Seit über drei Jahren liegt der Antrag zur Ausweisung und Erschließung eines rund 3,5 Hektar großen Wohngebietes im Westen der Gemeinde auf dem Tisch. Am Freitagabend stimmte die Gemeindevertretung nun für dessen Umsetzung – gegen die weitere Zusammenarbeit mit der Bauland-Offensive des Landes.  Foto: Per Bergmann

Großkrotzenburg

Keine Gebietsentwicklung mit der Bauland-Offensive

Großkrotzenburg. Bei der Planung eines neuen Wohngebietes am westlichen Rand Großkrotzenburgs arbeitet die Gemeinde vorerst nicht mehr mit der Bauland-Offensive des Landes Hessen zusammen. Die Gemeindevertretung stimmte am Freitagabend gegen eine Verlegung und Vergrößerung der ursprünglich geplanten Fläche.

Von Per Bergmann

Die Vergrößerung des Planungsgebietes und eine Verschiebung – für eine direkte Anbindung an die Hauptstraße – hatten das Planungsbüro des Landes sowie zwei weitere, unabhängige Büros empfohlen. Einige Anwohner des angrenzenden Wohngebietes und der Bahnhofstraße äußerten am Rande der Sitzung ihr Unverständnis über die Entscheidung des Parlaments. Schweres Gerät für Erschließung und Bauphase sowie der zukünftige Anliegerverkehr soll nun an ihren Häusern vorbeirollen.

Nach der Entscheidung wird der Gemeindevorstand sein Ende September hinterlegtes Interesse zurücknehmen müssen, weiter mit der vom Land geförderten Bauland-Offensive zusammenzuarbeiten. Nach der umfangreichen Machbarkeitsstudie wird der Eintritt in Phase zwei, die Gebietsentwicklung, abgelehnt.

FDP und Krotzebojer Grüne hielten an ihrem über drei Jahre alten Antrag fest. Michael Ruf, Fraktionsvorsitzender der Grünen, befürchtet „eine Vermischung des Ursprungsantrages mit den Ergebnissen der Machbarkeitsstudie“. Diese prognostiziere einen „Bedarf von bis zu 500 Wohneinheiten bis 2030“ in Großkrotzenburg, erklärte Bürgermeister Thorsten Bauroth (parteilos).

Man müsse weiter in die Zukunft blicken

FDP-Fraktionschef Daniel Protzmann räumte den Bedarf im Raum Frankfurt insgesamt ein und auch, dass neuer Wohnraum dort mehr Sinn macht, wo Infrastruktur und Anbindung nach Frankfurt bereits vorhanden sind, also „nicht im hinteren Taunus“, sondern eher in Großkrotzenburg. Die Machbarkeitsstudie biete „langfristig sehr, sehr großes Potenzial“, zunächst gelte es aber „auch anhand des Eigenbedarfs“ zu planen, der mit der 3,5 Hektar großen Fläche bereits abgedeckt sei, so Protzmann.

Gegen den drei Jahre alten Antrag für den Verbleib im Landesprogramm stimmten lediglich die vier SPD-Vertreter. Die Sozialdemokraten wollten „den Bürgern die Möglichkeit geben, die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zu erfahren“, bevor die Zusammenarbeit mit der Bauland-Offensive beendet werde, erklärte Fraktionschef Uwe Bretthauer. Die Gemeinde müsse „weiter blicken als bis morgen“.

Einen Meinungsaustausch mit der Bevölkerung gab es bisher nicht, das Thema sei eher „im stillen Kämmerlein beraten“ worden, räumte Bretthauer ein. Sowohl der Rathauschef als auch der Vorsitzende der Gemeindevertretung Bernd Kurzschenkel (FDP) sprachen sich bereits für „eine weitere Bürgerversammlung“ aus, in der das Thema erörtert werden könnte.

Hoffnung auf eine erneute Diskussion

Dass die Studie nicht längst der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wurde, wundert Christdemokrat Max Schad. Mit Blick auf die offenen Themen im Umwelt- und Bauausschuss, gelte es nun aber Prioritäten zu setzen: Ärztezentrum, neue Kita, Oberwaldstadion sowie die Erweiterung des Gewerbegebietes haben nach Auffassung der CDU Vorrang. Gleichzeitig solle auch die Bauverwaltung nicht überstrapaziert werden, in der Fachbereichsleiter Andreas Blümm eine „One-Man-Show“ hinlegen müsse.

Die Gründung einer Gesellschaft, die Teil der finalen Phase drei der Bauland-Offensive ist, lehne die Koalition aus FDP und Grünen aus Kostengründen ab, weshalb die Gemeinde „jetzt schon aussteigen“ solle, findet Protzmann. Dieses Argument ließ Bauroth nicht stehen: Auch die Bauland-Offensive biete eine Finanzierungsmodell außerhalb des Haushaltes an.

Im kommenden Jahr stellt der Regionalverband einen neuen regionalen Flächennutzungsplan auf. Auch vor diesem Hintergrund hatte Bauroth gehofft, dass die alternativen Vorschläge nochmals diskutiert werden. Der Bürgermeister befürchtet, dass nun – bevor gar nichts passiert – auf die „schlechteste Variante“ gesetzt werde. Weder die schwierige Erschließung, noch das Thema Lärm – das beschlossene Neubaugebiet SGK 25.3 grenzt unmittelbar an die Bahnschienen an – wurden im Rahmen der Sitzung angesprochen.

Haushaltsausgleich wurde festgesetzt

Erfreuliche Nachrichten lieferte Bauroth mit seinem Haushaltsentwurf für 2020: Nachdem die Gemeinde ihre finanzielle Talsohle durchschritten habe, wolle sie die Grundsteuer B im kommenden Jahr wieder um 100 auf 690 Prozentpunkte senken. Gleichzeitig werde die zum Haushaltsausgleich ohnehin notwendige Entnahme aus der Gewinnrücklage der Gemeindewerke auf einen Betrag in Höhe von 805 855 Euro festgesetzt.

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