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Neue Integrationskomission kümmert sich um Belange ausländischer Bürger

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Von: Christine Semmler

Das neue Gremium: Eva-Maria Neeb, Orlando Li Sanchez, John Shillingford, Thorsten Bauroth, , Shay Afgin, Sabine Klab, Pablo Reyes Vallet (von links). Auf dem Bild fehlt Armin Klab.
Das neue Gremium: Eva-Maria Neeb, Orlando Li Sanchez, John Shillingford, Thorsten Bauroth, , Shay Afgin, Sabine Klab, Pablo Reyes Vallet (von links). Auf dem Bild fehlt Armin Klab. © Christine Semmler

Ihre Arbeit steckt noch in den Kinderschuhen. Anfang des Jahres hat sich in der Kommune eine neue Integrationskommission gegründet, zweimal haben sich die acht Ehrenamtlichen bisher getroffen, zunächst um sich zu konstituieren, dann, um eine Geschäftsordnung zu beschließen. Ihre langfristige Aufgabe: die Interessen der ausländischen Einwohner zu vertreten.

Die Kommission setzt sich zusammen aus Bürgermeister Thorsten Bauroth als Vorsitzendem, Eva Maria Neeb als Vertreterin aus dem Gemeindevorstand und Armin Klab als Vertreter aus dem Parlament. Hinzu kommen die vier sachkundigen Bürger Orlando Li Sanchez, John Shillingford, Shay Afgin und Pablo Reyes Vallet. Sabine Klab ist Schriftführerin.

Das Gremium füllt eine jahrelange Vakanz, in der es keine Vertretung von Migranten im Ort gegeben hat. „Irgendwann gab es in Großkrotzenburg einmal einen Ausländerbeirat“, sagt Bürgermeister Bauroth (parteilos). Das sei aber vor seiner Amtszeit gewesen und schon so lange her, dass sich kaum einer daran erinnern könne.

Über 1500 Bürger mit ausländischer Staatsbürgerschaft

In Kommunen mit über 1000 ausländischen Einwohnern ist ein Beirat laut Hessischer Gemeindeordnung Pflicht. Das trifft auch für Großkrotzenburg zu: Im Jahr 2021 waren hier 1082 Menschen mit ausländischer Staatsbürgerschaft und 549 mit doppelter Staatsbürgerschaft gemeldet.

Nachdem 2020 in Hessen ein Gesetz zur Verbesserung politischer Teilhabe von ausländischen Einwohnern in Kraft getreten war, musste auch Großkrotzenburg handeln. Der Versuch, einen Ausländerbeirat mit demokratisch gewählten Mitgliedern auf die Beine zu stellen, sei aber wegen mangelndem Interesse in der Bevölkerung gescheitert, berichtet Bauroth.

Die Integrationskommission übernehme die gleiche Funktion, nur in einer anderen Organisationsform. Es sei schwer gewesen, genügend Menschen für dieses Ehrenamt zu werben, sagt Bauroth. Einen Bewohner der Flüchtlingsunterkunft für das Gremium zu gewinnen, sei trotz viel Überzeugungsarbeit gar nicht gelungen.

„Wir brauchen jetzt etwas Anlaufzeit“, so der Bürgermeister. Schließlich habe man keine Ressourcen, auf die man zurückgreifen könne. „Die Leute sollen zu erst einmal wissen, dass es uns gibt“, erklärt Shay Afgin, der vor sechs Jahren von Israel nach Großkrotzenburg kam, das erste Ziel. Deshalb will sich die Kommission an den beiden kommenden Markttagen am Römerkastell mit einem Stand präsentieren. Das Gremium will sich außerdem bald in der Flüchtlingsunterkunft und beim Sozialausschuss vorstellen.

Nach einem Jahr soll Bilanz gezogen werden

Bauroth wird bei diesen Aktivitäten nicht mehr dabei sein: Der scheidende Bürgermeister geht nach dieser Arbeitswoche in den Urlaub und wird dann vom Ersten Beigeordneten Ulrich Fischer vertreten. Ab Juli wird die neue Bürgermeisterin Theresa Neumann (CDU) den Vorsitz der Kommission übernehmen.

Orlando Li Sanchez, gebürtiger Dominikaner, lebt seit 30 Jahren im Ort und ist als engagierter Künstler bekannt. „Mir ist es wichtig Vorurteile abzubauen, und die Menschen dazu zu bringen, kulturelle Hintergründe zu respektieren“, sagt er. Vor allem in der Kinder- und Jugendarbeit könne man durch die Kommission einiges ausrichten. Pablo Reyes Vallet, gebürtiger Spanier und ehemaliger Gemeindevertreter, legt Wert darauf, dass der hohe Anteil ausländischer Mitbürger, immerhin fast 20 Prozent, in Entscheidungsprozesse hineingenommen werden. Für die Praxis will sich das Gremium beratende Hilfe beim Kreis-Büro für Interkulturelle Angelegenheiten oder bei der Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte Hessen holen.

„Ich verstehe es total, dass es Ausländer nicht leicht in Deutschland haben“, sagt John Shillingford, gebürtiger Engländer und Unternehmer, mit einem kleinen Augenzwinkern. Ihm sei es wichtig, diese Probleme zu erfassen und Migranten entsprechend zu unterstützen.

Wie das im Einzelnen aussehen kann, will das Komitee in den kommenden Monaten erarbeiten, sagt Reyes Vallet. „Nach ungefähr einem Jahr wollen wir Bilanz über die ersten Ergebnisse ziehen.“ Christine Semmler

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