Hammersbach

Ausschuss diskutiert Zukunft des Waldes

Hammersbach. Fast ausschließlich mit Themen aus der Natur beschäftigten sich der Haupt- und Finanzausschuss (HFA) und der Ausschuss für Umwelt, Landwirtschaft und Forsten (ULF) in einer gemeinsamen Rathaus-Sitzung am Montagabend.

Von Rainer Habermann

Um den Wald ging es in erster Linie, seit den aktuellen Auswirkungen des globalen Klimawandels auch im Hammersbacher Forst ein kritischer und eindrucksvoll zu beobachtender Punkt; ökologisch wie ökonomisch.

Mehrere Kommunen wollen sich zusammenschließen

Hinzu kommt eine Entscheidung des Bundeskartellamts. Dieses verbietet Hessen Forst, der staatlichen Forst-verwaltung, eingeschlagenes Holz aus selbst bewirtschafteten Wäldern auch zu vermarkten (unsere Zeitung berichtete mehrfach). Hier könnte zukünftig das „Holzkontor Main-Kinzig/Wetterau“ einspringen, ein Zusammenschluss mehrerer Kommunen, dem unter anderem Hammersbach, Nidderau, Büdingen, Gedern, Limeshain und aktuell auch Bad Vilbel beitreten wollen, wie Bürgermeister Michael Göllner bekannt gab.

Die Masse soll es richten

Die beteiligten Kommunen wollen gemeinsam an den Markt gehen und hoffen, auf einen Holzertrag oberhalb von 50 000 Festmetern zu kommen. Nur so seien noch halbwegs angemessene Preise für das Holz zu erzielen: „Die Masse soll's richten, anstatt als Einzelkämpfer unterwegs zu sein“, meinte Göllner.

Der Sitz des Holzkontors ist Büdingen, und die Satzung dieser Gesellschaft als einer Anstalt öffentlichen Rechts empfahlen beide Ausschüsse einstimmig dem Gemeindeparlament zur Annahme. Damit verbunden ist dann, wenn die Gemeindevertreter in ihrer kommenden Dezembersitzung die Empfehlung beschließen, der Beitritt zum Holzkontor.

Sich selbst einen Eindruck von der Lage machen

Wie es im Wald aber tatsächlich aussieht und welche Zukunft der Forst hat, davon konnten sich kürzlich Interessierte bei einer der turnusmäßigen Waldbegehungen mit Revierförster Udo Kaufmann selbst ein Bild machen. Kaufmann wie auch sein Chef Christian Schaefer, Leiter des Forstamts Hanau-Wolfgang, waren am Montagabend zur Sitzung von HFA und ULF eingeladen, um auch den Gremienmitgliedern einen Eindruck von der gegenwärtigen Situation im Wald zu verschaffen.

Schaefer nahm dabei Klimawandel-Leugnern jeden Wind aus den Segeln: „Wir wissen seit rund 30 Jahren, dass ein Klimawandel stattfindet. Und jetzt sind wir mittendrin.“ Grund für diese drastische Aussage: Im Hammersbacher Wald sind nahezu alle Fichten krank oder bereits abgestorben. Die Ursache liegt in den extrem trockenen und heißen Sommern des Jahres 2018 und 2019. Borkenkäfer hätten sich dadurch massiv vermehrt und die geschwächten Fichten regelrecht attackiert, ihnen so den Rest gegeben.

Buchen seien zwar allgemein widerstandsfähiger, doch auch ihnen setzt die Trockenheit – Schaefer sprach sogar von Dürre – stark zu. Wer als uralter Kulturbaum in deutschen Wäldern noch relativ gut zurechtkäme, sei die Eiche.

Holzarten müssen als Bauholz dienen können

Doch wie soll man nun auf die zunehmenden Probleme reagieren? Das sei eine Frage der wissenschaftlichen Aufarbeitung auch von Daten anderer Baumarten, die in der Debatte sind. Wie etwa die Robinie, die Douglasie oder auch die Lärche. Denn in einem bewirtschafteten Wald gehe es letzten Endes auch um Holzarten, die als Bauholzersatz für die Fichte zum Tragen kommen könnten.

Wie auch immer: Prozesse sind langsam im Wald. Und wenn die Zukunftsprognosen der Meteorologen auch nicht eindeutig sind: Die zunehmende Klimaerwärmung werde von 99,9 Prozent aller einschlägigen Klimaforscher nicht mehr bestritten.Wetterextreme wie Dürren oder starke Stürme und Unwetter mit Extremniederschlägen seien zwar bezüglich des zeitlichen Eintritts nicht exakt vorhersagbar. Aber dass sie zukünftig wohl häufiger auftreten, lässt sich über die vergangenen Jahre sogar von Laien beobachten. Die durchschnittliche Steigerung der Wintertemperaturen sei noch wesentlich höher – und besorgniserregender, so Schaefer, als die auf dem Sommerthermometer von März bis Oktober.

Mischwald ist der Wald der Zukunft

Im Rahmen des von den Ausschüssen ebenfalls einstimmig empfohlenen Forstwirtschaftsplans 2020 raten die Waldexperten von Hessen Forst, Kaufmann wie Schaefer, zu einer Aufforstung mit Mischwald. Dort wo die Fichten und auch die geschädigten Buchen, die den Hammersbacher Forst im Übrigen prägen, eingeschlagen werden müssen. Die Pflanze der Wahl sollte dabei die Eiche sein, ob als Samen oder als Setzling aus der Baumschule. Und die eine oder andere Douglasie. Wobei jüngere Buchen „in Ruhe gelassen“ werden sollen; man hofft so, dass sich die Bestände wieder etwas erholen.

Schaefer hat vorsorglich bereits 20 000 Eichen in einer Baumschule reserviert, wie er sagte. Denn Setzlinge wie Saatgut seien extrem rar geworden auf dem Markt. Hammersbach ist bei Weitem nicht die einzige Kommune mit dem gleichen Problem: dem Klimawandel.

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