1. Startseite
  2. Region
  3. Großkrotzenburg

Pfarrer über Umwege - Zum Abschied von Pfarrer Daume

Erstellt: Aktualisiert:

Den anstehenden Ruhestand sieht der evangelische Pfarrer Heinz Daume als Chance für eine Neuorientierung. (Foto: Zeh)
Den anstehenden Ruhestand sieht der evangelische Pfarrer Heinz Daume als Chance für eine Neuorientierung. (Foto: Zeh)

Großkrotzenburg. Freundlich lächelnd empfängt Heinz Daume den HA an der Tür des Pfarramtes. Noch knapp eine Woche ist er hier in leitender Position. Am Sonntag ist Schluss – dann geht der erste evangelische Pfarrer Großkrotzenburgs in Rente.

Von Sebastian Zeh

„Ursprünglich wollte ich gar nicht Pfarrer werden“, sagt Daume schmunzelnd. 1952 im nordhessischen Friedrichshausen geboren, wächst er in einem religiösen Haus auf. Christliche Themen beschäftigten ihn seit jeher, auch in der Gemeinde war er aktiv.

„Ich hatte mir damals gut vorstellen können, zum Beispiel Jugendarbeit zu machen.“ Die Leitung einer Kirchengemeinde sei für ihn jedoch zunächst keine Option gewesen.

Gelernter Industriekaufmann

Daume ist ein Spätberufener. Nach der Realschule absolviert er eine Lehre als Industriekaufmann. Er arbeitet im Bereich Kunststoff – eine aufstrebende Sparte mit guten Gehältern und Aufstiegschancen. „Es war eine gute Zeit und ein Beruf, den ich gerne gemacht habe.“

Und doch überwiegt am Ende das Interesse für den Glauben. „Ich habe mein Abitur nachgeholt und mich dann in Heidelberg für das Theologiestudium eingeschrieben.“

Großkrotzenburg sollte nur Übergang sein

Es wird für Daume die prägendste Zeit seines Lebens. Während der Zeit an der Universität studiert er ein Jahr lang in Israel. „Der Kontakt mit den Menschen hat mir neue Blicke auf andere Religionen, das Verhältnis zwischen Deutschland und Israel, aber auch dem Christen- und Judentum eröffnet.“ Ein Interessengebiet, das ökumenische Zusammenarbeit in seiner Zeit als Theologe und Pfarrer zur Hauptagenda werden lässt.

In die Hanauer Region verschlägt es ihn während seines Vikariats, das er von 1983 bis 1985 in Großauheim absolviert. Als am Ende dieser praktischen Ausbildung die erste Pfarrstelle in Großkrotzenburg eingerichtet wurde, sah er das Angebot zunächst als einen Übergang an. „Ich dachte nicht, dass ich allzu lange hier bleiben würde und hatte gesagt, es lohnt sich gar nicht, mir Stempel oder Briefpapier erstellen zu lassen.“

Gemeindepfarrer mit Leidenschaft

Dennoch hielt es ihn bis heute in Großkrotzenburg. „Ich bin mit Leidenschaft Gemeindepfarrer gewesen und habe es immer als Privileg angesehen, ein Leben lang mit Menschen sprechen und mir Gedanken über Gott machen zu dürfen“, sagt Daume. Vor allem die enge Zusammenarbeit der drei Standorte des Kirchenbezirks „Am Limes“, aber auch mit dem Kirchenvorstand habe die Arbeit für ihn zu etwas Besonderem gemacht.

Der Kontakt zu den Gemeindemitgliedern und die Brücken, die er zwischen Menschen unterschiedlicher Konfessionen schlagen konnte, seien für ihn sehr erfüllend gewesen. „Natürlich waren Taufen und Hochzeiten immer besonders freudige und schöne Ereignisse. Doch auch Beerdigungen, die häufig schwer und belastend sind, konnten bereichernd sein, wenn ich merkte, dass ich den Angehörigen Trost spenden konnte.“

Starkes Engagement über Glaubensgrenzen hinweg

Gerade deshalb war für Daume schnell klar, welcher Moment in seinen über 30 Jahren als Pfarrer der erinnerungswürdigste ist. „Ganz klar: die Errichtung des Glockenturms.“ Von Anfang an habe man versucht, das Gemeindezentrum mehr und mehr zu einer Kirche werden zu lassen. „Gerade beim Glockenturm war die Rückmeldung der Bürger besonders positiv. Auch die katholische Gemeinde befürwortete und unterstützte unsere Pläne.“ Doch auch die Entwicklung der Ehemaligen Synagoge zu der heutigen Erinnerungsstätte, die Daume maßgeblich begleitet hatte, erfüllt ihn mit Stolz.

Eine besondere Beziehung hatte Daume, der Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Hanau ist, nicht nur zum Judentum. Auch nach Rumänien pflegt er eine persönliche Verbindung. Auf einer Studienreise während der Abiturzeit lernte er das religiöse Leben des Landes, aber auch die Situation der armen Bevölkerung kennen. „Meine Frau Lydia ist eine sogenannte Rumänien-Deutsche, die ich im Land kennen gelernt habe.“ 1978 heirateten sie – hinter dem Eisernen Vorhang.

Rumänienhilfe wird eingestellt

Nach der Rumänischen Revolution startete Daume einen Aufruf, Hilfsgüter an Bedürftige vor Ort zu senden. Aus fünf kleinen bis mittelgroßen Lastwagen im ersten Jahr wurden mehrere Sattelschlepper, jährlich beladen von der Rumänienhilfe. Nach 27 Jahren wird diese Sammlung zu einem Abschluss kommen. „Die Strukturen im Land haben sich verändert, und inzwischen macht es mehr Sinn, Waren direkt vor Ort zu kaufen, als sie hinzufahren.“ Die Arbeit der Rumänienhilfe soll aber weitergehen und sich unter anderem auf finanzielle Spendenprojekte konzentrieren.

Die Aufgaben, die Daume über die Jahre übernommen hat, waren vielfältig und zeitaufwändig. „Ich arbeite gerne. Den Ruhestand möchte ich trotzdem als Chance sehen, mich neu zu orientieren.“ Künftig wird er nicht nur mehr Zeit für seine drei Kinder Miriam, Jonathan und Michael, sondern auch für sein kürzlich geborenes Enkelkind haben.

Umzug nach Nidderau

Mindestens genauso schwer wie der Abschied aus seinem Beruf wird ihm der Umzug nach Nidderau fallen. „Wir sind in Großkrotzenburg verwurzelt und wären gerne geblieben, es hat aber nicht sein sollen.“ Auch das will er als Chance begreifen, bietet das neue Zuhause doch ein erstes neues Projekt für den Ruhestand – das Haus in Windecken muss nämlich grundlegend renoviert werden. Aus der Welt sei er aber nicht: „Wir werden sicherlich häufig zu Besuch nach Großkrotzenburg kommen“, sagt Daume.

Auch interessant