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Zukunft der Kitas: Eltern machen ihrem Unmut Luft

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Visueller Protest: Mit diversen Plakaten setzten die anwesenden Bürgern bereits im Eingangsbereich des Sitzungssaals ein Zeichen und machten auf ihre Belange aufmerksam. Das Bürgerzentrum war während der Sitzung besser gefüllt, als so manche Bürgerversammlung. Foto: Sebastian Zeh
Visueller Protest: Mit diversen Plakaten setzten die anwesenden Bürgern bereits im Eingangsbereich des Sitzungssaals ein Zeichen und machten auf ihre Belange aufmerksam. Das Bürgerzentrum war während der Sitzung besser gefüllt, als so manche Bürgerversammlung. Foto: Sebastian Zeh

Großkrotzenburg. So viel ist sonst nicht einmal auf einer Bürgerversammlung los: Weit über 50 Gäste haben an der gemeinsamen Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses sowie des Ausschusses für Jugend, Soziales, Sport, Kultur und Vereine teilgenommen.

Von Sebastian Zeh

Dabei wurde eine Beschlussvorlage für die Gemeindevertretersitzung am Freitag erarbeitet. Auch die Gemeinde hatte mit einem großen Andrang gerechnet und die Sitzung daher ins Bürgerhaus verlegt. Beinahe alle Plätze waren belegt, auf bunten Plakaten machten die Eltern auf Forderungen, Sorgen und Ängste aufmerksam. Themen, die aus ihrer Sicht bis dato zu kurz kamen.

Noch immer wird nach einer Lösung für die Kindertagesstätte St. Vinzenz gesucht, nachdem die Trägerschaft mit dem Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern 2017 seitens der Gemeinde gekündigt wurde. Im Sommer erweiterte sich die Kita-Problematik um den Kindergarten St. Laurentius, dessen Gebäude baufällig ist und dringend erneuert werden muss. Der Gemeindevorstand favorisiert hierbei eine Gesamtlösung für beide Einrichtungen.

Neubau für neun Gruppen ausgeschlossen

Diskutiert wurde während der Sitzung über zwei Anträge, die der Gemeindevertretung am Freitag vorgelegt werden: eine Beschlussempfehlung des Gemeindevorstands sowie eine abgeänderte Variante der CDU-Fraktion. Hauptsächlich unterschieden sich die beiden Varianten in ihrer Ur-Fassung dadurch, dass der CDU-Antrag eine Bindung an ein christliches Konzept festlegen, den Fokus auf mindestens einen der beiden bestehenden Träger setzen sowie einen Neubau für insgesamt neun Gruppen von vorneherein ausschließen wollte. Dieser Antrag wurde – unter diversen Buh-Rufen – abgelehnt.

Bis die anwesenden Gemeindevertreter jedoch zu einer Entscheidungsfindung kamen, vergingen insgesamt zwei Stunden und 15 Minuten. In dieser Zeit stellten sie sich vor allem den Fragen der Eltern. Unter anderem wurde eine Erklärung gefordert, weshalb sich der Gemeindevorstand zwingend auf nur einen Träger festlegen möchte.

„Wenn es nur noch einen Träger gibt, dann gibt es auch nur noch eine Verwaltung. Natürlich fallen dann auch Regiekosten weg“, so Gemeindevorstandsmitglied Alexander Noll (FDP). Zudem sei es aus seiner Sicht logisch, dass sich bei einem gemeinsamen Träger zwangsläufig auch Synergieeffekte ergäben, etwa bezüglich einer möglichen Krankheitsvertretung.

Marcus Rosen (SPD) hakte nach: „Können Sie denn auch beziffern, wie hoch diese Einsparung ausfällt?“ Auf diese Frage antwortete Bürgermeister Bauroth: „Zur Zeit liegen uns hierzu keine Zahlen vor.“ Ein Raunen ging durch den Saal.

Parlament entscheidet am Freitag

Gleichzeitig verwehrte sich die FDP-Fraktion des Vorwurfs, sie würde den Fokus bei der Trägerfindung auf wirtschaftliche Faktoren legen. „In Wiesbaden haben wir vor einiger Zeit erfahren, dass wir im Landesvergleich mit Kommunen ähnlicher Größe die höchsten Fehlbeträge im Bereich der Kinder-, Jugend und Familienhilfe verzeichnen. Alleine 2019 rechnen wir mit einem Defizit von zwei Millionen Euro. Außerdem haben viele andere Gemeinden deutlich kürzere Betreuungszeiten. Dass wir nur auf das Geld schauen, stimmt so nicht“, so Bernd Kurzschenkel (FDP).

Weiterhin teilte Noll mit, dass auch der Gemeindevorstand favorisiert, mit einem der bestehenden Träger zu verhandeln. Vor allem seitens des Bistums Fulda, insbesondere aber der Pfarrgemeinde St. Laurentius gibt es dabei durchaus Bewegungen. So gebe es mittlerweile eine klare Bereitschaft, als Bauträger für einen Kita-Neubau aufzutreten.

Dilemma

„Wir haben im Pfarrgemeinderat über das Thema gesprochen und uns dazu entschieden, künftig drei U3-Gruppen statt nur einer anzubieten – obwohl uns das an die Grenzen des Machbaren bringt“, so der katholische Pfarrer Christian Sack. Unklar sei dabei, ob bis zum 1. August 2020 – dem Tag, an dem der Kita-Neubau fertig sein soll – genügend Erzieher gefunden werden können, die ein christliches Konzept begleiten würden. „Dieses Risiko wollen wir aber in Kauf nehmen – auch aufgrund des Wunschs der Bürger“, so Sack. Er erntete dafür längeren Applaus.

Gleichzeitig wies Sack auf ein – wie er es nannte – Dilemma hin: „Wir stehen nach dem derzeitigen Stand der Dinge vor der Wahl: Entweder, wir übernehmen die Trägerschaft für zwei Kitas mit zwei zum Teil unterschiedlichen Konzepten für insgesamt neun Gruppen – oder wir bekommen gar keine Kita mehr.“

Gemeinde wäre Interimsträger

Diverse Eltern klagten über unklare Verhältnisse für die Betreuung ab dem 1. August dieses Jahres, da die Leitung der Kita St. Vinzenz derzeit keine Verträge mehr unterzeichnet. „Wir sind eingesprungen und haben seitens der Gemeinde nun einen Betreuungsplatz ab diesem Zeitraum garantiert“, so Bauroth.

Sollte bis zum 1. August kein neuer Träger gefunden sein, werde nämlich die Gemeinde als Interimsträger agieren. Allerdings: „Sollte sich im Bereich Personal eine Fluktuation ergeben, dann sehe ich da eine Lücke, die wir vermutlich nicht schließen können.“ Der Erziehermarkt sei leergefegt.

"Öffentlichkeit mit eingebunden"

Am Ende verständigten sich die Gemeindevertreter dann auf einen Beschlussvorschlag. Allerdings dauerte es knapp 20 Minuten und bedurfte vier abzustimmenden Änderungsanträgen, ehe die Formulierung stand. Sollte die Gemeindevertretung diesem Beschluss folgen, wird in jedem Fall eine neue Kita als Ersatz für das abgängige St.-Laurentius-Gebäude errichtet – für sechs Gruppen.

Dieses Gebäude soll vom künftigen Träger finanziert und mit einer Betriebslaufzeit von 25 Jahren geplant werden. Zudem fixiert sich der Beschluss nicht länger auf einen Träger – auch eine gemeinsame Verwaltung bei zwei Trägern ist mit dem Antrag möglich. Auch sichert sich die Gemeindevertretung das letzte Wort und stellt die Bedingung, dass ein möglicher Vertrag vom Parlament eingesehen und genehmigt werden muss. „So bleibt die Öffentlichkeit bei der Entscheidungsfindung mit eingebunden“, erklärte Uwe Bretthauer (SPD).

Viele Eltern bleiben unzufrieden

Keinen einzigen Redebeitrag steuerten die Krotzebojer Grüne bei – allerdings stimmten sie am Ende mit ihrem Koalitionspartner FDP für die abgeänderte Beschlussvorlage, die mit fünf Ja- und drei Nein-Stimmen angenommen wurde.

Trotz einiger Zugeständnisse an die Eltern waren viele Betroffene letztlich dennoch unzufrieden. Es fehle weiterhin die Sicherheit, dass nach Ende des Trägerschaftsvertrags mit den Barmherzigen Schwestern auch genügend Betreuungsplätze zur Verfügung stehen.

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