Behält den Überblick: Steffen Schnaderbeck von der Aufsicht hat Wasser und Land im Visier.
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Behält den Überblick: Steffen Schnaderbeck von der Aufsicht hat Wasser und Land im Visier.

Freizeit

Trotz des Andrangs und Beschränkung auf 5000 Badegäste: Gute Stimmung am Großkrotzenburger See

  • vonPer Bergmann
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Großkrotzenburg – Das Strandbad Spessartblick zählt zu den wenigen Baderbetrieben in der Region, die in diesem Jahr keine Online-Reservierung eingeführt haben. Wie läuft es aktuell unter diesen Bedingungen? Wir haben uns am See umgeschaut.

Die Hundstage: Die heißesten Wochen des Jahres. Wenn man lange in einer Schlange vor dem Badesee warten muss, können die Nerven schon mal blank liegen – könnte man meinen.

Aber „die meisten sind freundlich, nett und geduldig“. Angesichts dieser Geduld zieht auch Kassiererin Renate Rausch ihren Hut. Sie empfängt die Besucherströme, die es aktuell ans Strandbad Spessartblick zieht.

40 Jahre leistete die Großkrotzenburgerin regelmäßig Sanitätsdienst am See, seit drei Jahren sitzt sie an der Kasse. Etwas mehr habe sie aktuell schon zu tun, schließlich gilt im Eingangsbereich die Maskenpflicht.

Abstandregelung auf dem kompletten Gelände

Das Abstandsgebot kommt auf dem kompletten Gelände und auch im Wasser zum Tragen, deutliche Schilder und Markierungen weisen darauf hin. „Es kommen immer noch Menschen ohne Maske an“, stellt Rausch fest.

Für die stehen an der Kasse genügend Schutzmasken zum Preis von einem Euro zur Verfügung. „Ohne Maske kommt hier niemand rein.“

Beim verspäteten Saisonbeginn sah der Pandemieplan maximal 7500 Besucher für das weitläufige Gelände vor.

„Wir haben die maximale Besucherzahl in Absprache mit dem Ordnungsamt früh auf 5000 reduziert, weil es für die Gäste sonst schwierig wird, im Nichtschwimmer-Bereich den geforderten Abstand einzuhalten“, erklärt der stellvertretende Leiter des Strandbads, Cihan Virit.

Kontrolle und Durchsetzung der Maskenpflicht sei Aufgabe des Ordnungsamts

Eine lückenlose Kontrolle und Durchsetzung der Maskenpflicht und Abstandsregeln sei für das Personal der Betreiberfirma, der Bäderservice Deutschland GmbH (BSD), schlicht „nicht machbar“, so Virit. „Wir sind laut Pandemieplan aber auch nicht dafür zuständig“, stellt er klar. Zumindest offiziell sei das die Aufgabe des Ordnungsamts. Und dennoch achten alle Mitarbeiter darauf, dass die Regeln im Wasser und an Land eingehalten werden.

Zählt jeden Gast: Kassiererin Renate Rausch.

Seit dem vergangenen Jahr gehört auch Steffen Schnaderbeck zur Wasseraufsicht. „Wenn es voll ist, ist man nach acht Stunden Aufsicht ziemlich ausgelaugt“, gibt er zu. „Das ist aber immer so.“ Die geringere Anzahl an Gästen gleiche die zusätzlichen Aufgaben, wie „eine verstärkte Wiesenaufsicht mit dem Fahrrad oder zu Fuß“ sozusagen aus. „Im Großen und Ganzen halten sich die Leute an die Regeln“, beobachtet er.

„Insgesamt verhalten sich die Menschen hier rücksichtsvoll.“ Natürlich gebe es auch Mal Beschwerden, dass beispielsweise der Abstand auf der Liegewiese nicht eingehalten werde. Jedoch sei es für die Aufsicht „schwierig zu beurteilen, wer zusammengehört und wer nicht“, so Schnaderbeck. Nicht nur hier sei „zunächst Mal die Eigenverantwortung der Menschen gefragt“.

Wespen sind am See ein Ärgernis

Während das Problem mit dem Kot dutzender Kanadagänse in diesem Jahr in den Hintergrund gerückt ist, werden nun andere Tiere zum Ärgernis: „Wir müssen aktuell vermehrt Wespenstiche behandeln“, stellt Schnaderbeck fest.

Tatsächlich meldeten sich während des Besuchs unserer Redaktion innerhalb kurzer Zeit gleich mehrere Menschen mit einem Stich am Häuschen der Aufsicht.

Gleichzeitig war zu beobachten, dass sich das Aufsichtspersonal inzwischen zu echten Experten bei der Behandlung von Wespenstichen entwickelt hat. Um das Problem in den Griff zu bekommen, sei am Montagmorgen ein Kammerjäger bestellt worden, „der vier oder fünf Wespennester beseitigt hat“, erklärt Virit. Dieser habe zuvor sichergestellt, dass es sich nicht um geschützte Arten handelt.

Unterschiedliche Zutrittspolitik

Einen Wespenstich abbekommen hat auch Silke Heinrich aus Obertshausen. Mit ihrer Familie sei sie „sonst im Freibad in Lämmerspiel“. Dort hätten aktuell aber nur Ortsansässige Zutritt. „Wir sind deshalb froh über diese Ausweichmöglichkeit.“ Ähnliche Zutrittsbeschränkungen gelten für den benachbarten Campingsee in Kahl, andere Badebetriebe, wie die Hanauer, haben eine Online-Reservierung eingeführt.

„Weil bei uns keine vorherige Anmeldung notwendig ist, kommen viele Besucher von außerhalb“, beobachtet Virit.

Das erhöhte Verkehrsaufkommen führte am vergangenen Wochenende, dem bisher heißesten in diesem Jahr, zu einem kilometerlangen Stau bis zum Parkplatz des Strandbades.

Aber auch dieses Problem ist bei teilweise über 10 000 Tagesbesuchern in den vergangenen Jahren keinesfalls neu.

Schwimmen würde funktionieren wie immer

„Relativ unveränderter Betrieb“: Alexa zählt „etwas weniger Kunden“ beim Stand-Up-Paddling,

Wohl dem, der einfach mit dem Fahrrad anreisen kann, so wie Silke Berg aus Großkrotzenburg, die seit 17 Jahren „in erster Linie zum Schwimmen“ ans Strandbad kommt. „Das Schwimmen funktioniert wie immer“, sagt die Saisonkarten-Inhaberin.

„Das Aufsichtspersonal verhält sich ruhig und macht seinen Job gut. Die Sinne sind geschärft“, beobachtet Berg. Selbst wenn irgendwo die Maskenpflicht einmal nicht eingehalten werde – „viel schlimmer wäre es, wenn der See geschlossen wäre“, ist sie sich sicher.

Beim Stand-Up-Paddling-Anbieter Main-SUP herrscht ebenfalls Zufriedenheit, es sei ein „relativ unveränderter Betrieb“. Während in den vergangenen Monaten viele Events abgesagt werden mussten, „läuft der reguläre Betrieb in Großkrotzenburg gut“, sagt Mitarbeiterin Alexa.

Durch die begrenzte Besucherzahl kämen lediglich „etwas weniger Kunden“, das Stand-Up-Paddling erfreue sich insgesamt aber nach wie vor großer Beliebtheit.

Bei den Wasserrettern von der DLRG Großkrotzenburg zeigt man sich ebenfalls zufrieden. „Durch die begrenzte Besucherzahl ist es auf jeden Fall übersichtlicher auf dem Wasser. Uns fällt zwar auf, dass Eltern mit ihren Kin-dern regelmäßig den Nichtschwimmer-Bereich verlassen, das war in den letzten Jahren aber auch schon so“, sagt Dennis Scheidemantel vom örtlichen DLRG-Verein, der die Wasseraufsicht des Betreibers an Wochenenden regelmäßig unterstützt.

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