1. Startseite
  2. Region
  3. Großkrotzenburg

Werner Czarnecki: Naturfilmer macht Hobby zum Beruf

Erstellt: Aktualisiert:

Vor knapp 40 Jahren machte Natur- und Tierfilmer Werner Czarnecki sein Hobby zum Beruf. Seither drehte er etliche Dokumentarfilme, unter anderem für den HR und den NDR. Foto: Bergmann
Vor knapp 40 Jahren machte Natur- und Tierfilmer Werner Czarnecki sein Hobby zum Beruf. Seither drehte er etliche Dokumentarfilme, unter anderem für den HR und den NDR. Foto: Bergmann

Grosskrotzenburg. Das Hobby zum Beruf machen, dies gelang Naturfilmer Werner Czarnecki. Alles fing an mit seiner Super-8-Kamera. Heute ist Czarnecki ein Profi auf dem Gebiet der Tier- und Naturfilme: ein Fünkchen Geduld und die richtige Mischung aus informativen und pädagogischen Aspekten sind für ihn das Wichtigste.

Von Per Bergmann

Anfang der 70er Jahre sammelte der Großkrotzenburger Natur- und Tierfilmer Werner Czarnecki seine ersten Erfahrungen mit einer Super-8-Kamera. Das Geschenk seiner Frau legte den Grundstein für eine beeindruckende Karriere als Filmemacher.

„Meine Frau hatte damals einen guten Riecher“, bemerkt Czarnecki. Mit dieser Schmalfilm-Kamera sammelte er seine ersten Erfahrungen. „Das Filmen entwickelte sich schnell zu meinem Lieblingshobby. Ich hatte großen Spaß mit meiner Super-8.“Nach der Super-8-Kamera folgte eine Canon Autozoom 1218Während eines Besuchs in einem amerikanischen Club in Butzbach stieß Czarnecki auf sein nächstes Objekt der Begierde: eine Canon Autozoom 1218. „Ich wollte diese Kamera unbedingt haben und investierte.“ Weil die Entwicklung der Technik schon damals schnell voranschritt, begann auch für Czarnecki 1980 das 16-Milimeter-Zeitalter – und damit sein Einstieg in des Fernsehformat.Mit einem entsprechenden neuen Lieblingsspielzeug drehte er Urlaubsfilme, unter anderem in Dänemark, Italien und Norwegen. „Damals war es immer ein Hobby für mich, aber ich investierte immer mehr Zeit dafür, schrieb bereits meine ersten kleinen Drehbücher und Schnitt meine eigenen Filme.“Die Aufnahmen des Hobbyfilmers beeindruckten durch hohes NiveauCzarnecki fasste sich ein Herz und wagte den Versuch, seine Filme dem Norddeutschen Rundfunk (NDR) vorzuführen. „Der NDR war damals führend in Sachen Naturfilme. Da waren echte Profis am Werk“, erinnert sich der heute 76-Jährige.Bei zwei Fernsehgrößen, die damals für den NDR arbeiteten, Dr. Ulrich Nebelsiek und Beatrice Nolte, stießen die Streifen des in Fulda geborenen Czarnecki auf großes Interesse. Verglichen mit den damals verwendeten Aufnahmen für Fernsehfilme hatten die Streifen des Hobbyfilmers ein erstaunlich hohes Niveau.Beim NDR fand Czarnecki eine erste große Bühne„Sie fanden vor allem einen meiner Norwegen-Filme gut und stellten mir in Aussicht, diesen für eine Sendung zu übernehmen.“ Mit einem einzigen zehnminütigen Film konnte Czarnecki in der Folge alle bisherigen Ausgaben für sein Hobby decken. Diese erste Erfahrung, dass man mit dem Filmen „gutes Geld verdienen“ kann, machte ihm Mut. Die Zuversicht wuchs und Czarnecki beschloss, sein Hobby zum Beruf zu machen.Noch heute ist er dem NDR dankbar. Hier fanden seine Filme in den Sendereihen „Natur und Freizeit“ und „In Sachen Natur“ eine erste große Bühne. Der Großkrotzenburger bezeichnet Nebelsiek bis heute als seinen größten Förderer. Dieser habe zugesichert, ihm weitere Filme abzunehmen. „Er verpasste mir den letzten Schliff in Sachen Schnittgestaltung. Ich habe viel von ihm gelernt.“Wahre Naturfilme verlieren ihre PlattformenIm Laufe der Zeit entwickelte sich eine gute Freundschaft. In den folgenden Jahren wurden die von Czarnecki bespielten Sendereihen nach und nach gestrichen. „Bis heute gibt es zu wenige Plattformen für Naturfilme“, beklagt der Filmemacher. Seit je her wollte er „die Natur den Menschen näher bringen“.Der pädagogische Aspekt spiele bei der Motivation für seine Arbeit eine wichtige Rolle. „Heutzutage machen es sich viele Sender viel zu leicht und drehen ihre Tierfilme beispielsweise einfach im Zoo. Das minimiert die Kosten natürlich immens.“ Die Ergebnisse seien mit einem richtigen Tierfilm allerdings nicht annähernd vergleichbar. Bei diesen Formaten gehe es einzig um Gewinnmaximierung, ist sich Czarnecki sicher. Der Zoo diene sozusagen als Tierfilm-Discounter.Ein guter Naturfilm braucht informative und pädagogische Aspekte„Die Menschen unterschätzen die Arbeit, die in einem guten 30-minütigen Film steckt.“ In seine Streifen, die zuletzt vom Hessischen Rundfunk (HR) ausgestrahlt wurden und 30 bis 45 Minuten lang sind, habe er „mindestens ein Jahr“ Drehzeit sowie „mehrere Monate für die Nachbearbeitung“, Schnitt und Ton, investiert. Tierfilme seien „das zeitaufwändigste überhaupt“. Geduld spielt dabei naturgemäß eine große Rolle: „Häufig heißt es einfach warten, warten, warten“.Doch was macht einen guten Tier- und Naturfilm aus? „Er liefert ansprechende Naturbilder und hat sowohl informative als auch pädagogische Aspekte“, fasst es Czarnecki zusammen. Vor fünf Jahren kam der HR erstmals auf den Großkrotzenburger zu. An mehreren Sendereihen war Czarnecki seitdem beteiligt.„Tanz der Langohren“ nennt sich Czarneckis aktuelles WerkDer aktuelle Film des Großkrotzenburger Filmemachers Werner Czarnecki, „Tanz der Langohren“, eine Dokumentation über einheimische Feldhasen, wird am heutigen Samstag von 18.45 bis 19.30 Uhr im Hessischen Rundfunk ausgestrahlt.

Auch interessant