Berhane Beraki-Hargos aus Eritrea und Glaserei-Mitarbeiter Karsten Schulz in der Werkstatt des Hanauer Betriebs. Dank seiner Vorkenntnisse findet sich der künftige Lehrling bereits gut im Betrieb zurecht. Foto: PM

Hammersbach

Fleißiger Flüchtling aus Eritrea macht Glaserausbildung

Hammersbach. Nach langer Suche hat die Glaserei Jacob aus Hanau bald wieder einen neuen Lehrling. Er ist 20 Jahre alt und kommt aus Hammersbach. Das Besondere: Noch vor drei Jahren war Berhane Beraki-Hargos auf der Flucht aus seinem Heimatland Eritrea, die er beinahe nicht überlebt hätte.

Von Jan-Otto Weber

Es war im Herbst 2013 als Berhane Beraki-Hargos in einem überfüllten Flüchtlingsboot über das Mittelmeer nach Europa kam. Wie so viele andere Boote kenterte auch seines. Im Gegensatz zu vielen Mitreisenden konnte er gerettet werden.Seit eineinhalb Jahren lebt der 20-jährige Eritreer nun in einer Wohngruppe des Vereins für sozialpädagogisches Management (VSPM) in Langen-Bergheim. Dort konnte er die traumatischen Erlebnisse seiner Flucht verarbeiten. Er erhält Sprachunterricht und hat mittlerweile an den Beruflichen Schulen in Gelnhausen seinen Hauptschulabschluss gemacht. 

Ein zuverlässiger Arbeiter„Berhane ist sehr zuverlässig und sozial“, berichtet Jochen Mahnke. „Er wurde auch zum Sprecher seiner Wohngruppe gewählt.“ Mahnke ist Vorsitzender des Hammersbacher Vereins, der sich in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt des Main-Kinzig-Kreises um Migranten aber auch deutsche Jugendliche kümmert und auf vielen Feldern soziale und pädagogische Arbeit leistet.Mahnke lebt mit seiner Familie im gleichen Haus, wo auch der Verein seinen Sitz hat. „Berhane hat sich auch handwerklich schon oft eingebracht, etwa beim Aufbau von Möbeln oder einem Holzverschlag für die Mülltonnen. Er geht systematisch vor und ist sehr organisiert. Wenn er morgens aus dem Haus auf die Arbeit geht, dann sehe ich ihm an: Er ist motiviert und will es schaffen.“ 

Handwerkliche Fähigkeiten überzeugenAuf die Arbeit: Das ist seit Anfang des Jahres die Hanauer Glaserei Jacob. Der Familienbetrieb in der Brüningstraße wird in zweiter Generation von Klaus Jacob geführt. „Berhane hat mich von Beginn an überrascht“, so der Glasermeister und Fensterbauer. „Schon im Praktikum hat er gezeigt, dass er mit Holz umgehen und sogar Glas schneiden kann.“Er sei schon längere Zeit auf der Suche nach einem Lehrling gewesen, schildert der Geschäftsführer. Aber es sei heutzutage gar nicht mehr so einfach, junge Leute für die teils körperlich schwere Arbeit im Handwerk zu begeistern. „Deshalb war eigentlich schnell klar, dass wir Berhane übernehmen würden.“ 

Hilfe durch den Sozialpädagogischen Verein und die Agentur für ArbeitDas Praktikum kam durch den Einsatz von Berhanes Betreuerin beim VSPM und die Vermittlung der Agentur für Arbeit zustande. Derzeit befindet sich der 20-Jährige in der sogenannten Einstiegsqualifikation Plus. Betriebe können junge Menschen im Rahmen dieses Programms an eine Ausbildung in ihrem Betrieb heranführen. Zielgruppen für EQ-Maßnahmen sind Ausbildungsbewerber, die keine reguläre Ausbildungsstelle finden konnten oder die aktuell noch nicht in vollem Umfang für eine Ausbildung geeignet sind.Letzteres trifft auch auf Berhane zu. Denn trotz seiner Bemühungen ist er sprachlich noch nicht auf dem Niveau, um eine Berufsschule besuchen zu können. „Sobald sein Deutsch gut genug ist, wird er einen ordentlichen Lehrvertrag bekommen“, stellt Jacob in Aussicht.

Learning by doingDoch schon jetzt arbeitet Berhane an vier Tagen in der Woche im Betrieb mit und bezieht auch Gehalt. Der Betrieb erhält dafür einen Zuschuß von der Agentur für Arbeit. Am fünften Tag drückt Berhane die Schulbank. Parallel dazu läuft auch der Sprachunterricht beim VSPM weiter. „Wir können im Unterricht auch individuell auf Anforderungen des Betriebs eingehen“, so Mahnke. „Zum Beispiel, indem wir Vokabeln von Werkzeugen und Fachbegriffe üben.“

Und auch in kulturellen Fragen besteht noch Nachholbedarf. „Bei Kunden kommt es natürlich nicht gut an, wenn er den schweren Metallwerkzeugkasten auf dem Parkett abstellt oder mit der Leiter gegen die Möbel stößt“, erklärt Jacob. „Aber viele Dinge kann er einfach nicht wissen. Das bekommen wir schon hin.“

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