Projekten tätig. „Ich habe mit Lisa Stein vom VSPM über die Möglichkeiten eines solchen Projektes gesprochen; die Idee wurde hier begeistert aufgenommen.“ Hadid stellte den Förderantrag beim Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat, das dem Antrag und dem Finanzplan zustimmte und das Projekt für drei Jahre fördern wird.

Möglichkeit zum Austausch

Die meisten geflüchteten Menschen kommen aus Syrien, auch aus Marokko, Eritrea und anderen Ländern und leben seit etwa zwei bis vier Jahren in Deutschland. Viele der Geflohenen haben ein großes Interesse daran, die deutsche Sprache zu lernen, ein großes Interesse an der Kultur und daran, wie Menschen hier leben. Vor allem die jungen Migranten wollen gerne hier arbeiten. Doch es gibt kaum Gelegenheiten, mit Bewohnern in Kontakt zu kommen, erklärt Stein.

Das findet zum Beispiel auch Petra Vitterer: „Ich finde es sehr gut, dass es hier die Möglichkeit zum Austausch gibt. Ich wollte mir ein eigenes Bild machen, die Menschen kennenlernen, die zu uns gekommen sind. Ich bin zum dritten Mal hier. Es sind hier sehr nette Leute. Ich freue mich über die neuen Kontakte, die ich knüpfen konnte.“ Zwischen Petra Vitterer und dem jungen Syrer Saria Alar, der dem Alter nach ihr Sohn sein könnte, ist bereits fast so etwas wie Freundschaft entstanden.

Aktuell mehr Geflohene als Einheimische

Noch immer kommen mehr Geflohene zum gemeinsamen Essen als Einheimische, immerhin sind regelmäßig bis zu zwei Dutzend Personen versammelt. „Dabei ist das Gesamtkonzept stimmig und es funktioniert gut“, sagt Jan Eric Schlachter. Der 25-jährige Student der Heil- und Sonderpädagogik wird zunächst die Sozialarbeit für Lisa Stein im VSPM übernehmen. Stein geht in Mutterschutz und Elternzeit. Schlachter, der sich seit drei Jahren in der Flüchtlingsarbeit engagiert, wird in Hammersbach für die weiteren Projekte zuständig sein. „Geplant sind zwei Veranstaltungen im Monat, eventuell ein breiteres kulturelles Angebot.“

Über das (gemeinsame) Kochen und Essen ist es sehr einfach und unkompliziert, ins Gespräch zu kommen. Man muss nicht gleich „heiße Eisen“ anpacken, obwohl auch kontrovers diskutiert wird. Profitieren können beide Seiten: Die Geflohenen erweitern ihre Sprachkenntnisse und die „Einheimischen“ lernen ihre neuen Nachbarn kennen. „Ich wollte einfach wissen, ob es tatsächlich so ist, wie berichtet wird. Kein Vorurteil wurde hier bestätigt“, sagt Petra Vitterer.

Mohamad Al Sadi kommt extra aus Mainz

Vor allem wollen sich die Geflohenen gern engagieren, der Gesellschaft etwas zurückgeben. Wie zum Beispiel Mohamad Hadid, der noch viele Ideen für weitere Initiativen hat, Saria Alar, der für das Projekt Flyer verteilt, in der Küche hilft und der gerne Optiker werden möchte, oder Mohamad Al Sadi. „Ich bin heute der Hauptkoch“, sagt er.

Al Sadi kommt extra aus Mainz, wo er lebt und an der katholischen Hochschule studiert. Er hat ein richtiges Menü gezaubert, mit Bohnensalat, Reis mit Erbsen und Hähnchen mit Granatapfelsirup im Teigmantel. Es ist für jeden Geschmack etwas dabei. „Sollen wir auch mal ein deutsches Gericht kochen? Was wünscht ihr euch denn?“, lautet die Frage für das nächste Treffen. Die einhellige Antwort: „Kartoffelsalat und Bockwurst.“

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