Unter Leitung des ADFC-Vorsitzenden Armin Deckenbach (links) erarbeitete eine Arbeitsgruppe ein Verkehrskonzept. Bürgermeister Michael Göllner (rechts) sieht darin eine wertvolle Diskussionsgrundlage.
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Unter Leitung des ADFC-Vorsitzenden Armin Deckenbach (links) erarbeitete eine Arbeitsgruppe ein Verkehrskonzept. Bürgermeister Michael Göllner (rechts) sieht darin eine wertvolle Diskussionsgrundlage.

Verkehrskonzept

Hammersbach: Arbeitsgruppe macht Vorschläge für besseres Miteinander auf der Straße

  • VonThomas Seifert
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Ein Jahr lang haben Mitglieder des ADFC und Bürger daran gearbeitet, jetzt liegt es vor und wurde vor Kurzem an Bürgermeister Michael Göllner (SPD) übergeben: ein 17 Seiten starkes Verkehrskonzept für die Gemeinde. Neben der Grundlage für Diskussionen in den politischen Gremien soll das Papier auch bei der nächsten Bürgerversammlung vorgestellt werden.

Hammersbach – Armin Deckenbach, Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) in Hammersbach, stellte bei der Übergabe fest, dass bei der Diskussion über einen weiteren Radweg nach Limeshain vom Bürgermeister – nach eigenen Angaben selbst ein passionierter Radfahrer – der Vorschlag gekommen sei, ob man sich beim ADFC nicht Gedanken über ein Radwegeverkehrskonzept machen könne. „Das wäre aber zu kurz gegriffen, denn man sollte schon alle Fortbewegungsmöglichkeiten betrachten: vom Fußgänger, über den Radfahrer bis zum Autofahrer und dem Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel“, so der Ansatz von Deckenbach und dessen Mitstreitern.

Göllner dankte allen Beteiligten für die Arbeit und lobte, das Verkehrskonzept sei eine „gute Grundlage, um sich über kurzfristige und langfristige Verbesserungen für alle Verkehrsteilnehmer Gedanken machen zu können“. Natürlich werde es unterschiedliche Blickwinkel und Sichtweisen zum Verkehr geben. „Ein Umdenken kann nur durch Überzeugung stattfinden, von oben verordnete Maßnahmen sind auf diesem Gebiet immer schwierig und stoßen meistens auf geringe Akzeptanz“, gab der Rathauschef zu bedenken. Sein Plan ist, das Verkehrskonzept im Gemeindevorstand, in den Gremien und bei der nächsten Bürgerversammlung zu diskutieren.

Autoren legen Schwerpunkt auf Radverkehr

Bei zwei Befahrungen der Ortsteile Marköbel und Langen-Bergheim notierten die Akteure vor allem negative und neuralgische Punkte für die verschiedenen Verkehrsteilnehmer (wir berichteten). Bei langen Gesprächen und Diskussionen, behindert durch den anfangs nur sehr eingeschränkten persönlichen Kontakt wegen der Pandemie, kristallisierten sich mehrere Kernpunkte und Forderungen heraus, wie man in Hammersbach den Verkehr sicherer für alle Teilnehmer und auch flüssiger machen könnte. Allerdings heißt es in der Präambel auch: „Mit einem Verkehrskonzept, das allen Verkehrsteilnehmern gerecht wird, wollen wir Verkehr zukunftsfähig gestalten, bevor er auch bei uns zum Problem wird. Als ADFC Hammersbach werden wir in diesem Konzept unseren Schwerpunkt auf den Radverkehr legen, ohne die anderen Verkehrsteilnehmer aus den Augen zu verlieren. Uns ist bewusst, dass es auch hier Konflikte mit den Interessen anderer Verkehrsteilnehmer geben kann, da der Verkehrsraum begrenzt ist.“

.  Im Kapitel Radverkehr haben die Autoren eine ganze Reihe von innerörtlichen Straßen und Verbindungen sowie überörtliche Radwege aufgelistet, wo es Verbesserungsbedarf zum Beispiel beim Straßenzustand gibt. Das Radfahren an den Hauptverkehrsstraßen sei in beiden Ortsteilen nicht ungefährlich, es gebe aber innerörtliche Wege, die für Radfahrer besser geeignet seien. Dafür seien aber eine Beschilderung und Piktogramme auf dem Straßenbelag notwendig, so die Autoren. Bei überörtlichen Wegen wird vor allem der Zustand der Oberflächen kritisiert, nur ganz wenige sind asphaltiert. An einigen Stellen enden Radwege abrupt oder Hindernisse wie Findlinge stellen eine Gefahr dar. Zudem gebe es zu wenige sichere Abstellmöglichkeiten. Eine bessere Einbindung von Informationen für Radler auf dem Limesradweg und der Hohen Straße mittels QR-Codes mit Vernetzung auf die Homepage der Gemeinde würde das touristische Angebot bereichern.

.  Zugeparkte Gehwege in vielen Straßen sehen die Autoren als größtes Ärgernis für Fußgänger, vor allem wenn sie mit Kinderwagen oder Rollatoren unterwegs sind. Auch für Rollstuhlfahrer gebe es oft kein Durchkommen auf den Gehsteigen. Außerdem seien sie häufig durch Hundekot verschmutzt. Hier müsste die Überwachung konsequenter werden, denn viele Anwohner würden Stellplätze oder Garagen fehlbelegen und ihre Autos unnötigerweise im öffentlichen Raum abstellen. Markierungen könnten dort, wo es möglich ist, für klare Verhältnisse sorgen. Sichere Querungen auf den Hauptverkehrsstraßen seien Mangelware, haben die Autoren festgestellt, Hilfen für Blinde und Sehbehinderte fehlten.

.  Vor allem auf dem Land werde das Auto als Fortbewegungsmittel gebraucht, stellen die Autoren fest. Allerdings könnten viele Besorgungen und Wege in der Gemeinde auch ohne Auto bewerkstelligt werden – so auch der Schulweg von Kindern statt der Elterntaxis. Für Pendler schlagen die Verfasser ein Job- oder 365-Euro-Ticket vor. Das Abstellen von Kfz im öffentlichen Straßenraum sollte mit einem Anwohnerparkausweis geregelt und für Kurzzeitparker sollte eine Parkscheibenpflicht eingeführt werden. Zusätzlich müssten weitere öffentliche Parkflächen geschaffen werden, die mit E-Ladesäulen ausgestattet sind.

.  Beim Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gebe es Defizite in Richtung Büdingen und Altenstadt, zudem sei das Tarifsystem zu teuer und reformierungsbedürftig. Für innerörtlichen Verkehr könnte man zum Beispiel ein Ein-Euro-Ticket schaffen, auch das Job-Ticket und ein 365-Euro-Ticket sollten in die Überlegungen einfließen. Die Linienstruktur könnte optimiert werden, zum Beispiel durch eine gegenläufige Rundstrecke Hanau – Langenselbold–Ronneburg – Büdingen-Eckartshausen – Hammersbach – Bruchköbel – Hanau.

Abschließend formulierten die Autoren. „Wir setzen uns für eine Wende in der Verkehrspolitik ein. Daher müssen wir konsequent für den Vorrang des Radverkehrs und eines nachhaltigen ÖPNV eintreten. Einschnitte im bisher dominierenden Kfz-Verkehr sind nicht vermeidbar, sollen aber möglichst einvernehmlich und mit guten Argumenten geführt werden. Gegenseitige Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer entschärft Konflikte und fördert das Miteinander. Wir sind davon überzeugt, dass dieses Verkehrskonzept sich langfristig positiv auf die Wohn- und Lebensqualität aller Hammersbacher Bürger auswirken wird.“

Konzept als Download

Das siebzehnseitige „Verkehrskonzept für die Gemeinde Hammersbach“ ist auf der Homepage der Gemeinde im PDF-Format zum Download bereitgestellt. Von Thomas Seifert

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