Bekennen sich zum Logistikstandort am Limes: Limeshains Bürgermeister Adolf Ludwig (sitzend von links), Dr. Wolfgang Dietz, Hammersbachs Bürgermeister Michael Göllner, Regionalverbandspräsident Thomas Horn und Landtagsabgeordneter Heiko Kasseckert sowie (stehend von links) Uwe Ebling von ID Logistics, IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Gunther Quidde, MKK-Wirtschaftsdezernent Winfried Ottmann, Landtagsabgeordneter Christoph Degen und Büdingens Bürgermeister Erich Spamer. Foto: Jan-Otto Weber

Hammersbach

Gewerbegebiet Limes: Regionale Entscheidungsträger sind überzeugt

Hammersbach. In der Debatte um das interkommunale Gewerbegebiet Limes hat der Hammersbacher Bürgermeister und Vorsitzende des Zweckverbands Michael Göllner (SPD) zum großen Wurf ausgeholt und die maßgeblichen regionalen Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft an einen Tisch geholt.

Von Jan-Otto Weber

Neben den Bürgermeistern der ebenfalls beteiligten Kommunen Limeshain und Büdingen, Adolf Ludwig (SPD) und Erich Spamer (parteilos), trafen sich am Montag die Landtagsabgeordneten Christoph Degen (SPD) und Heiko Kasseckert (CDU), Regionalverbandsdirektor Thomas Horn (CDU), der Wirtschafts- und Verkehrsdezernent des Main-Kinzig-Kreises Winfried Ottmann (CDU), der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern Dr. Gunther Quidde, Uwe Ebling für den Ankermieter ID Logistics und nicht zuletzt Dr. Wolfgang Dietz, Vorstandsvorsitzender der Dietz AG, die als Hauptinvestor am Limes auftritt und über zwei Drittel der bislang etwa 24 Hektar Gewerbeflächen verfügt.

Doch dabei soll es nicht bleiben. Denn sämtliche Beteiligte gaben sowohl ein klares Bekenntnis zur Entwicklung des Standorts zum Logistikzentrum als auch zur Erweiterung des Gebiets auf etwa 50 Hektar ab. So sagte etwa Landtagsabgeordneter Heiko Kasseckert, der zugleich Vorsitzender des Haupt- und Planungsausschusses der Regionalversammlung Südhessen ist:

Erweiterung noch nicht abgesegnet

„Hier am Tisch kann keiner sagen, dass eine Erweiterung schon abgesegnet ist. Aber wir haben uns in der CDU-Fraktion in der Regionalversammlung bereits damit beschäftigt und sehen keinen Grund, der dagegen spricht.“ Und der SPD-Landtagsabgeordnete Christoph Degen pflichtete bei: „An diesem Punkt streiten wir uns sicherlich nicht. Das interkommunale Gewerbegebiet Limes ist ein Musterbeispiel der Entwicklung. Die Kommunen machen sich keine Konkurrenz, sondern ziehen an einem Strang.“

Er habe Respekt vor allen, die sich für die Umwelt einsetzten, so Degen weiter. Aber man müsse die Interessen abwägen. „Wir sind hier nun mal im Osten der Rhein-Main-Region, wo wir noch wachsen können. Es wäre fatal, dieses Filet-Stück nicht zu nutzen. Es ist auch ökologisch sinnvoll, weil man die Belastungen insgesamt minimiert. Die Logistik ist ein stabiles Instrument, um Prosperität nachhaltig zu sichern, weil sie auf dem Konsum von Verbrauchern beruht.“

Reihum schilderten die Beteiligten ihre Sicht zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region, die am Ende auch den Kommunen und den Bürgern vor Ort durch Arbeitsplätze und Steuereinnahmen zugute komme. IHK-Hauptgeschäftsführer Quidde hob die Bedeutung der Logistik als drittstärkste Branche in Deutschland nach der Automobilindustrie und dem Handel hervor, die gegenwärtig als einzige wachse – und zwar deutlich.

Verantwortlicher Umgang mit Ressourcen

Alle Beteiligten betonten noch einmal, dass es ein verantwortlicher Umgang mit Ressourcen sei, 0,3 Prozent der Gemarkungsfläche der drei beteiligten Kommunen an einem Standort zu bündeln, in unmittelbarer Nähe zur Autobahn. Regionalverbandsdirektor Horn betonte dabei, dass die Metropolregion Frankfurt-Rhein-Main mit London und Paris konkurriere und dennoch eine der „durchgrüntesten“ Regionen sei. Von den 2300 Hektar Wohn- und Gewerbeflächen, die im aktuellen Flächennutzungsplan ausgewiesen seien, habe man in den vergangenen acht Jahren nur 25 Prozent tatsächlich realisiert. „Die Menschen erwarten heute, dass Waren ständig verfügbar sind. Logistikzentren kommen Verbrauchern zugute. Wohlstand mehren und sichern ist Aufgabe der Politik.“

Dass diese Art des Wachstums und der Internetversandhandel immer mehr Lkw auf die Straßen bringen und deren Nachhaltigkeit vor dem Hintergrund der aktuellen Klimadebatte zu hinterfragen sei, sahen die Regionalplaner weniger kritisch. Stattdessen sehen sie Bedarf für 1000 Hektar zusätzliche Gewerbeflächen in der Region bis zum Jahr 2030. „Wir haben wunderbare Konzepte für die Innenstädte“, erklärte Horn. „Aber wenn die Leute von der Couch aus über das Internet bestellen, nutzt das nichts.“

Differenzierter Blick auf Umweltbilanz

Quidde mahnte zu einem differenzierten Blick auf die Umweltbilanz. Denn früher sei die Familie einmal pro Woche mit dem SUV in die Innenstadt zum Großeinkauf gefahren. Und Göllner erinnerte daran, dass nicht nur Artikel aus dem Online-Handel, sondern auch der Joghurt im Bauernladen auf Logistikprozesse angewiesen sei.

Kasseckert fasste zusammen: „Wir müssen solche Bedenken verantwortungsvoll aufnehmen. Aber es ist nicht an der Politik, den Leuten vorzuschreiben, wie sie einkaufen sollen. Wir machen das Internet nicht mehr rückgängig. Was wir steuern können ist, wie wir unsere Ressourcen nutzen. Jeder Standort hat seine Stärken, die wir möglichst effektiv einsetzen müssen.“

Göllner dankte allen Akteuren, die am Ende eine gemeinsame Erklärung unterzeichneten. „Für uns ist es heute ein starkes Zeichen, dass die Kommunalpolitik nicht alleine ist, sondern die wirtschaftliche Entwicklung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, hinter der alle Ebenen stehen“, erklärte Göllner. „Und genauso lassen wir die Unternehmer, die sich bei uns ansiedeln, nicht alleine, wenn sie ungerechtfertigten Angriffen ausgesetzt werden. Wir sind überzeugt, dass wir gemeinsam etwas Gutes für die Region tun.“

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