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Arterhaltung mal anders

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Der Routinier und die Jugend in einem Boot: Karl Schwebel demonstriert das E-Fischen.
Der Routinier und die Jugend in einem Boot: Karl Schwebel demonstriert das E-Fischen. © -

„Wenn ich nur wüsst’, was drinnen ist!“ Diesen Satz beschäftigt jeden Angler, wenn er vor seinem Fischwasser steht. Für die Mitglieder des Angelsportvereins 1937 Großauheim (ASV) zumindest ist diese Unklarheit in Bezug auf ihren Zuchtteich Geschichte.

Das auf dem Gelände der Petrijünger in Ufernähe des Großkrotzenburger Sees gelegene Gewässer, das etwa die Größe eines doppelten Volleyball-Feldes aufweist, wurde mit tatkräftiger Unterstützung des Vereins Hessischer Fischer überprüft. „Wir wollten nach vielen Jahren endlich mal wissen, was sich im See so tummelt und wie groß die Fische geworden sind“, sagt Mathias Projahn, Vorsitzender des etwa 200 Mitglieder starken Vereins.

Der Zuchtteich war in den letzten zehn Jahren fast ausschließlich vom Anglernachwuchs aus der Jugendgruppe befischt worden und in dieser Zeit vom Fischbestand her sich selbst überlassen worden. Ohne eine direkte Verbindung zum großen See konnten die Flossenträger im Zuchtteich zwar nicht ins sicherlich viel interessantere Freiwasser entweichen, waren aber gleichzeitig vor den Mäulern der dort zahlreich vorhandenen Raubfische so-wie auch vor den gefräßigen Kormoranen geschützt. Nun aber wurde der Teich von Karl Schwebel als Fachmann des Verbandes, unterstützt von einigen Mitglieder des ASV sowie dessen Jugendgruppe, elektrisch abgefischt. Mit von der Partie waren auch eine Jugendgruppe so-wie der Vorstand des befreundeten Angelvereins aus Ingelheim in Rheinhessen.

Umsiedelung von Zuchtteich in Großkrotzenburger See

Die bei der Aktion eingefangenen Fische wurden gezählt, in der Art bestimmt, gewogen und nach eingehender Inaugenscheinnahme in Sachen Gesundheit anschließend in den benachbarten Krotzenburger See umgesiedelt. „Für den einen oder anderen Fisch war es wohl schon ein bisschen beengt geworden“, schmunzelte der Vorsitzende des vereinsinter-nen Fischereiausschusses, Hans-Peter Donislreiter. „Immerhin haben wir auch ein paar dicke Karpfen aus dem Teich geholt; der schwerste hat gut sieben Kilo auf die Waage gebracht!“

Nicht zum Vorschein kam bei der Aktion der schon sagenhafte große Hecht, den einige Angler über die Jahre hinweg gesehen haben wollen. „Ob es ihn überhaupt gibt, ist fraglich“, meinte einer der älteren Angler mit einem Augenzwinkern. „Das wird wohl wie das Ungeheuer von Loch Ness ein Rätsel bleiben!“ Das elektrische Abfischen ist für alle gefangenen Flossenträger eine schonende und auch dem Tierwohl geschuldete Fangmethode.

Ein prächtiges „Goldstück“ wird in sein künftiges Heimatgewässer umgesetzt.
Ein prächtiges „Goldstück“ wird in sein künftiges Heimatgewässer umgesetzt. © -

Hierbei setzt man das Gewässer in einem kleinen, genau bestimmten Bereich mit speziellen Geräten leicht unter Strom. Die in der Nähe schwimmenden Fische wer-den hierdurch leicht betäubt und können mit einem großen Kescher mühelos und schonend eingesammelt und zunächst in große Behälter umgesetzt werden. Nach dem Zählen und Begutachten folgt dann die Umsetzung. Unter den Fischen befanden sich neben den recht zahlreich vorhandenen Rotaugen und Rotfedern viele Brassen und Barsche, wie sie auch im großen See stark vertreten sind. Eine Überraschung waren die mehr als kiloschweren Giebel, die auch Silberkarauschen genannt werden und vor vielen Jahren in wenigen Stücken in den Zuchtteich eingesetzt worden waren.

Giebel sind Fische, die der normale Angler gar nicht kennt

„Das sind Fische, die der normale Angler eigentlich gar nicht kennt“, freute sich Donislreiter über den Beifang. „Umso mehr ist man dann überrascht, wenn man einen dieser recht rasanten Kämpfer an die Angel bekommt.“ Erleichtert zeigte sich der Ausschussvorsitzende ob der Tatsache, dass im Zuchtteich zumindest augenscheinlich keine Sonnenbarsche vorhanden sind. Ein gedankenloser Zeitgenosse hatte wohl vor einigen Jahren sein Aquarium mit Sonnenbarschen in den Krotzenburger See entleert, wohl auch um den exotischen Fischen ein Weiterleben zu ermöglichen. Das hatte fatale Folgen: Die wenigen Exoten vermehrten sich explosionsartig und kommen auch problemlos mit den niedrigen Wassertemperaturen im Winter zurecht. Die bunten, handtellergroßen Räuber, die sich auf alles Getier in fressbarer Größe stürzen, dezimieren den Nachwuchs der anderen Fischarten beträchtlich.

Da sie aber wohl im Zuchtteich nicht vorkommen, kann der Verein dort beruhigt kleine Karpfen und Schleien einsetzen und sie zu einer für die Auswilderung geeigneten Größe heranwachsen lassen. „Dass diese Fischarten eventuell im Teich auch ablaichen und selbst für Nachwuchs sorgen können, kommt unserem der Nachhaltigkeit geschuldeten Besatzkonzept sehr entgegen“, sagt Donislreiter; immerhin besitzt der ASV das Fischereirecht für den gesamten etwa 22 Hektar großen Krotzenburger See und ist somit auch für einen ausgewogenen Fischbestand im Gewässer zuständig.

Fischbestand lässt sich Fanglisten entnehmen

„So groß soll der Hecht sein?“ - E-Fischer Karl Schwebel hat Zweifel.
„So groß soll der Hecht sein?“ - E-Fischer Karl Schwebel hat Zweifel. © Ingbert Zacharias

„Es ist immer besser, auf eigene natürliche Nachwuchsproduktion zurückgreifen zu können als Fische aus Fremdgewässern einzusetzen.“ So etwas sei aber aus Gründen der Blutauffrischung immer wieder einmal notwendig. Wie es mit dem Fischbestand allgemein aussieht, lässt sich den Fanglisten entnehmen, die alle Angler des ASV führen müssen; die Auswertung der Tabellen dient zur Ermittlung der vorhandenen Fischmenge bei den einzelnen Arten und Bestimmung erforderlicher Regulierungsmaßnahmen.

Vielleicht tauchen am Jahresende neben Zandern, Hechten, Wallern und Karpfen auch einige der seltenen Giebel auf, in beim Elektro-Abfischen des Zuchtteiches eingefangen und dann in den großen See umgesetzt wurden. Ingbert Zacharias

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