Die Gemeinde Großkrotzenburg wünscht sich einen flächendeckenden Ausbau mit Glasfaser. Allerdings kämpfen hier zwei Bewerber um die 40 Prozent-Marke, die für die Umsetzung nötig ist.
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Die Gemeinde Großkrotzenburg wünscht sich einen flächendeckenden Ausbau mit Glasfaser. Allerdings kämpfen hier zwei Bewerber um die 40 Prozent-Marke, die für die Umsetzung nötig ist.

Rechtliche Schritte angedroht

Glasfaserausbau in Großkrotzenburg: Giganetz bekommt Gegenwind

  • Christine Semmler
    VonChristine Semmler
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In den vergangenen Tagen flatterte in allen Haushalten offizielle Post vom Bürgermeister in die Briefkästen: Der Glasfaserausbau durch die Deutsche Giganetz, so die Botschaft, soll bald starten. Bedingung: 40 Prozent der Haushalte müssen mitmachen. Wer sich informieren möchte, kann sich zur Infoveranstaltung am 13. Oktober im Bürgerhaus anmelden.

Auch Wolfgang Schnabel hat diesen Brief erhalten. Schnabel ist ein mittelständischer Kabelbetreiber aus Hainburg, der Kunden in der Nachbargemeinde seit Jahrzehnten mit Kabelfernsehen, Telefon und Internet versorgt und es sich nicht gefallen lassen will, dass ihm der Glasfaserriese jetzt die Butter vom Brot nimmt. „Ich habe einen Rechtsanwalt eingeschaltet“, sagt er. Denn die massive Unterstützung der Gemeinde für einen bestimmten Anbieter ist in seinen Augen unlauteter Wettbewerb, wenn ein zweiter im Spiel sei. „Ich will eine einstweilige Verfügung gegen die Informationsveranstaltung durchsetzen“, erklärt er. „Dann haben wir Waffengleichheit.“ Nach aktuellem Stand findet die Veranstaltung im Bürgerhaus aber wie geplant statt..

Auch Schnabel macht schon eifrig Werbung. Er hat Flyer verteilt, Kunden angeschrieben und will einen Infostand aufbauen. Er sagt: „Wenn ich die Quote erreiche, übernehme ich den flächendeckenden Glasfaserausbau in Großkrotzenburg.“ Was die Bandbreite und den Preis angeht, könne er mithalten. Und er habe einen Heimvorteil: Er sei vor Ort und bei Störungen jederzeit erreichbar – auch an Feiertagen. Die Resonanz auf sein Angebot sei bisher allerdings eher verhalten.

Piero Irrera, der die Deutsche Giganetz in der Region vertritt, gibt zu, dass er eine solche Situation bisher noch in keiner Kommune erlebt hat. Die Vertreter des Großunternehmens geben sich trotz des unerwarteten Gegenwinds selbstbewusst, dass sie die nötigen 40 Prozent erreichen.

Deutsche Giganetz: „Der Markt wird es regeln“

„Die Kunden sollen selbst entscheiden“, erklärt Vertriebsleiterin Katalin Akacz-Nemeth, „der Markt wird es regeln.“ Sie glaubt, dass die Deutsche Giganetz letztlich die besseren Argumente habe, dazu gehöre vor allem der „Open Access“. Der garantiert, dass Kunden nach zwei Jahren zu einem beliebigen Anbieter wechseln können. Wie auch Schnabel geht die Deutsche Giganetz jetzt in die Vermarktung. Sie hat das Ziel, bis Ende März die Zusagen von 40 Prozent der Haushalte zu bekommen.

Vertriebsinstrumente sind die großen Infoveranstaltungen im Bürgerhaus, ein Verkaufscenter bei Rewe, auf Wunsch individuelle Gespräche. Der Rücklauf für die erste Veranstaltung am Mittwoch sei bereits überwältigend gewesen, berichtet Michael Thieroff, der im Rathaus für die Digitalisierung zuständig ist.

Akacz-Nemeth berichtet, sie habe Schnabel schon angerufen und ihm eine Zusammenarbeit angeboten. Der aber fühlt sich von der Gemeinde übergangen und lehnt eine Kooperation mit dem großen Konkurrenten kategorisch ab. Schließlich habe er schon im Vorfeld signalisiert, dass er den Glasfaserausbau in Großkrotzenburg übernehmen will, sagt Schnabel. Eine Rückmeldung aus dem Rathaus habe er nie bekommen. Bürgermeister Thorsten Bauroth (parteilos) versichert allerdings, dass das Auswahlverfahren zwischen vier Anbietern, zu denen auch Schnabel gehört habe, auf handfesten Kriterien basiert habe.

Zwei Anbieter können das Netz nicht ausbauen

Ausschlaggebend sei in erster Linie besagter „Open Access“ gewesen: In Schnabels Angebot sei nicht vorgesehen, dass Kunden den Anbieter irgendwann frei wechseln können. Weitere Kriterien seien gewesen, dass die Giganetz die Leitungen in 60 Zentimeter Tiefe und nicht direkt unter der Oberfläche der Fahrbahn verlegt. Dieses Verfahren sei viel weniger störanfällig, so Bauroth. Auch die guten Erfahrungen, die die Kommune Schöneck mit dem Anbieter gemacht hat, haben zur Entscheidung für die Giganetz beigetragen. Hier ist der Ausbau sogar früher gestartet als geplant. Ob es in Großkrotzenburg auch so schnell geht, bleibt unter diesen besonderen Umständen abzuwarten. Konkurrenz, sagen die Vertreter der Giganetz, belebe das Geschäft. Irrera stellt aber auch klar: „Ein Glasfasernetz ist so teuer, dass es sich nicht lohnt, dass zwei ausbauen.“ Es kann nur einen Anbieter geben, der das Rennen in Großkrotzenburg macht. Von Christine Semmler

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