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„Lust, meine Heimat mitzugestalten“: CDU-Kandidatin möchte Stagnation in Großkrotzenburg überwinden

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Von: Yvonne Backhaus-Arnold

Am 6. März ist Bürgermeisterinnenwahl: Mit diesem Slogan wirbt Theresa Neumann. Sie ist seit vielen Jahren die erste Frau, die in Großkrotzenburg für das Amt kandidiert.
Am 6. März ist Bürgermeisterinnenwahl: Mit diesem Slogan wirbt Theresa Neumann. Sie ist seit vielen Jahren die erste Frau, die in Großkrotzenburg für das Amt kandidiert. © mike bender

CDU-Kandidatin Theresa Neumann hat sich für die kommende Bürgermeisterwahl in Großkrotzenburg unter anderem die Modernisierung der Spielplätze auf die Fahne geschrieben.

Großkrotzenburg – Theresa Neumann wartet schon am Eingang zum Abenteuerspielplatz. „Neumann – Neustart für Großkrotzenburg“ steht auf dem Stoffbeutel über ihrer Schulter. Den Ort für den Beginn unseres Spaziergangs durch die Gemeinde hat die CDU-Kandidatin für die Bürgermeisterwahl ganz bewusst gewählt. Für die 31-Jährige steht er sinnbildlich für Stagnation. Und die möchte sie überwinden.

Im Sommer 2021 hatte die CDU-Fraktion in der Gemeindevertretung einen Antrag auf Modernisierung der Spielplätze eingebracht. Langfristig sei es ihr Ziel, so Neumann, jedes Jahr einen der mehr als zehn Spielplätze zu modernisieren. Die Gemeindevertreter jedenfalls stimmten geschlossen für den Antrag. Mit dem Gelände an der Kahler Straße hätte das Projekt beginnen können. Neue Spielgeräte. Ertüchtigung des Basketballfeldes. Ideen gab es einige, auch ein erstes Treffen mit Anwohnern, Kitapersonal und Kindern. „Leider wurden keine Planungskosten in den Haushalt eingestellt“, sagt Neumann, „wir werden den Antrag jetzt also wieder einbringen.“

Großkrotzenburg: CDU-Kandidatin Neumann will es besser machen

So sei es oft, erklärt die Partei- und stellvertretende Fraktionsvorsitzende mit Blick auf den Spielplatz-Antrag. „Wir beschließen Dinge in der Gemeindevertretersitzung, die aber nicht umgesetzt werden.“ Deshalb hat sie den Punkt „Umsetzungsstau beheben“ auch in ihr Programm zur Bürgermeisterwahl am 6. März aufgenommen.

Für die Christdemokratin ist klar, dass dies in erster Linie am Bürgermeister liegt. „Er muss mehr dahinter sein, mehr Eigeninitiative zeigen, besser koordinieren – auch unter den verschiedenen Fachbereichen innerhalb seiner Verwaltung“, findet sie, „und Anfragen schneller beantworten, sonst ist die Frustration groß. Man steckt so viel Zeit in die Politik, diskutiert über Anträge und dann passiert nichts, dabei gibt es so viel Potenzial für Großkrotzenburg . . .“

Dicke Bretter bohren? Theresa Neumann lacht. Sie würde es gern besser machen als es derzeit ist. Charakterlich bringt die Frau mit den kurzen blonden Haaren alles mit für das Amt: ein offenes Wesen, eine sehr zugewandte Art. Kommunikationsstark ist sie, aufmerksam, herzlich.

Parteivorsitzende der CDU Großkrotzenburg: 2011 zur Politik gekommen

Zur Politik ist sie 2011 über den Jugendbeirat zur Nachhaltigkeitsstrategie Hessen gekommen. Das Gremium hatte die Aufgabe, den Ministerpräsidenten und die Umweltministerin zu Themen der Nachhaltigkeit aus Sicht der Jugend zu beraten. Neumann hat Spaß an Politik. Sie hat Jura in Frankfurt und Paris studiert, arbeitet aktuell als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Frankfurt und schreibt parallel ihre Doktorarbeit im Bereich Völkerrecht.

Nach dem Auslandaufenthalt sei für sie klar gewesen, dass sie sich im Ort engagieren wolle. Großkrotzenburg, hier ist sie mit ihrem älteren Bruder aufgewachsen, hat am Franziskanergymnasium Abitur gemacht, ihre Eltern leben hier, ihre Freunde.

Eine Runde mit dem HA durch den Ort: Auch am Heimatmuseum der Gemeinde führt der mehr als einstündige Spaziergang vorbei.
Eine Runde mit dem HA durch den Ort: Auch am Heimatmuseum der Gemeinde führt der mehr als einstündige Spaziergang vorbei. © -

Bürgermeisterwahl Großkrotzenburg: Neumann nennt Stichwahl als Ziel

Die Nähe zur CDU kam über das Studium. Neumann war Mitglied der Konrad-Adenauer-Stiftung, kannte das CDU-Team vor Ort. 2014 trat sie in die Partei ein, wurde ein Jahr später in den Vorstand gewählt und übernahm 2019 den Parteivorsitz. 2016 wurde sie zum ersten Mal in die Gemeindevertretung gewählt im Sommer 2021 dann als Bürgermeisterkandidatin nominiert.

Neumanns Ziel ist es, in die Stichwahl zu kommen. Sollte es nichts werden mit der Politik, wird die junge Frau ein Referendariat beginnen. „Ich kann mir vorstellen, im Staatsdienst oder als Anwältin im Bereich öffentliches Recht zu arbeiten“, sagt sie auf unserem Spaziergang Richtung Ortsmitte.

Am Rathaus machen wir eine kurze Pause. „Für viele Eltern fehlt ein Ansprechpartner hier, wenn es um das Thema Kinderbetreuung geht“, sagt die 31-Jährige mit Blick zum Rathaus. Sie möchte das gern ändern. Eine Planung mit Weitblick machen. „2026 kommt der Rechtsanspruch auf Schulbetreuung. Das müssen wir auch mitbedenken“. Auch die Jugendlichen möchte sie mehr einbinden, vielleicht so wie in Bad Soden-Salmünster, wo es einen Jugendbeirat gibt.

CDU-Kandidatin Neumann: Auch Großkrotzenburger Ortsmitte im Wahlproramm

Auch die Ortsmitte ist Teil von Neumanns Wahlprogramm. Regelmäßige Treffen mit dem Gewerbeverein, Dialog mit den Einzelhändlern, bessere Vermarktung. Um das alles voranzubringen, möchte die Christdemokratin eine Stelle fürs Gemeindemarketing schaffen. „Wir müssen das, was wir hier vor Ort haben, besser vermarkten“, sagt sie. Aktuell gebe es keine Gewerbepolitik und zu wenig Engagement. Sie könne sich Starthilfekonzepte vorstellen, ähnlich wie in Hanau, wo Gemeinde und neuer Ladeninhaber sich die Miete im ersten Jahr teilen.

Unser Weg geht weiter Richtung Römerkastell und Theodor-Pörtner-Haus. Hier probt Zupforchester der Wanderfreunde Edelweiß. Theresa Neumann spielt hier seit einigen Jahren Mandoline. Eigentlich ist ihr Element aber das Wasser. Sie hat das Schwimmen im Wassersportverein gelernt, ist dann nach Großauheim und später nach Frankfurt gewechselt. 16 Jahre Leistungssport. Teilnahme an deutschen Meisterschaften inklusive. Schmetterling, Delfin und Kraul waren ihre Disziplinen. Und das Langstreckenschwimmen im Großkrotzenburger See ist bis heute ihr Ding. Beim Hanauer City Triathlon geht sie für die CDU-Staffel an den Start und meistens als erste aus dem Wasser.

CDU-Kandidatin Neumann: Miteinander von Rathaus und Parlament in Großkrotzenburg verbessern

Ansonsten dreht sich gerade jetzt ziemlich viel um Politik im Hause Neumann. Lucas Bäuml, Lebensgefährte von Theresa Neumann, ist nämlich nicht nur Fraktionsvorsitzender der Krotzebojer Grüne, sondern auch deren Bürgermeisterkandidat. Probleme macht das nicht. Der Wahlkampf sei strikt getrennt. Und das der eine die Kandidatur des anderen akzeptiere auch ein Zeichen von Akzeptanz und Toleranz, findet die Großkrotzenburgerin.

Nicht nur das Miteinander zwischen Bürgermeister und Parlament will die Christdemokratin verbessern, sondern auch das mit den Bürgern. Die abgeschafften Sprechstunden will sie wieder einführen, den Veranstaltungskalender wieder aufleben lassen, regelmäßige Treffen mit den Vereinen organisieren. „Damit wäre schon ein erster Schritt getan“, glaubt Neumann. Im Wahlkampf hat sie sich digital getroffen, zuletzt mit dem Gewerbeverein. Den einen oder anderen Wahlstand solle es geben und von Tür zu Tür wolle sie gehen.

Von dem schwierigen Miteinander zwischen Parlament und Bürgermeister hat sie sich nicht abschrecken lassen, im Gegenteil: Es habe sie angespornt, zu kandidieren. „Ich habe unglaublich Lust darauf, meine Heimat mitzugestalten.“ Zurück am Abenteuerspielplatz verabschiedet sie sich - den Stoffbeutel mit dem Neustart gut sichtbar über der Schulter. (Yvonne Backhaus-arnold)

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