Protest im Kindergarten: An der Scheibe von St. Vinzenz zeigen die betroffenen Kinder und Familien ihren Unmut darüber, dass der Betreiber wechseln soll. Foto: Per Bergmann

Großkrotzenburg

Aus für kirchlichen Kita-Träger

Großkrotzenburg. Nun ist es beschlossene Sache: Der Vinzenz-Kindergarten soll ab dem 1. August 2019 von einem privaten Träger übernommen werden. Die Koalitionsfraktionen Krotzebojer Grüne und FDP sowie die SPD setzten sich im Gemeindeparlament gegen die Christdemokraten durch.

Von Per Bergmann

Rund 50 anwesende Bürger, darunter einige Eltern und St. Vinzenz-Mitarbeiter quittierten den Beschluss mit lautstarken Buh-Rufen. „Die nächsten Kommunalwahlen kommen bestimmt“, stellte ein Vater klar, als das Gros des Publikums unmittelbar nach der Abstimmung wutentbrannt den Saal verließ. Bernd Kurzschenkel rief als Vorsitzender der Gemeindevertretung zur Ruhe auf und bat, „die ‧Beschimpfungen sein zu lassen“.

Dabei beinhaltet der Beschluss auch die Ausweitung der Zusammenarbeit mit dem zweiten kirchlichen Kita-Träger in der Gemeinde, St. Laurentius. Diese ebenfalls langjährige Trägerschaft der Kirchengemeinde soll gemäß der Empfehlung des Gemeindevorstandes fortgesetzt und sogar um einen Kita-Neubau erweitert werden.

Gemeinnützige GmbH aus Nürnberg

Mit dem Beschluss endet das mehrjährige „Hickhack“ um die zukünftige Vergabe der Trägerschaft. Bereits 2017 wurde die Trägerschaft der Barmherzigen Schwestern (Kita St. Vinzenz) seitens der Gemeinde gekündigt. Der Orden, der sich nach Meinung der Gemeinde bis dato nicht ausreichend an den Betreuungskosten beteiligt hatte, wollte kein verbessertes Angebot abgeben.

Nun soll die Kita St. Vinzenz gemäß Gemeindevorstands-Empfehlung in die Trägerschaft der gemeinnützigen GmbH Kinderzentren Kunterbunt aus Nürnberg übergehen. Laut Beschluss ist „der Vertrag zum 1. August 2019 unbefristet abzuschließen“. Ein erstmaliges Kündigungsrecht mit darauffolgender jährlicher Kündigungsoption soll nach fünf Jahren eingeräumt werden.

CDU legt Änderungsantrag vor

Bürgermeister Thorsten Bauroth (parteilos) hatte sich einleitend gegen den Vor-schlag des Gemeindevorstandes und für den Verbleib des kirchlichen Trägers ausgesprochen. „Auch wegen des möglichen Personalnotstandes“, der bei einem Wechsel auftreten könne. Lucas Bäuml (Krotzebojer Grüne) äußerte sich hingegen zuversichtlich, „dass der erfahrene private Träger die Kinderbetreuung zuverlässig übernehmen wird“.

Währenddessen legten sich die Christdemokraten in Person von Max Schad noch mal mächtig ins Zeug für den Verbleib des kirchlichen Trägers. Die CDU legte einen Änderungsantrag vor, der den Gemeindevorstand aufforderte, schnellstmöglich Kontakt aufzunehmen, um den Weiterbetrieb durch den Orden, dem Haus der barmherzigen Schwestern, zu gewährleisten. Die anderen Parteien lehnten jedoch ab.

Höhe der Ersparnis unklar

Schad stellte in Frage, „ob der neue Träger den Betrieb der Kita so kurzfristig sicherstellen kann“. Seine Partei vermisse nicht nur konkrete Zahlen, „die zeigen, dass der Wechsel überhaupt zu einer Ersparnis für die Gemeinde führt“, sie lehne einen privaten Träger auch aus „gesellschaftspolitischen Gründen“ ab.

Aktuell sei nicht klar, „dass auch nur ein Euro gespart wird“, spiegelte Schad die Ratlosigkeit des Publikums wieder. „Antworten auf diese grundlegenden Fragen bleiben Sie uns bis heute Abend schuldig“, richtete er sich an die federführende Koalition aus Krotzebojer Grünen und FDP. Tatsächlich förderten weder die Redebeiträge von Bäuml noch die von Daniel Protzmann (FDP) neue Erkenntnisse diesbezüglich zutage.

Protzmann bemängelte „vor einer meiner schwersten politischen Entscheidungen, die ich treffen muss“, dass sich die Parteien „gegenseitig unter Druck setzen“. Schließlich sei der Vinzenz-Kindergarten „nur ein Teil der Entscheidung, die wir heute treffen“. Uwe Bretthauer (SPD), dessen Partei ebenfalls für den Wechsel stimmte, rekapitulierte das vergangene Jahr, „in dem mit den barmherzigen Schwestern bereits verhandelt“ worden sei. Damals habe man ein Entgegenkommen des Ordens vermisst. „Jetzt auf Start zurück zu gehen, gefährdet massiv die Kinderbetreuung in Großkrotzenburg“, so Bretthauer.

Mit seiner letzten Patrone erklärte Schad, dass er aus Fulda „schwarz auf weiß“ eine Zusage habe: „St. Vinzenz würde die Trägerschaft bei unveränderten Konditionen fortsetzen.“ Entscheide sich das Parlament dagegen, sei er sich sicher „dass die Kinderbetreuung ab dem 1. August nicht sichergestellt werden kann“. Die anderen Parteien ließen sich jedoch nicht überzeugen und setzten den Wechsel durch.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema