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Streit um Strandbad: Gemeindevertreter zürnt wegen verschlossenem Tor

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Die Ruhe der zur Plage gewordenen Wildgänse im Strandbad Spessartblick soll nachhaltig durch Jagdmaßnahmen mit Greifvögeln gestört werden.
Die Ruhe der zur Plage gewordenen Wildgänse im Strandbad Spessartblick soll nachhaltig durch Jagdmaßnahmen gestört werden. © Karin Klemt

Im Main-Kinzig-Kreis entbrennt ein Streit um das Großkrotzenburger Strandbad. Gemeindevertreter Lenz kritisiert, dass das Tor nach Saisonende geschlossen wird.

Die Badesaison ist zwar für dieses Jahr vorbei, dennoch bleibt das Strandbad Spessartblick im Blickpunkt der Großkrotzenburger Ortspolitik. Nach der Gemeindevertretersitzung am Freitag prüft der Haupt- und Finanzausschuss gleich drei Anträge, die auf eine ganzjährige Öffnung der Freizeitanlage zielen – sehr zum Missfallen des fraktionslosen Gemeindevertreters Aloys Lenz, der bei der Sitzung in der Aula des Franziskanergymnasiums mit Nachdruck eine sofortige Entscheidung über seinen Vorstoß gefordert hatte.

70 Jahre lang hätten die Großkrotzenburger im Herbst und Winter ungehindert am See Freigericht West spazieren gehen können, zürnte der ehemalige CDU-Landtagsabgeordnete. Erst seit einigen Jahren werde das Tor nach Saisonende geschlossen.

Strandbad im Main-Kinzig-Kreis: Öffnung nach Saisonende müsse mit dem Pächter besprochen werden

Allein aus Sicherheitsgründen, betonte CDU-Fraktionschef Max Schad, und mit Zustimmung des Gemeindeparlaments. Schad wies auf ein Gerichtsurteil aus 2020 hin, das den Bürgermeister persönlich für ein Unglück mit drei ertrunkenen Kindern vier Jahre zuvor in Nordhessen verantwortlich macht. Die Fraktion der Initiative zukunftssicheres Großkrotzenburg forderte klärende Gespräche mit der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB), Einschaltung einer Versicherung und vorsorgliche Bereitstellung von Haushaltsmitteln im kommenden Jahr.

Über Haftungsfragen hinaus obliege der Gemeinde eine Schutzverantwortung für ihre Bürger, betonte Bürgermeisterin Theresa Neumann (CDU). Ob und unter welchen Bedingungen eine Öffnung nach Saisonschluss machbar sei, müsse mit dem Pächter besprochen werden und hänge letztlich davon ab, wer die Kosten dafür trage. Die interessierten Nutzer, schlug FDP-Fraktionschef Daniel Protzmann vor. Für das „Partikularinteresse“ am herbstlichen Strandbad-Bummel habe nicht der Steuerzahler aufzukommen, begründete er den Änderungsantrag der Liberalen.

Strandbad im Main-Kinzig-Kreis: Heerscharen von Wildgänsen

Keinen Streit gab es über den Umgang mit Heerscharen von Wildgänsen, die das Strandbadgelände inzwischen ganzjährig mit ihrem Kot verunreinigen. Abschießen, hatte Aloys Lenz in einem Antrag gefordert und in der Sitzung präzisiert: Nicht die Ausrottung der ungebetenen Gäste, sondern deren Reduzierung auf ein „für Mensch und Natur verträgliches Maß“ sei das Ziel. Nicht ganz so einfach, konterte Rathauschefin Neumann: Zwar gebe es seit April eine Erlaubnis der Jagdbehörde beim Main-Kinzig-Kreis, allerdings nur für die Jagd mit Greifvögeln.

Ein Falkner mit einem Adler sei seit Anfang September am Werk, berichtete die Bürgermeisterin, das Ergebnis bleibe abzuwarten. Vor dem Einsatz von Schusswaffen schreckten die örtlichen Jagdpächter wegen der Nähe eines Wohngebiets und viel befahrener Straßen zurück. Lenz’ Antrag stuften der Liberale Protzmann und SPD-Fraktionsvorsitzender Uwe Bretthauer daraufhin als überflüssig ein: Der Gemeindevorstand sei bereits tätig. Mit 16 Gemeindevertretern schloss sich eine breite Mehrheit an.

Main-Kinzig-Kreis: Eltern der Kita am Limes sollen entschädigt werden

Einstimmig billigte das Ortsparlament einen Vorschlag von CDU und FDP, Eltern für die seit Juli reduzierten Betreuungszeiten in der privat betriebenen Kita am Limes mit reduzierten Gebühren zu entschädigen. Personalmangel, vom Betreiber als Rechtfertigung angeführt, bedeute für diesen auch Ersparnis, betonte Max Schad. Die Forderung der Liberalen, gleiche Erstattungsregeln für alle Kitas festzulegen, wird im Sozialausschuss diskutiert.

Ohne Gegenstimmen bei drei Enthaltungen folgte das Plenum einem weiteren Lenz-Antrag, das marode Holz-Geländer auf der Eisenbahnüberführung Waitzweg zu erneuern – sei es mit eigenen Kräften oder per Antrag an die für die Landesstraße zuständige Verkehrsbehörde Hessen Mobil.

Verschlossene Eingangspforte am Strandbad: Ein Unding, findet der fraktionslose Abgeordnete Aloys Lenz.
Verschlossene Eingangspforte am Strandbad: Ein Unding, findet der fraktionslose Abgeordnete Aloys Lenz. © -

Sicherheitsprogramm „Kompass“ startet in Großkrotzenburg (Main-Kinzig-Kreis)

Starten wird in Großkrotzenburg das Sicherheitsprogramm „Kompass“, von der CDU seit Jahren gefordert. Teilnehmenden Kommunen bietet die Landesregierung unter anderem einen Schutzmann vor Ort, Sicherheitsberatung für Senioren und eine Analyse zum Aufspüren von „Angsträumen“ an. Gut für das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger, betonte Schad. Personell im Rathaus nicht zu stemmen, konterten Protzmann und Bretthauer. Bei einer Enthaltung votierten elf Gemeindevertreter für, fünf gegen den Antrag der Union.

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