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Die Pfarrer aus Marköbel und Langen-Bergheim zu 50 Jahre Hammersbach

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Von: Jan-Otto Weber

Die Türme der evangelischen Kirchen in Marköbel (links) und Langen-Bergheim.
Der Turm der evangelischen Kirchen in Marköbel. © Reinhard Paul

Zum 1. Januar 1970 fusionierten die Dörfer Langen-Bergheim und Marköbel im Rahmen der kommunalen Gebietsreform zur Gemeinde Hammersbach. Eine große Feier zum 50-jährigen Bestehen war den Bürgern aufgrund der Corona-Pandemie nicht vergönnt.

Hammersbach – Die Hoffnungen ruhten auf dem Weihnachtsmarkt, für den die Gemeinde eine Extra-Summe im Haushalt bereitgestellt hatte. Aber auch diese Feier auf dem neu gestalteten Martin-Luther-Platz rund um das sanierte Historische Rathaus in Marköbel musste abgesagt werden. Dabei hätte den Hammersbachern ein gemeinsames Fest sicher gut getan, nicht nur aufgrund der Entbehrungen durch die Pandemie. Denn auch in der Kommunalpolitik ist der Ton in der Auseinandersetzung um die Entwicklung des Interkommunalen Gewerbegebiets Limes rauer geworden.

Katharina Bärenfänger
Der Turm der evangelischen Kirche in Langen-Bergheim. © Reinhard Paul

Wir haben zum Ende des Jubiläumsjahres der politischen Gemeinde Hammersbach die beiden evangelischen Kirchenvertreter von Marköbel und Langen-Bergheim, Pfarrerin Katharina Bärenfänger und Pfarrer Markus Christ, um einen gemeinsamen Gastbeitrag gebeten, den wir an dieser Stelle veröffentlichen:

„Mit heftigen Geburtswehen sind vor nun fast 51 Jahren die Gemeinden Langen-Bergheim und Marköbel zur ‘Groß’-Gemeinde Hammersbach zusammengefügt worden. Bis es soweit war, gab es damals durchaus heftige Angriffe und Verletzungen, die bis in die Kirchengemeinden hinein zu spüren waren. So berichtete die damalige Presse über den sogenannten ‘Hammersbacher Glocken-Krieg’. Und Heinz Benker, einer der Architekten des Zusammenschlusses, schrieb: ‘Die Begleiterscheinungen waren alles andere als schön und haben in der Gemeinde zu einiger Verstimmung über die beiden Pfarrer geführt.’

Mit der Zeit aber entwickelte sich dann doch ein Hammersbacher Gesamtbewusstsein. Zum Zusammenwachsen haben insbesondere die gemeinsame Grundschule und die Kindergärten beigetragen. Gleichwohl: Die Identitäten der beiden Ortsteile sind weiter lebendig, was Zugezogene manchmal schmunzeln oder auch sich wundern lässt . . .

Vor 50 Jahren war klar: Eine kleine Gemeinde allein kann sich den Herausforderungen der neuen Zeit nicht stellen. Für gute Schulen, Kindertages- und Sportstätten, für eine moderne Verwaltung braucht es die größere Einheit.

Pfarrerin in Marköbel
Katharina Bärenfänger, Pfarrerin in Marköbel © Privat

Wir nehmen Hammersbach als eine schöne Größe wahr – weil es überschaubar ist und man sich kennt. Aber mittlerweile ist Hammersbach schon wieder eher ‘klein’ und ist nun seinerseits wiederum angewiesen auf Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden und über die Kreisgrenze hinweg.

Viele positive Entwicklungen hat Hammersbach in den vergangenen 50 Jahren vollzogen. Auch die beiden Kirchengemeinden haben über die Jahre hin viel Gemeinsames unternommen, darunter Konfirmanden-Freizeiten, Weihnachtsmarkt-, Buß- und Schöpfungsgottesdienste und anderes mehr. Für viele Menschen, auch für uns, ist unser Ort liebgewonnene Heimat geworden, eine ländliche Gemeinde mit gewachsener Historie und gleichzeitig prosperierend, mit guter Anbindung an die Metropolregion Frankfurt-Rhein-Main.

Das birgt Chancen, aber auch neue Herausforderungen. Wie wollen und wie können wir in Zukunft leben? Diese Frage beschäftigt die Menschen in unserem Land, im Frankfurter Umland und auch die Hammersbacher.

Eine Auszeichnung für Hammersbach war der Umgang mit den Flüchtlingen aus Uganda und seit 2015 mit den Flüchtlingen aus Syrien, Eritrea und anderen Ländern. Da hat Hammersbach eine gute Willkommenskultur entwickelt.

Markus Christ
Markus Christ, Pfarrer in Langen-Bergheim © Privat

Mit einer guten Streitkultur ist es schwieriger. Am Beispiel der Diskussionen um das interkommunale Gewerbegebiet Limes wird uns das deutlich. Wie wollen und wie können wir in Zukunft leben? – Auf vielerlei Ebenen ist diese (notwendige) Diskussion angesiedelt. Und sie wird mitunter heftig geführt.

Und Kirche: mittendrin. Mit dem ureigenen kirchlichen Blickwinkel, beschreibbar in der ökumenischen Trias von ‘Gerechtigkeit. Frieden. Bewahrung der Schöpfung’. Auch unter uns: Leidenschaftliche Diskussionen über den rechten, den ge-rechten, den guten Weg. Standpunkte. Streitpunkte. ‘Gerechtigkeit. Frieden. Bewahrung der Schöpfung’ – die große Herausforderung heute.

Wir wünschen Hammersbach, dass es lebens- und liebenswerte Heimat für alle, die hier wohnen, bleiben möge! Und wir wünschen allen Hammersbacherinnen und Hammersbachern inneren und äußeren Frieden, Gesundheit und Wohlergehen, Gottes Segen, und immer auch den Blick über den eigenen ‘Kirchturm’ hinaus.

Ihr Pfarrer Markus Christ, Ihre Pfarrerin Katharina Bärenfänger

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