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Hammersbachs erster Naturkindergarten in den Startlöchern

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Anais Vanden Eede freut sich auf ihr neues Projekt. Der Naturkindergarten ist der erste seiner Art in der Gemeinde Hammersbach.
Anais Vanden Eede freut sich auf ihr neues Projekt. Der Naturkindergarten ist der erste seiner Art in der Gemeinde Hammersbach. © Georgia Lori

Anais Vanden Eede eröffnet am 2. Mai den ersten Naturkindergarten in der Gemeinde Hammersbach. Die 25-Jährige stammt aus Bad Vilbel und lebt in Ronneburg. Kontakt zu Kindern hatte sie schon früh als Babysitterin. Sie war in der Jugendarbeit aktiv und studierte Erziehungswissenschaften mit Bachelor-Abschluss in Frankfurt. Dort stieß sie auch auf die Naturpädagogik.

Hammersbach – Nach dem Studium arbeitete sie eineinhalb Jahre im Waldkindergarten in Alten-stadt. Ab Mai betreibt sie gegenüber der Schafskäserei des Hofguts Kapellenhof in Hirzbach den tiergestützten Naturkindergarten. Zunächst werden zwei Kinder betreut. Insgesamt sind neun Kinder für den Monat Mai angemeldet und für das komplette Jahr 13 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren. Einige von ihnen haben bereits Natur- und Waldkindergartenerfahrung.

Eigener Gemüsegarten ist ein Pfeiler des Konzepts

„Trotz vieler politischer Neustrukturierungen in Hammersbach haben sich die Parteien für das Projekt interessiert und stark gemacht“, sagt Vanden Eede. Mit dem Naturkindergarten könne das Betreuungsangebot in Hammersbach erweitert werden. Aktuell gibt es eine Kindertagesstätte im Köbler Weg, zwei Standorte für den U3-Bereich sowie die Kinderkiste mit Nachmittagsbetreuung. Einen Naturkindergarten in Hammersbach zu eröffnen, sieht sie als Chance, denn auch Waldkindergärten liegen in den umliegenden Gemeinden im Trend und müssen teilweise schon erweitern. „Es spielen viele Dinge mit hinein, dass die Eltern die Natur als Co-Erzieher wertschätzen können“, sagt Vanden Eede. Der Naturkindergarten lege den Schwer-punkt auf Natur und die Tiere als Alleinstellungsmerkmal.

Ein weiterer Pfeiler des Konzepts soll die Anlage eines Gemüsegartens auf dem Areal sein. „Die Kinder erfahren so eine andere Wertschätzung gegenüber Lebensmitteln“, sagt Vanden Eede. Das Obst der Kirsch-, Pflaumen- und Apfelbäume soll verarbeitet werden. Auf dem Gelände des Hofguts hat sie ein Jahr ein landwirtschaftliches Praktikum absolviert und das Areal entdeckt. Sie sprach mit dem Eigentümer des Hofs, der sie gerne unterstützt. Auch die Gemeinde sei aufmerksam geworden.

Hessen Mobil stuft Verkehrsaufkommen als unbedenklich ein

Auf dem Gelände des Hofguts wird gerade eine neue Halle errichtet, um mehr Lagerfläche für Materialien zu haben. Vorläufig kann ein Raum bei Sturmwarnung von den Kindern und Erziehern genutzt werden und später ein Gemeinderaum in der Kommune. Eine Gefahr für die Naturkita wegen erhöhten Verkehrsaufkommens auf dem Hof sieht Vanden Eede nicht.

Die Koalition aus CDU und Grünen hatten Bedenken wegen Gefahren für die Naturkita angemeldet. Begründet wurde dies mit der Einmündung des Feldwegs im Kurvenbereich der Landesstraße 3009 als auch den Verkehr des Käsereibetriebes sowie dem Hof- und Bringverkehr. „Mittlerweile hat „Hessen Mobil“ das Gelände mit Zufahrten geprüft und es als unbedenklich eingestuft. Zudem kommen die Eltern zu Stoßzeiten. Morgens, wenn sie kommen, ist noch kein Betrieb auf dem Hof. Bedenken hat es mehr gegenüber Kunden gegeben, die in der Hütte der Käserei einkaufen“, so Vanden Eede.

Sitzgruppe aus Baumstämmen steht bereit

Zudem brauchten die Kin- der der Naturkita nicht auf die Hohe Straße, sondern hätten im hinteren Bereich des 800 Quadratmeter großen und eingezäunten Grundstücks noch einen zweiten Ausgang. Bei einer Besichtigung des Hofes mit den Kindern sei es Teil der Aufgabe der Erzieher, den Kindern Achtsamkeit im Straßenverkehr beizubringen. Das Naturkita-Gelände sei ursprünglich vom Hof für die Schafe gepachtet worden. Nun habe sie es vom Eigentümer unterverpachtet bekommen, sagt Vanden Eede.

Für die Kinder wurde mittlerweile eine Sitzgruppe aus Baumstämmen aufgebaut, sowie ein Toilettenhaus aus Holz. Der beheizte Bauwagen wird Mitte Mai angeliefert. Er dient als Unterschlupf mit Leseecke. Der Anhänger für die Schafe ist schon ausgebaut. Drei Schafe bleiben ganzjährig auf dem Gelände und werden von den Kindern versorgt.

Kinder dürfen drei Schafe versorgen

Es ist ein Pfeiler des Konzepts, dass die Kinder spielerisch und mit Unterstützung lernen, Verantwortung zu übernehmen. Die Coburger Fuchsschafe stammen von Vanden Eedes Kollegen, der auf dem Kapellenhof arbeitet. Die Schafe sind unterschiedlich alt und sollen auch Namen erhalten. Eines heißt bereits „Spüli“. Für die beiden anderen Schafe dürfen sich die Kinder einen Namen ausdenken. Bereits am kommenden Sonntag sollen die Schafe zur Eingewöhnung auf das Gelände kommen.

Viel Unterstützung erhält Vanden Eede seitens des Hofes. Die Schafe fungieren als Rasenmäher. Für Geländearbeiten soll es Helfertage mit Beteiligung der Eltern geben. Später sollen Wege mit Rindenmulch ausgelegt werden. Doch zunächst steht eine Geländebesichtigung seitens des Jugendamtes im Vordergrund. Zudem hat Vanden Eede die gemeinnützige Unternehmensgesellschaft „Die Weidenschafe“ gegründet, um den Naturkindergarten in das Handelsregister eintragen lassen zu können.

Betreuungszeiten gehen von 8 bis 14 Uhr

Die Kinder werden von Anais Vanden Eede und der Betreuungskraft Julia Wissler betreut. Wissler hat langjährige Erfahrung in Kindertagesstätten und leistete von Anfang an Unterstützung. Ab Juli kommt eine weitere pädagogische Fachkraft hinzu. Die Betreuungszeiten sind montags bis freitags von 8 bis 14 Uhr. Die ursprüngliche Planung, den Naturkindergarten bereits im März zu eröffnen, konnte nicht realisiert werden, da noch nicht alle Genehmigungen erteilt waren. Aus diesem Grund fiel auch die Landesförderung weg, da der Stichtag nicht eingehalten werden konnte. Die Gemeinde Hammersbach leistete daraufhin eine Defizitzahlung und übernahm auch die Landesförderung für dieses Jahr. Die Eltern sind hessenweit sechs Stunden am Tag beitragsfrei. Lediglich Zuschüsse zur Bastelkasse fallen. (Georgia Lori)

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