Ein Wahlplakat der Grünen zur Kommunalwahl am 14. März 2021 in Hessen hängt am Interkommunalen Gewerbegebiet Hammersbach. Im Hintergrund laufen vor der Logistikhalle von ID Logistics Erdarbeiten für die sogenannte Westerweiterung.
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Ein Wahlplakat der Grünen zur Kommunalwahl am 14. März 2021 in Hessen hängt am Interkommunalen Gewerbegebiet Hammersbach. Im Hintergrund laufen vor der Logistikhalle von ID Logistics Erdarbeiten für die sogenannte Westerweiterung.

KOMMUNALWAHL

Hammersbach: Die Grünen wollen als neue Kraft in der Gemeindevertretung mitmischen

  • Jan-Otto Weber
    vonJan-Otto Weber
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Es ist ein Neuanfang für Bündnis 90/Die Grünen. Denn der Ortsverband wurde erst vor zwei Jahren ins Leben gerufen. „Wir haben uns im Mai 2019 gegründet als Antwort auf die zementierten Strukturen, die sich im Zuge der Entwicklung des interkommunalen Gewerbegebietes zeigten. Wir wollen in Hammersbach politische Vielfalt stärken und damit unsere Gemeinde resilient und nachhaltig weiterentwickeln.“

Hammersbach – Politische Vielfalt kann der 5000-Einwohner Gemeinde sicher nicht schaden. Denn seit zunächst der Bürgerblock und dann die FDP von der kommunalen Bühne verschwanden, stellt die CDU seit zehn Jahren die einzige Oppositionspartei zur SPD, die mit Michael Göllner auch den Bürgermeister stellt.

Klare Position gegen Ausbau des Gewerbegebiets Limes

Antje Schöny, Spitzenkandidatin für die Grünen Hammersbach

Eine Bilanz zur zurückliegenden Legislaturperiode können die Grünen Hammersbach also nicht ziehen. Zumindest nicht, was die parlamentarische Arbeit angeht. „Wir denken aber, dass unter anderem auch mit unserer Gründung und der Positionierung gegen die Erweiterung des interkommunalen Gewerbegebietes Bewegung in die Debatte rund um das Gewerbegebiet gekommen ist“, erklärt die Partei gegenüber unserer Zeitung. „Dies rechnen wir uns bereits jetzt als Erfolg an, ohne im Gemeindeparlament vertreten zu sein.“ Bisher habe der Unmut der Bevölkerung nicht in Wählerstimmen abgebildet werden können, meinen die Grünen. „So treten wir mit dieser klaren Position zur Wahl an.“

Mit „frischem und unverbautem Blick“ wollen die Grünen auf die Belange der Gemeinde schauen. Als neu gegründeter Ortsverband seien die Mitglieder hoch motiviert. Generell zeichne sich die Partei durch eine große Offenheit und flache Hierarchien aus. So könnten auch Nicht-Parteimitglieder eine politische Heimat finden. Jeder könne sich mit seinen Stärken einbringen.

Klimaschutz und gesellschaftliche Vielfalt

Die Themen sind erwartungsgemäß typisch grün. Wobei die Ziele Klimaschutz, gesellschaftliche Vielfalt und ein friedliches Zusammenleben heutzutage auf der Agenda jeder demokratischen Partei zu finden sind. Doch die Grünen Hammersbach setzen darauf, dass die Wähler das Original auf dem Stimmzettel ankreuzen.

David Eller, Listenplatz 2 für die Grünen Hammersbach

Und so werden sie beim Thema Klimaschutz genauer. Bodenschutz, Hochwasserschutz, CO2-Emmissionen und Grundwasserneubildung stünden neben der Problematik der dramatischen Abnahme von Biodiversität weit vorne auf der Agenda. Dafür müssten alle Entscheidungen auf kommunaler Ebene auf Klimaneutralität geprüft werden, etwa bei der Neuversiegelung von Böden.

Weitere konkrete Punkte: Um den Wald zu schützen, sollten nach Ansicht der Grünen zehn Prozent der Fläche aus der Nutzung genommen werden. Die Anbindung der Gemeinde an den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) müsse verbessert sowie ein sicheres und durchgehendes Radwegenetz innerhalb des Ortes und zu den Nachbargemeinden geschaffen werden. Auch sichere und barrierefreie Wege für Fußgänger, mehr verkehrsberuhigte Zonen, Elektro-Ladesäulen und Carsharing-Konzepte seien nötig.

Lob für sozialen Zusammenhalt in der Gemeinde

„Hammersbach zeichnet sich durch ein gutes soziales Miteinander aus, das vor allem durch ein lebendiges Vereinsleben mit viel Engagement durch die Bürgerinnen und Bürger getragen wird“, stellen die Grünen fest. „Damit dies so bleibt und diese Vereinsstrukturen die aktuelle Krise überstehen können, wollen wir die Vereine unbürokratisch unterstützen.“

Verbesserungspotenzial sieht die Partei bei der Jugendarbeit, die am Dienstag auch ein großes Thema im Rahmen der Haushaltsdebatte zwischen SPD und CDU in der Gemeindevertretung gewesen ist. Mit der Einrichtung eines Jugendbeirats wollen die Grünen der jungen Generation dauerhaft Gehör verschaffen. „Auch bedarf es einer besseren personellen Ausstattung der Jugendarbeit und der Errichtung eines Jugendtreffs.“

Zudem stellt die Partei einen Mangel an Wohnraum für Hammersbach fest. „Deshalb setzen wir auf die Schaffung von bezahlbarem und bedarfsgerechtem Wohnraum, etwa durch den Vorrang für den Bau von Mehrfamilienhäusern bei der Erschließung neuer Baugebiete durch die Gemeinde.

Berührungspunkte mit der CDU

Die Integration von Geflüchteten sei in Hammersbach hervorragend gelungen, loben die Grünen. Als Zeichen der Offenheit solle die Gemeinde dem Bündnis „Sicherer Hafen“ beitreten, um weiteren Menschen in Not eine Heimat zu werden.

Schließlich will die Partei die Digitalisierung der Verwaltung vorantreiben, um demokratische Prozesse zu fördern und Teilhabe für alle Menschen zu ermöglichen. Alle öffentlichen Ausschusssitzungen sollten digital übertragen werden. Eine Forderung, die auch die CDU am Dienstag per Antrag ins Parlament einbrachte. Überhaupt ist es nicht der einzige Berührungspunkt mit den Christdemokraten. Auf jeden Fall bringen die Grünen Farbe ins politische Hammersbach. (Jan-Otto Weber

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