Ideen der Bürger: Zwei Aktenordner mit Umfrageergebnissen zur Ortsmitte haben Christine Dittrich und Ute Bergmann (von links) in den vergangenen Wochen zusammengetragen. Foto: Per Bergmann

Großkrotzenburg

Umfrage: Mehrheit wünscht sich Ärztezentrum in der Ortsmitte

Großkrotzenburg. „Für eine Belebung der Ortsmitte“ entwickelte eine Initiative der Gewerbetreibenden kürzlich eine Umfrage, an der sich 253 Großkrotzenburger beteiligten.

Von Per Bergmann

Rund 55 Stunden benötigten Steuerberaterin Christine Dittrich für die Entwicklung, das Verbreiten und Auswerten des umfangreichen Fragebogens. Zusammen mit Ute Bergmann, der Inhaberin des Schuhhauses Klassert, brachte sie damit einen Stein ins Rollen. Für die Umsetzung der Ideen wurden in der vergangenen Woche die ersten vier Arbeitsgruppen gebildet.

Während die Errichtung eines Ärztezentrums am Rande der Gemeindegrenze in Richtung Kahl längst beschlossene Sache ist, wünschen sich 89 Prozent der Umfrageteilnehmer ein Ärztehaus in der Ortsmitte. Die Verhandlungen mit der Ideenwelt Gesundheitsmarkt (IWG), die das Projekt Ärztehaus vorantreiben und Investoren auftreiben soll, seien „bereits weit fortgeschritten“, bestätigt Bürgermeister Thorsten Bauroth (parteilos). „Es sind aber noch keine Verträge unterschrieben.“

255 ausgewertete Fragebögen

Interessant an der Investorensuche der IWG: „Sie haben auch andere Gewerbetreibende kontaktiert, um nachzuhören, ob Interesse an den neuen Räumlichkeiten besteht“, die am Ortsrand entstehen sollen, weiß Bergmann.Im Ärztehaus sollen scheinbar auch andere Geschäfte untergebracht werden. Eine Herangehensweise, die der Initiative zur Belebung der Ortsmitte praktisch entgegengesetzt ist.

Ein weiteres interessantes Ergebnis der 255 ausgewerteten Fragebögen: 36 Prozent der Teilnehmer gefällt die Ortsmitte, wie sie sich aktuell präsentiert, grundsätzlich nicht. 55 Prozent scheinen zufrieden mit dem Status quo. Als „abweisend“ sehen die Bürger vor allem die derzeit leerstehenden Geschäfte und die Schaufenstergestaltung. Sie wünschen sich zudem „mehr Geschäfte und Gastronomie“ sowie „viel mehr Sitzgelegenheiten und Bänke“.Aber auch die Stärkung der historischen Ortsmitte und das Einrichten einer Fußgängerzone wurden angeregt.

Welche Geschäfte werden vermisst?

Eine der deutlichsten Forderungen der Umfrageteilnehmer ist bereits von engagierten Bürgern umgesetzt: Ein regelmäßiger Markt mit Lebensmitteln aus der Region feierte bereits Premiere im alten Ortskern vor dem Römerkastell.Satte 94 Prozent hatten sich diesen in der Umfrage gewünscht. Die Forderung tauchte in den politischen Sitzungen der vergangenen Monate immer wieder auf, fand aber wenig Beachtung.

„Welche Geschäfte vermissen Sie in der Ortsmitte?“, lautete eine weitere Frage. Die Auswertung ergab: 17 Prozent fehlt nach der Schließung des „Alles-Ladens“ der Familie Grün ein Geschäft für Haushaltswaren und Fahrradreparaturen. 15 Prozent wünschen sich einen Laden mit frischem Obst und Gemüse, jeweils 14 Prozent vermissen eine Metzgerei sowie eine „Bar, Café und Bistro“ mit der Möglichkeit, „draußen zu sitzen“. Immerhin acht Prozent sprachen sich für einen „Bioladen/Unverpackt“ und ein Lebensmittelgeschäft aus.

Anmeldung zu den Arbeitsgruppen

Die Initiatoren der Umfrage, die vom Gewerbeverein „fachwerk-hhg“ unterstützt werden, wollen das Einkaufen in Großkrotzenburg wieder attraktiver machen. Das kommt auch bei den Bürgern gut an. Mehr als 70 von ihnen beteiligten sich an der Präsentation der Ergebnisse. Rund ein Dutzend meldete sich für die umgehende Bildung von vier Arbeitsgruppen, die die Themenbereiche „Familie, Geschäfte, Wochenmarkt und Verkehr“ behandeln sollen, denn auch mit der Parksituation in der Ortsmitte sind laut Umfrage immerhin 35 Prozent unzufrieden. Der nächste Termin soll nun am Donnerstag, 27. Juni, im Rathaus stattfinden. Bis dahin hoffen die Initiatoren, dass sich weitere Menschen an den Arbeitsgruppen beteiligen.

Entsprechende Listen liegen in den Geschäften in der Ortsmitte aus. Eine Anmeldung zu den Arbeitsgruppen ist zudem per E-Mail an den Gewerbeverein möglich, auf dessen Internetseite auch die kompletten Ergebnisse der Umfrage einsehbar sind.

fach-werk-hhg.de

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