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Hammersbach: Diskussion um Holzeinschlagmengen und Stilllegung im Wald

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Von: Jan-Otto Weber

Vom Borkenkäfer befallene Fichten mussten im Frühjahr 2021 auf etwa fünf Hektar Fläche weit vor der Zeit gefällt werden, wie Bürgermeister Michael Göllner (rechts) und Revierförster Udo Kaufmann damals mitteilten. ARCHIV
Vom Borkenkäfer befallene Fichten mussten im Frühjahr 2021 auf etwa fünf Hektar Fläche weit vor der Zeit gefällt werden, wie Bürgermeister Michael Göllner (rechts) und Revierförster Udo Kaufmann damals mitteilten. © Archivfoto: PM

So wie die meisten Beschlüsse fiel auch die Verabschiedung des Forstwirtschaftsplans für Hammersbach am Dienstagabend in der Gemeindevertretung einstimmig aus. Doch wie ebenfalls bei den meisten anderen Themen, wurde in der Diskussion doch die unterschiedliche Beurteilung in der Sache sehr deutlich.

Hammersbach – Fakt ist: Dem Gemeindewald geht es schlecht, was keine Hammersbacher Besonderheit, sondern durch die vergangenen Trockenjahre allgemein gültig ist. Fakt ist auch: Der Forstwirtschaftsplan weist für 2022 ein Defizit von 21 000 Euro aus, nachdem er in den vergangenen Jahren solide Gewinne anzeigte.

Für den SPD-Fraktionsvorsitzenden Wilhelm Dietzel ist dies auch auf die Herausnahme von 20 Prozent der Fläche aus der Bewirtschaftung zurückzuführen, die für eine Stilllegung gutachterlich geprüft werden. Die tatsächliche Stilllegungsfläche soll auf Antrag der schwarz-grünen Koalition am Ende zunächst zehn Prozent betragen. „Wir sind diesbezüglich immer noch skeptisch, aber wir respektieren die Mehrheitsentscheidung und sind gespannt, welches Konzept die Planer vorlegen“, so Dietzel am Dienstagabend.

Auch CDU-Vertreter Markus Gutjahr schilderte, er sei im ersten Moment erschrocken gewesen über das Defizit. Allerdings habe ihn die Aussage des kommissarischen Revierförsters Alexander Zentz im Ausschuss stutzig gemacht, der in Nachfolge von Udo Kaufmann derzeit den Gemeindewald bewirtschafte.

Mehr Holz geerntet als vorgesehen

Zentz habe sich bei der Vorstellung des Wirtschaftsplans im Ausschuss gewundert, dass bei der schlechten Holzqualität zuletzt überhaupt noch Gewinne erwirtschaftet wurden. Zudem sei in den letzten Jahren mehr geerntet worden als im Forsteinrichtungswerk festgelegt. „Wer zu viel erntet, tut dies auf Kosten der Nachhaltigkeit und zukünftiger Generationen“, so Gutjahr. „Das kann so nicht weitergehen.“

Ausschussvorsitzende Irmgard Beck (Grüne) verwies zudem darauf, dass der eigentliche Wert des Waldes nicht in ökonomischen Bilanzen auftauche. Er bestehe in seinen Humus-Böden, seiner Funktion als Wasserspeicher und zur Neubildung von Grundwasser, seiner Bedeutung für den Artenschutz und als Erholungsraum. „Der Wald ist eben kein reiner Bau- und Brennholzacker.“

Göllner verwahrt sich gegen vermeintlichen „Raubbau“-Vorwurf

Bürgermeister Michael Göllner (SPD) konnte diesen nach seiner Ansicht vermittelten Eindruck, dass im Gemeindewald „Raubbau“ betrieben worden sei, nicht stehen lassen. Waldwirtschaft sei immer eine Abwägung zwischen ökonomischen, ökologischen und sozialen Faktoren. „Oft haben Udo Kaufmann und ich im Wald gestanden und überlegt, wie wir gewissenhaft vorgehen können.“ Da sei auch schon mal eine alte kranke Buche gefällt worden, um sie wenigstens noch verwerten zu können, bevor sie komplett absterbe.

Der hohe Einschlag sei auch in der Kalamität begründet, also in der zum Teil großflächigen Rodung von vor allem trockenkranken Fichten. Über die Jahre gesehen, hätten die Förster als „Gralshüter der Nachhaltigkeit“ aber durchaus Vorräte aufgebaut, so Göllner. „Wir wollen die Stilllegung so umsetzen, dass sie auch Sinn macht, und werden entsprechende Vorschläge vorlegen. Der Raubbau-Vorwurf wird den Förstern, die hier über Generationen gewirtschaftet haben, nicht gerecht.“

Den Hinweis von Markus Gutjahr, dass er lediglich die Aussagen von Förster Zentz zur Einschlagmenge zitiert habe, ohne das Wort „Raubbau“ zu benutzen, quittierte Göllner mit der Antwort: „Ich habe das so interpretiert.“ (Von Jan-Otto Weber)

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