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Strandbad Spessartblick: Neuer Betreiber gefunden

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Der beliebte Großkrotzenburger See wird künftig von der Bäderservice Deutschland GmbH betrieben. Dank dieser Vergabe ist die Gemeinde das defizitäre Betreibergeschäft los, das regelmäßig ein Loch von bis zu 100 000 Euro in die Gemeindekasse gerissen hat. Archivfoto: BBN
Der beliebte Großkrotzenburger See wird künftig von der Bäderservice Deutschland GmbH betrieben. Dank dieser Vergabe ist die Gemeinde das defizitäre Betreibergeschäft los, das regelmäßig ein Loch von bis zu 100 000 Euro in die Gemeindekasse gerissen hat. Archivfoto: BBN

Grosskrotzenburg. Nach jahrelangem hin und her hat sich die Gemeinde Großkrotzenburg auf einen neuen Betreiber für das Strandbad Spessartblick verständigt. Der beliebte Badesee wird ab dem 18. Mai ganzjährig von der Firma Bäderservice Deutschland (BSD) betrieben. Sie trägt zugleich sämtliche anfallende Kosten.

Von Sebastian Zeh

Bürgermeister Thorsten Bauroth (parteilos) ist mit dem Ergebnis zufrieden: „Die Vergabe war eine wahre Punktlandung, die uns viele nicht mehr zugetraut haben. Sie stellt aus meiner Sicht die beste Lösung dar und wird sich vor allem im Haushalt 2019 bemerkbar machen.“ Seit Juni 2016 wanderte der von Krotzebojer Grünen und FDP angekurbelte „Ideenwettbewerb“ munter durch die Ausschüsse, nun ist das Thema für mindestens sieben Jahre vom Tisch. So lange hat sich der BSD den Betrieb vertraglich gesichert.

Aufatmen kann Bauroth vor allem hinsichtlich der Öffnungszeiten. Im vergangenen Jahr hatten der Rathauschef und die Verwaltung noch täglich mit Blick auf den Wetterbericht darüber entscheiden müssen, ob das Strandbad geöffnet wird oder nicht. „Ich bin froh, das nicht mehr machen zu müssen“, sagt er schmunzelnd.

Eintrittskarten: Preisgarantie für 2018

Bei BSD handelt es sich weitestgehend um denselben Betreiber, der auch schon im vergangenen Jahr Schwimmmeister und Personal am Strandbad bereitgestellt hat – zu diesem Zeitpunkt allerdings noch unter dem Namen Avance Management GmbH. „Mit dem BSD haben wir den Bereich Bäderbetrieb aus dem Unternehmen ausgegliedert und neu aufgestellt“, erklärte eine Avance-Sprecherin auf Anfrage unserer Zeitung.

Für die Bürger ändert sich zumindest in diesem Jahr wenig. „2018 haben wir uns vertraglich die Preisstruktur des Vergangenen Jahres gesichert. Eintrittskarten werden somit nicht teurer und auch der Rabatt für Gemeindebürger bleibt erhalten“, erklärt Bauroth. Der Saisonkartenvorverkauf werde bereits vorbereitet und soll ab sofort von BSD übernommen werden. Für die kommenden Jahre gibt es allerdings keine Preisgarantie.

Fokus von BSD: Ist-Stand bewahren

Im September 2017 hatte BSD das Konzept vorgestellt. In den Ausführungen wurde betont, dass es dem Betreiber um einen Erhalt des Ist-Standes gehe. Das Unternehmen ist auf den Betrieb von Hallen- und Strandbädern spezialisiert und verfügt über entsprechendes Fachpersonal. Da BSD andere Modelle der Personalvergütung zur Verfügung stehen als dem öffentlichen Dienst, nach dessen Tarifen die Gemeinde als Betreiber bezahlen müsste, könne der Badebetrieb wirtschaftlicher gestaltet werden (wir berichteten).

Der klare Fokus auf den reinen Strandbadbetrieb hatte den Gemeindevorstand überzeugt, wie Bauroth berichtet: „Viele andere Betreiber haben sich im Vergabeverfahren quasi selbst rausgekegelt, da sie ihren Fokus zu sehr auf Events und Gastronomie gelegt haben. Bei etlichen Modellen hätte man uns nicht garantieren können, dass ein Badebetrieb in diesem Jahr überhaupt bereitgestellt werden könnte – für uns ein klares Ausschlusskriterium.“

Gemeinde kann dank Fremdvergabe Geld verdienen

BSD biete für die Gemeinde aber noch weitere Vorteile. Der offensichtlichste ist der angestrebte Kostenschnitt. Das Defizit, das die Gemeinde immer wieder am Strandbad eingefahren hatte, ist somit passé, aber auch mögliche Investitionen fallen laut dem Bürgermeister weg. „Hätten wir uns für 2018 nicht mehr rechtzeitig auf einen Betreiber verständigen können, hätten wir unter anderem einen neuen Spindelmäher kaufen müssen. Alleine dieser kostet rund 40 000 Euro.“

Gleichzeitig ergeben sich für die Gemeinde weitere Vorteile. „Ab 2020 ist vertraglich die Zahlung von Konzessionsgeldern an die Gemeinde fixiert. Diese werden unabhängig des von BSD erwirtschafteten Gewinns ausgezahlt“, so Bauroth. Zudem stünde es der Gemeinde jederzeit frei, das Strandbad kostenfrei für Veranstaltungen zu nutzen und gleichzeitig den erwirtschafteten Gewinn zu behalten. Auch die Ferienspiele bleiben am bekannten Standort. Andersherum führt für BSD bei eigenen Veranstaltungen kein Weg am Rathaus vorbei.

Bäderbeirat wird Betrieb begleiten und kontrollieren

Ob die finanziellen Vorteile der Fremdvergabe allerdings bereits in diesem Jahr spürbar werden, kann Bauroth derzeit nicht abschätzen: „Aufgrund der vorangeschrittenen Zeit haben wir den Bauhof damit beauftragt, das Gelände für die Saison vorzubereiten. BSD findet also ein leeres, aber betriebsfertiges Strandbad vor undmuss quasi nur noch einziehen.“

Kritisch sehe Bauroth lediglich die Frage der Geländepflege: „Da muss BSD noch ein wenig mehr Erfahrung sammeln.“ Der Bürgermeister sicherte bereits zu, in unregelmäßigen Abständen vor Ort nach dem Rechten sehen zu wollen und dabei auch auf Fragen von Sicherheit und Sauberkeit zu achten. Auch der vertraglich fixierte Bäderbeirat, der aus sechs Personen bestehen soll, wird sich dieser Aufgabe annehmen und darüber hinaus Hinweise geben und Vorschläge machen.

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