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Kita St. Vinzenz: Eltern und Gemeinde suchen weiter das Gespräch

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Trägerschaft steht auf der Kippe: Um die Kita St. Vinzenz gibt es noch keine Einigung. Foto: Bergmann
Trägerschaft steht auf der Kippe: Um die Kita St. Vinzenz gibt es noch keine Einigung. Foto: Bergmann

Großkrotzenburg. Es wird weiter über die Zukunft der St.-Vinzenz-Kindertagesstätte diskutiert: Nach der Betriebsvertragskündigung mit dem aktuellen Träger, dem Orden der barmherzigen Schwestern vom hl. St. Vinzenz und Paul in Fulda, steht ein Trägerwechsel im Raum – mit dem die betroffenen Eltern nicht einverstanden sind.

Von Per Bergmann„Das große Interesse und der wichtige Anlass“ führten dazu, dass der Informationsabend kurzerhand von der Kita in den Rathaussaal verlegt wurde. Eingeladen hatte Irene Smak, Leiterin der Kindertagesstätte.

Die Eltern sollten „informiert werden, was denn nun Sache ist“, wie es ab dem 31. Juli 2018 mit der Kita weitergeht. So lange läuft der Ende September von der Gemeinde gekündigte Trägervertrag.Erste Kündigungen Ende des JahresNun laufen die Eltern und Mitarbeiter der Einrichtung Sturm – verständlicherweise. Ende des Jahres werden die ersten langjährigen Mitarbeiter ihre Kündigungen erhalten. Andere ereilt dieses Schicksal im Laufe des kommenden Jahres. Der Arbeitgeber – der Orden der barmherzigen Schwestern vom hl. St. Vinzenz und Paul in Fulda – muss entsprechende Kündigungsfristen einhalten. Die Gemeinde müsse sich deshalb bis zum 15. Dezember entscheiden, bekräftigte Tatjana Schrimpf als Vertreterin des Ordens.

Die Gemeinde hatte nach monatelangen, erfolglosen Verhandlungen dem Orden in Fulda gekündigt, um sich die Möglichkeit eines Trägerwechsels offenzuhalten. Es bestehe aber „natürlich das Interesse, die Zusammenarbeit mit St. Vinzenz fortzuführen“, erklärte Bürgermeister Thorsten Bauroth. Allerdings gehe es auch „um eine nicht unerhebliche Summe“, die es in Zukunft einzusparen gelte.Einsparungspotenzial von knapp 60 000 EuroBei Betriebskostenzuschüssen von 320 000 Euro für den Kindergarten sehen einige Gemeindevertreter Einsparungspotenzial von knapp 60 000 Euro. Mit dem Träger des Kindergartens der Pfarrgemeinde St. Laurentius hatte sich die Gemeinde indes über eine Reduzierung des Zuschusses geeinigt.

Als Alternative stellte Smak die Basisangebote eines Familienzentrums vor, das 13 000 Euro pro Jahr an Fördermitteln einbringen könnte. Zusammengefasst geht es um generationsübergreifende Familienbildung. Ein Ort für Begegnung, Austausch, Beratung und Information. Netzwerken mit Kooperationspartnern vor Ort. „Babysitterschulung, eine Schulung für Leih-Omas, Yoga mit Kindern.“ Die Politik habe kreative Lösungen gefordert, so Smak, dies sei eine.

„Wir müssen den Haushaltsausgleich hinkriegen“

„Die Förderung muss jährlich beantragt werden“ und die Umsetzung bringe Aufwendungen mit sich, erklärte Alexander Noll (FDP). „Wir müssen den Haushaltsausgleich hinkriegen und da gibt es Richtlinien, an die wir gebunden sind“, beteuerte er.

Bekommt die Gemeinde das nicht hin, „wird hier zugemacht“, pflichtete Parteikollege Daniel Protzmann bei, selbst Vater von zwei Kindern. Ihm gefällt die Idee eines Familienzentrums. Aber zur Konsolidierung des Haushaltes werde sie sicher nicht beitragen können.

Schwestern ebenfalls in einer finanziell angespannten Lage

Dass bisher noch keine Kündigungen von Seiten der angestellten Erzieher eingegangen seien, sei diesen hoch anzurechnen, machte Schrimpf deutlich. Sie wies darauf hin, dass die Schwestern sich ebenfalls in einer finanziell angespannten Lage befinden.

Mehrere Einrichtungen stünden derzeit auf der Kippe, Arbeitsplätze seien gefährdet. Vom Bistum gebe es einen kleineren Zuschuss, „weil es sich um einen eigenen Orden handelt“. Man partizipiere nicht an der Schlüsselzuweisung.

„Wenn alle Stricke reißen, muss die Gemeinde den Betrieb des Kindergartens sicherstellen“, stellte Protzmann klar. Eine solche Notlösung – denn viel Vorbereitungszeit bleibt nicht – könnte zum „Worst-Case-Szenario“ werden, gab Bauroth zu. Durch den Trägerwechsel verursachte Ausfallzeiten könnten dazu führen, dass Eltern ihren Anspruch auf Betreuung bei der Gemeinde geltend machen.

Viel Emotionalität

Marcus Rosen (SPD) möchte wahrscheinlich auch deshalb „an den Verhandlungstisch zurückkehren“, um zumindest eine Übergangslösung mit dem aktuellen Träger zu finden. Viele Redebeiträge waren emotional aufgeladen. Der erste lösungsorientierte Ansatz kam dennoch aus dem Kreis der Eltern: Ein Arbeitskreis müsse gebildet werden, und das möglichst schnell, um bis zum 15. Dezember konkrete Maßnahmen zu erreichen.

Am späten Abend wurde schließlich ein zeitnaher Termin für Gespräche zwischen Vertretern der Eltern und der Gemeinde vereinbart. Dort soll über die konkreten Konzepte der aktuellen Verhandlungspartner gesprochen werden.

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