Teiglinge kommen ihnen nicht in die Tüte: In der Backstube von Rudi und Ingrid Bär an der Hauptstraße in Marköbel wird alles selbst gemacht. Foto: Jan-Otto Weber

Hammersbach

Bäckermeister Rudi Bär aus Marköbel erhält Landesehrenbrief

Hammersbach. 1987 hat Rudi Bär die Bäckerei seiner Eltern übernommen. Seitdem hat er den Familienbetrieb zu einem Unternehmen mit fast 50 Mitarbeitern gemacht. Außerdem ist Bär Obermeister der Bäckerinnung Untermain. Nun wurde er für sein vielseitiges ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet.

Von Jan-Otto Weber

Laugenbrezeln oder Donuts aus industriell vorgefertigten Teiglingen kommen Bäckermeister Rudi Bär nicht in Tüte. „Wir legen Wert auf unser Handwerk“, sagt der Marköbler. „Alles, was bei uns im Laden liegt, ist selbst gebacken.“

Auch wenn man in Zeiten des Fachkräftemangels in Versuchung geraten könne, günstig zuzukaufen, um Arbeit zu sparen – Bäcker Bär bleibt konsequent. „Es ist eine Philosophie. Ehrlichkeit ist absolut wichtig, wenn sie langfristig bestehen wollen. Wir wollen unsere Identität wahren und nicht alles mitnehmen, um den letzten Pfennig zu verdienen.“

Bäckerei-Dynastie seit dem 18. Jahrhundert

Mit dieser Philosophie ist die Bäckerdynastie seit 14 Generationen erfolgreich. Denn die Bärs backen in Hammersbach schon seit dem 18. Jahrhundert. Und so ist es nicht verwunderlich, dass Bär auch bald innerhalb der Innung Vorbildfunktion übernahm. Obwohl er im Rückblick sagt, dass er nie in die erste Reihe wollte.„Früher habe ich Leute, die Ehrenämter gesammelt haben, oft belächelt“, gesteht der 64-Jährige. „Doch Sie können nur etwas erreichen, wenn Sie vorne dran stehen. Und wenn die Leute erstmal merken, dass Sie bereits sind, was zu machen, dann werden Sie eben auch gefragt.“

Doch natürlich hat auch ein Obermeister mal klein angefangen. Seine Lehre absolvierte Rudi Bär seinerzeit in der Bäckerei Jung in Dörnigheim. Sein Vater hatte in den 50er Jahren an der Hauptstraße in Marköbel neu gebaut, wo auch heute noch die Backstube und der Laden sind. Weitere Filialen gibt es heute im Rewe Langen-Bergheim, in Ravolzhausen und in Bruchköbel gegenüber dem Bürgerhaus.

Familienbetrieb 1987 übernommen

„Ich war damals verrückt nach dem Beruf“, erinnert sich Bär. „Außerdem war ich froh, dass ich nicht länger zur Schule gehen musste.“ 1987 übernimmt Bär die Bäckerei von seinen Eltern. Der Familienbetrieb hat zu der Zeit noch keine Angestellten. Nachts um 2 Uhr klingelt der Wecker. Die Kinder sind noch klein. Bis dahin hatte er den Vorsitz des Bäckerfachvereins Hanau inne. Doch das ehrenamtliche Engagement muss nun zunächst zurückstehen.

1991 wird Bär als Beisitzer in den Vorstand der Bäckerinnung Hanau gewählt. Ab 1996 ist er auch im Vorstand der Bäcker-Einkaufsgenossenschaft Aschaffenburg tätig. „Das hat mir damals schon sehr viel Spaß gemacht, weil es auch ums Wirtschaften ging.“

Bär lernt über seine Ehrenämter viele interessante Leute kennen, bekommt Einblick in andere Betriebe, wodurch er auch für die Bäckerei in Marköbel profitiert. Der Betrieb wächst. Die Kinder werden älter, sodass auch seine Frau Ingrid mehr im Geschäft mitarbeiten kann und ihm den Rücken freihält.

Wahl zum Obermeister

Sein Händchen fürs Wirtschaften ist auch Mitte der 2000er Jahre gefragt. Schon seit geraumer Zeit wird eine Fusion der beiden schrumpfenden Innungen Hanau und Offenbach verhandelt. Die Gespräche verlaufen zäh, niemand möchte übervorteilt werden. Da tritt 2004 der Obermeister zurück. „Ich habe wochenlang überlegt, bevor ich mich zur Wahl gestellt habe“, erzählt Rudi Bär. „Aber ich habe ganz klar gesagt: Wenn ihr mich wählt, dann wählt ihr die Fusion.“

Die Wahl fällt einstimmig aus. Bär wird Hanauer Obermeister und nach vollzogener Fusion im Jahr 2006 stellvertretender Obermeister der neuen Innung Untermain. Doch bereits 2009, als Obermeister Wolfgang Schäfer die Funktion des Landesinnungsmeisters übernimmt, rückt Bär an die Spitze des aus Hanau und Offenbach fusionierten Berufsverbands.

Inzwischen fast 50 Mitarbeiter

Heute steht Bär nur noch vertretungsweise in der Backstube. Stattdessen findet man den Unternehmer, dessen Betrieb inzwischen etwa 50 Mitarbeiter zählt, im Büro, das gleich nebenan im Erdgeschoss hinter dem Laden an der Marköbeler Hauptstraße liegt. „Die Ehrenämter haben meinen Horizont erweitert“, erklärt Bär. „Ich war in den letzten 20 Jahren in ganz Deutschland unterwegs und habe so viele Leute kennengelernt. Das hat mein Gespür für den Beruf und auch meine persönliche Entwicklung stark beeinflusst.“

Dabei kann er sich auf seine Mitarbeiter, von denen viele schon seit 20 Jahren und länger im Betrieb sind, hundertprozentig verlassen. Und natürlich auf seine Frau Ingrid. So bleibt Bär sogar noch Zeit für ein weiteres Ehrenamt, dass nichts mit seinem Beruf zu tun hat. Seit 2008 ist er Schöffe am Frankfurter Sozialgericht und entscheidet mit bei Streitigkeiten bei der Renten-, Kranken-, Unfall- und Pflegeversicherung oder bei Hartz-IV. „Da sieht man, wie die Welt tickt“, sagt Bär. „Das sind zum Teil heftige Schicksale.“ Nicht zuletzt deshalb setzt Bär in seinem Betrieb und auch als Mitglied im Tarifausschuss des hessischen Bäckerhandwerks auf eine faire und leistungsorientierte Bezahlung der Mitarbeiter.

Ans Aufhören denkt Bär noch lange nicht

Wie lange die Bäckerdynastie Bär noch besteht, kann der Unternehmer nicht sagen. Der Sohn ist Grafikdesigner, die Tochter hat Kulturwissenschaften studiert und lebt in Berlin. „Wir hätten unsere Kinder nie dazu gezwungen, den Betrieb zu übernehmen“, sagt er. Doch auch wenn sich die Gerüchte hartnäckig halten: Ans Aufhören denken Rudi Bär und seine Frau Ingrid noch lange nicht. „Was soll ich denn sonst mit meiner Zeit anfangen?“, fragt Bär, der im Dezember 65 Jahre alt wird. „Wenn ich fit bleibe, mache ich das in 15 Jahren immer noch.“

Vom Lehrling zum ObermeisterFür sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement hat Rudi Bär kürzlich im Rahmen der Ehrungsfeier bei der Kreishandwerkerschaft Offenbach den Landesehrenbrief überreicht bekommen. Hier seine Ehrenämter:1982 bis 1986: Vorsitzender Bäckerfachverein Hanau1991 bis 2004: Vorstandsmitglied Bäckerinnung Hanau1996 bis heute: Vorstand Bäcker-Einkaufsgenossenschaft Bäko Untermain Franken Thüringen2004 bis 2006: Obermeister Bäckerinnung Hanau2005 bis heute: Mitglied im Tarifausschuss des hessischen Bäckerhandwerks2006: stellvertretender Obermeister Innung Untermain (Hanau–Offenbach)2008 bis heute: Vorstandsmitglied Bäckerinnungsverband Hessen2008 bis heute:Ehrenamtlicher Richter am Sozialgericht Frankfurt2009 bis heute: Obermeister Innung Untermain (Hanau– Offenbach)2010 bis heute: Kassierer im Gewerbeverein Hammersbachjow

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