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Filipinas setzen Zeichen gegen körperliche und sexuelle Gewalt

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Flora Meyer-Fernandez ist eine von zwei Filipinas in Hammersbach, die ihr Heimatland beim Gottesdienst zum Weltgebetstag der Frauen in der evangelischen Kirche in Marköbel repräsentieren. Foto: Di Cara
Flora Meyer-Fernandez ist eine von zwei Filipinas in Hammersbach, die ihr Heimatland beim Gottesdienst zum Weltgebetstag der Frauen in der evangelischen Kirche in Marköbel repräsentieren. Foto: Di Cara

Hammersbach. Der Weltgebetstag will auf die Situation der Frauen auf den Philippinen aufmerksam machen. Denn es sind vor allem sie, die noch unter Ausbeutung, körperlicher und sexueller Gewalt zu leiden haben. In Marköbel wollen zwei Filipinas mit anderen Frauen ein Zeichen der Solidarität mit einem Gottesdienst setzen.

Von Jasmin Di Cara

Flora Meyer-Fernandez ist eine von zwei Filipinas, die in Hammersbach leben und sich am Gottesdienst zum Weltgebetstag der Frauen am Freitag in der evangelischen Kirche in Marköbel beteiligen. „Ich hatte großes Glück“, sagt die 57-Jährige, als sie im Gespräch mit unserer Zeitung auf ihr früheres Leben auf den Philippinen zurückblickt. „Im Gegensatz zu vielen anderen Frauen hatte ich es dort sehr gut.“Während die meisten der rund 100 Millionen Einwohner des südostasiatischen Inselstaates in Armut leben, wächst Meyer-Fernandez mit ihren fünf weiteren Geschwistern wohlbehütet in ihrem Elternhaus in der Stadtgemeinde Sogod auf. Die Mutter ist eine Geschäftsfrau, der Vater arbeitet als Hausmeister. „Wir waren nicht reich, aber wir gehörten zum Mittelstand.“Schule, College, UniversitätSie besucht die Schule, das College, sogar die Universität. Anschließend arbeitet sie als Sekretärin im Büro des Oberbürgermeisters. „Bildung ist dort nicht selbstverständlich“, erzählt Meyer-Fernandez. Viele Eltern seien bis heute nicht in der Lage, ihren Kindern die Schule zu finanzieren.„Viele Frauen müssen stattdessen im Haushalt helfen oder arbeiten gehen“, weiß sie. Um das Überleben der Familien zu sichern, zahlen viele von ihnen einen hohen Preis: ausbeuterische Arbeitsverhältnisse, körperliche und sexuelle Gewalt, Unterdrückung, Prostitution sind nur einige Beispiele. „Das ist alles wahr“, so Meyer-Fernandez. „Meine Geschwister und ich haben das nicht so erlebt, aber ich hatte Freundinnen, denen es so ergangen ist.“1992 nach Deutschland gezogenBis zu ihrem 32. Lebensjahr lebt Meyer-Fernandez auf den Philippinen, bevor es sie 1992 für immer nach Deutschland zieht. „Ich wollte damals eigentlich nur meine Cousinen in Hanau besuchen. Doch dann habe ich meinen Mann kennengelernt“, erzählt sie schmunzelnd. Ein Jahr später heiratet sie Bodo Meyer. Das Ehepaar bezieht anschließend ein Haus in Marköbel.1994 kommt ihre Tochter zur Welt. In Deutschland arbeitet Meyer-Fernandez zuerst in einem Hotel in Frankfurt. Seit 2008 ist sie – nach einer Umschulung – als Altenpflegerin in Büdesheim tätig. Obwohl sie bereits seit knapp 25 Jahren in Deutschland lebt, fühlt sich Meyer-Fernandez mit ihrem Heimatland noch stark verbunden. Dorthin zieht es sie vor allem, wenn Familienfeste anstehen."Was ist denn fair?"Seit Ende des 19. Jahrhunderts hat sich der Weltgebetstag zur größten ökumenischen Frauenbewegung weltweit entwickelt. Jedes Jahr laden christliche Frauen eines anderen Landes am ersten Freitag im März zum Weltgebetstag.Alle Gottesdienste, die am Freitag in über 100 Ländern zum Weltgebetstag stattfinden, stehen unter dem Motto „Was ist denn fair?“. Das Rahmenprogramm dazu hat das Deutsche Weltgebetstagskomitee verfasst. Dazu zählen unter anderem Rollenspiele, in denen die drei fiktiven Frauen Merlyn, Celia und Editha zu Wort kommen, deren Geschichten auf Tatsachen beruhen, sowie Lieder und Lesungen.Auftritt im Nationalgewand In Hammersbach werden die beiden Filipinas zudem in einem philippinischen Nationalgewand erscheinen, die Nationalhymne ihres Herkunftslandes singen sowie landestypische Spezialitäten anbieten. Der Gottesdienst in Marköbel, der für alle Konfessionen und Geschlechter offen ist, wurde von insgesamt neun Frauen organisiert.„Dieses Jahr wird er etwas ganz Besonderes, da wir zum ersten Mal Frauen dabei haben, die aus dem Schwerpunktland stammen“, sagt Karin Tschiesche, die den Weltgebetstag in Marköbel schon seit sechs Jahren mitorganisiert.Gottesdienst beginnt um 18 UhrFlora Fernandez-Meyer freut sich darauf, ihr Heimatland zu repräsentieren. „Ich habe keine schlechte Erinnerungen an die Philippinen“, sagt sie. „Dennoch ist es wichtig, die Menschen für die Situation der Frauen dort zu sensibilisieren.“

Der Gottesdienst zum Weltgebetstag beginnt am Freitag um 18 Uhr in der evangelischen Kirche in Marköbel. Der Eintritt ist frei, es wird jedoch um eine Spende gebeten, die Frauen- und Mädchenprojekte weltweit unterstützen soll.

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