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Geschichtsverein Hammersbach hat nun eine AG Archäologie

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Sie suchen noch Mitstreiter: Stefanie Matulat und Martin Zinke sind die Gründer der Arbeitsgemeinschaft Archäologie im Verein für Kultur und Heimatgeschichte Hammersbach. Zur römischen Vergangenheit Marköbels wurde bereits viel erforscht, wie unter anderem die Schautafeln im Ort zeigen.
Sie suchen noch Mitstreiter: Stefanie Matulat und Martin Zinke sind die Gründer der Arbeitsgemeinschaft Archäologie im Verein für Kultur und Heimatgeschichte Hammersbach. Zur römischen Vergangenheit Marköbels wurde bereits viel erforscht, wie unter anderem die Schautafeln im Ort zeigen. © Thomas Seifert

Der Verein für Kultur- und Heimatgeschichte ist um eine Arbeitsgruppe reicher. Um Interesse am historischen Hintergrund der Gemeinde zu wecken und weitere Mitstreiter für Aktionen rund um Vor- und Frühgeschichte, die Römerzeit, die Zwischenzeit und das frühe wie späte Mittelalter zu gewinnen, haben Stefanie Matulat und Martin Zinke vor kurzem die AG Archäologie ins Leben gerufen.

Hammersbach – Inzwischen sind die beiden Protagonisten im Vorstand des Vereins als Schriftführerin und Beisitzer tätig und haben die volle Rückendeckung ihrer dortigen Mitstreiter unter Vorsitz von Hartmut Schneider. Es war vor allem Stefanie Matulat der auffiel, dass es zu den ergiebigen Ausgrabungen im Jahr 1983 im Bereich des Neuen Friedhofs „so gut wie keine Veröffentlichungen gibt, weil die beteiligten Archäologen und Grabungsleiter offensichtlich so mit Arbeit eingedeckt sind, dass sie bislang keine Zeit hatten, die Funde wissenschaftlich einzuordnen“, wie sie in Gesprächen herausfand. Ähnlich sieht es mit weiteren Erkundungen aus dem Jahr 2003 aus, deren grundlegende Erkenntnisse sogar einige Lehrmeinungen über den Bau des Limes widerlegten.

Inzwischen hat Matulat vielfältige Kontakte geknüpft, etwa zu Peter Jüngling vom Hanauer Geschichtsverein, einem Kenner der historischen Szene in der Region, zum Kreisarchäologen Klaus Bergmann und zu weiteren Fachleuten. Die junge Frau besuchte zudem den 2. Wetterauer Limestag und den Hessenarchäologietag, um weitere Experten kennenzulernen, Vorträge zu hören und sich Fachkenntnisse anzueignen – kurzum, sich in das Thema Archäologie richtig einzuarbeiten.

Neben Römern auch andere Epochen im Blick

Tatkräftig unterstützt wird sie dabei von Martin Zinke, der eher an der Zeit zwischen dem Niedergang des Römischen Reichs bis hin zum Ausgang des Mittelalters interessiert ist und gerne in Archiven stöbert. „Gemeinsam können wir ein wenig bewegen. Aber um richtig durchzustarten, brauchen wir noch weitere Mitstreiter, die wir für die Themen Archäologie und Ausgrabungen sensibilisieren und neugierig machen wollen. Es gibt Funde zu sichten, einzuordnen, zu katalogisieren und der Forschung zur Verfügung zu stellen oder sogar selbst zu publizieren“, stellt Zinke fest.

Matulat setzt auch auf die Zugkraft des Limes als Weltkulturerbe. In Marköbel habe ein großes Kastell mit Reiterei und Infanterie und – wie Zinke vermutet – ein Limesübergang existiert, denn die seit Urzeiten wichtige Fernhandelsverbindung von Portugal nach Kiew, von der die Hohe Straße ein Teil ist, führt direkt durch die Ortslage und deshalb auch entlang des Römerkastells.

„Als 1884 die Reichslimeskommission die ersten großen Ausgrabungen organisierte und durchführte, war man aber total auf die Römer und deren Hinterlassenschaften fixiert. Vermutlich wurden damals wichtige Zeugen späterer Besiedlung achtlos beiseite geschoben. Trotzdem besteht die Chance auf Funde aus nachrömischer Zeit“, glaubt Zinke.

AG-Mitglieder wollen Grabungen unterstützen

Die Mitglieder der AG wollen aber nicht nur Literatur und Grabungsberichte auf Hinweise die Gemeinde betreffend durchforsten, sondern sich auch aktiv beteiligen. „Wenn die AG-Mitglieder zeitig über geplante Erkundungen und Ausgrabungen zum Beispiel im Vorfeld von neuen Baugebieten informiert werden, können wir ehrenamtlich an diesen Aktionen mitwirken, sofern sie von der Denkmalpflege ausgeführt werden“, stellt Matulat fest.

Auch Feldbegehungen, natürlich mit Nachforschungsgenehmigung, kann sich die engagierte Schriftführerin vorstellen. Dabei könnten die Teilnehmer mit Erlaubnis der Grundeigentümer nach Keramikscherben oder urgeschichtlichen Werkzeugen in der Feldflur suchen. Die Funde würden dann auf Fundzetteln beschrieben und an das Landesdenkmalamt zur weiteren Auswertung übergeben, beschreibt Matulat das Prozedere.

Mitstreiter gesucht

Und es gibt weitere Ideen wie Luftbildarchäologie mit Drohnen zum Beispiel auf der Suche nach dem Wachturm auf dem alten Sportplatz, die römische Geschichte mit dem Mittelalter verbinden, Aktionen für Kinder anbieten, die Zinke bereits während der Ferienspiele erfolgreich durchgeführt hat, Vorträge erarbeiten und organisieren sowie die Zusammenarbeit mit den Kreis- und Bezirksarchäologen und der Gemeinde bei anstehenden Bauprojekten intensivieren.

Stefanie Matulat und Martin Zinke wünschen sich, dass die AG Archäologie „zu einer ernstzunehmenden Instanz wird und damit ein wichtiger Bestandteil des Vereins für Kultur- und Heimatgeschichte“, wobei die beiden Initiatoren durchaus offen sind für Themen, die nicht nur streng archäologischen Charakter haben. (Von Thomas Seifert)

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