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Sind sich einig: Landwirt Horst Bopp (links) und Bürgermeister Michael Göllner.

Blühstreifen soll Insekten anlocken

Landwirt schafft Ersatz für in Bewirtschaftung genommenen Feldweg

In den vergangenen Jahren ist durch den öffentlich thematisierten Rückgang der Insekten das sogenannte Insektensterben in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Hammersbachs Bürgermeister Michael Göllner (SPD) versucht bereits seit dem Jahr 2010 unter dem Titel „Hammersbach blüht“, dem entgegenzuwirken.

Die Ursachen und Wirkungen sind für den studierten Forstingenieur sehr greifbar, aber auch vielfältig, wie es in einer Mitteilung aus dem Rathaus heißt. Insbesondere die Landwirtschaft werde immer wieder als Schuldiger für die ökologische Misere ausgemacht. Doch statt Schuldvorwürfe versuche man in Hammersbach miteinander zu arbeiten: „Die Zusammenhänge sind sehr komplex“, so Göllner. „Und natürlich hat die Art und Weise wie Landwirtschaft heute betrieben wird, ihren Anteil an den Veränderungen der Artenvielfalt und des Artenreichtums. Dabei tun die Landwirte in erster Linie das, was die Gesellschaft verlangt, nämlich nach modernen Gesichtspunkten hochwertige Lebensmittel möglichst günstig zu produzieren.“ 

Landwirt Horst Bopp, der mit seiner Familie einen Betrieb in Hammersbach bewirtschaftet, ergänzt: „Natürlich sind wir Landwirte sehr mit der Natur verbunden. Doch die Rahmenbedingungen bringen einfach mit, dass wir mit unseren modernen Maschinen heute auf größeren Flächen arbeiten, als dies früher der Fall war. Dazu kommt, dass diese großen, zusammenhängenden Flächen auch wesentlich schneller bearbeitet werden. Die Ernte war früher über mehrere Monate verteilt und durch die kleinräumigere Verteilung der Flächen war die Feldflur natürlich viel strukturreicher. Das ist heute einfach anders.“ Bürgermeister Göllner und Landwirt Bopp sind sich einig, dass sich das Rad, wirtschaftlich zu produzieren, nicht zurückdrehen lässt. Es brauche andere Strategien, wofür die beiden ein Beispiel aus Langen-Bergheim anführen. 

Göllner und Bopp bitten um Verständnis

Im Zuge von Flächenverpachtungen und Zusammenlegungen ist dort eine neue wirtschaftliche Bearbeitungseinheit entstanden, die durch einen Feldweg getrennt wurde. Dieser Weg habe laut Mitteilung „landwirtschaftlich keine Bedeutung mehr“ gehabt. Landwirt Bopp habe diesen Weg nun in die Bewirtschaftung genommen und so eine bessere Bearbeitungseinheit geschaffen. Im Gegenzug wird nun ein mindestens gleich großer Streifen, an anderer Stelle, umgewandelt in einen laut Mitteilung „ökologisch viel bedeutenderen Blühstreifen“. Hier entstehe ein Rückzugsort für Niederwild und Bodenbrüter und ein Biotop für verschiedene Insekten. Diese wiederum seien im Ökosystem ein wichtiger Bestandteil der Nahrungsketten anderer Arten. Einzig für einige Spaziergänger stehe nun dieser Weg nicht mehr zur Verfügung. 

Doch auch hier bitten Bopp und Göllner um Verständnis: „Wir haben ein gut ausgebautes Wegenetz, dass auch der erholungssuchenden Bevölkerung dient. Für Flora und Fauna ist es wichtig, auch Bereiche zu haben, die die Besucher nicht betreten. Hierfür bitten wir Spaziergänger und Reiter um Verständnis. Es geht nur miteinander.“ fmi

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