Das Hufeisen, das Schriftführerin Karin Schäfer in die Kamera hält (Bildmitte), soll dem neuen Hammersbacher Ortsverband der Grünen Glück bringen. Bei der Gründung wurden die Vorsitzende Sandra Gerbert (links), ihre Stellvertreterin Irmgard Beck (rechts), Kassiererin Viola Haßdenteufel (vorne links) und Eva Biesenbach (vorne rechts) von Manfred Jünemann, Achim Kreis und Jan Schiller (von links) vom Kreisverband unterstützt. Foto: Jan-Otto Weber

Hammersbach

Fünf Frauen aus Hammersbach gründen Gründen-Ortsverband

Hammersbach. Hammersbach hat eine neue Partei. Es dauerte am Dienstagabend keine 30 Minuten, bis Manfred Jünemann, Mitglied im Kreisvorstand der Grünen, nach Satzungsbeschluss und Vorstandswahlen die Gründungsmitglieder beglückwünschen konnte.

Von Jan-Otto Weber

„Wir freuen uns wirklich sehr, dass es gelungen ist, einen weiteren Ortsverband aus der Taufe zu heben“, sagte der 70-Jährige in der Reiterstube auf dem Reiterhof Beck in Langen-Bergheim. „Auch in Rodenbach und Bad Orb werden sich in den kommenden Tagen Gruppen gründen. Die weißen Flecken werden weniger.“

Fünf Frauen sind es, die der Hammersbacher Zweiparteienlandschaft aus SPD und CDU einen grünen Anstrich verpassen wollen. Und sie sind hoch motiviert. Mit den 250 Euro, den der Landesverband für jede Neugründung zur Verfügung stellt, wollen sie noch vor der Europa-Wahl am 26. Mai einen Flyer verteilen, um sich als neuer Ortsverband vorzustellen und für Grünen-Ziele zu werben.

Alle Hände voll zu tun

An Themen mangelt es nicht: Da wären die dubiosen Fällungen von Horst-Bäumen des Rotmilans und die Diskussion um Windkraft im Ronneburger Hügelland. Oder der Ausbau des Radwegenetzes, etwa ins benachbarte Limeshain und nach Bruchköbel, wo einige Hammersbacher Jugendliche die Schule besuchen.

Ein großes Thema ist die künftige Ausrichtung der Gemeinde bei der angedachten Ausweisung von Baugebieten. „Was bei uns in Hammersbach fehlt, sind Wohnungen“, meint etwa Sandra Gerbert, frisch gekürte Vorsitzende des neuen Ortsverbands. „Wir brauchen Mehrfamilienhäuser, auch um den Flächenverbrauch einzudämmen.“ Dabei müsse auch über Passivhausstandards, Wasserverbrauch oder das Verbot von Steingärten nachgedacht werden, wie es aktuell in anderen Kommunen diskutiert wird.

Ausschlaggebender Bau

Und natürlich ist da die Debatte um das interkommunale Gewerbegebiet Limes. Zwar habe man schon zuvor über die Gründung eines Grünen-Ortsverbandes nachgedacht, erklären die Frauen. Aber der Bau der riesigen Logistikhallen jenseits der Autobahn gab die Initialzündung. So engagieren sie sich auch für die Bürgerinitiative Schatzboden, deren Vorsitzende Irmgard Beck nun auch stellvertretende Vorsitzende der Hammersbacher Grünen ist.

„Ja, wir müssen uns vorwerfen lassen, dass wir uns erst spät mit der Entwicklung befasst haben“, räumt die Agraringenieurin ein, die mit ihrem Reiterhof auch im Naturland-Verband organisiert ist. Auch die anderen Frauen geben zu, sich bisher nicht um kommunale Themen gekümmert zu haben.

In die eigene Hand nehmen

„Wir waren bisher in dem treuen Glauben, dass die das in der Gemeindevertretung schon richtig machen“, erklärt Beck. „Es ist ja auch nicht das erste Gewerbegebiet, das in Hammersbach entwickelt wird, und die Idee, interkommunal direkt an der Autobahn zusammenzuarbeiten, ist ja auch gut. Aber das, was jetzt daraus geworden ist, ist erschreckend.“

Böse Absichten unterstellen die Frauen den Gremienvertretern dabei nicht. „Aber man kann die nicht einfach so weiterwurschteln lassen“, meint Eva Biesenbach. Das ist doch naiv und unprofessionell, was die da machen. Zumindest kommt es mir so vor.“

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