Wolfgang Schnabel und seine Frau Brigitta. Vor ihnen liegt ein Spleißgerät, mit dem sich die Fasern punktgenau verbinden lassen.
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Wolfgang und Brigitta Schnabel wollen für schnelles Internet in Großkrotzenburg sorgen.

Kampfansage an Glasfaser-Kooperation

Schnelles Internet für Großkrotzenburg: Lokaler Anbieter legt sich mit Großkonzern an

  • Christine Semmler
    VonChristine Semmler
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In Großkrotzenburg soll das Unternehmen Giganetz für schnelles Internet sorgen. Ein lokaler Unternehmer fühlt sich übergangen – und hat eigene Pläne.

Großkrotzenburg – Erst vor wenigen Wochen hat die Gemeinde mit dem Netzbetreiber Deutsche Giganetz GmbH einen Kooperationsvertrag besiegelt. Ziel: Der längst fällige, flächendeckende Ausbau der Gemeinde mit Glasfaser und damit eine Anbindung ans schnelle Internet für alle Bürger.

Wolfgang Schnabel, der mit seinem kleinen Hainburger Familienunternehmen seit über 30 Jahren im Ort Kabeldienstleistungen erbringt und seit 2010 auch Internet im Ort anbietet, will sich das nicht so einfach gefallen lassen. „Wir planen ebenfalls den Glasfaserausbau, in Großkrotzenburg und Hainburg“, sagt er. Genau wie die Giganetz GmbH strebt er eine Vertragsquote von 40 Prozent der Haushalte im Ort an, um starten zu können.

Wenn Schnabel sein Vorhaben tatsächlich umsetzen sollte, ist klar: Die 40 Prozent zu knacken, wird zum Kraftakt und könnte sich hinziehen. Der große Netzbetreiber aus Hamburg wird es in Großkrotzenburg nicht ganz so leicht haben, wie er und die Gemeindeverwaltung sich das vielleicht gewünscht hätten.

Glasfaseranschluss für Großkrotzenburg: Lokaler Anbieter oder Großkonzern?

Schnabel beruft sich auf einen Gestattungsvertrag mit der Gemeinde, den er 1990 abgeschlossen hat. Der erlaube ihm, ein Breitbandverkabelungsnetz im Ort aufzubauen, zu unterhalten und zu betreiben. 30.000 D-Mark hat Schnabel seinerzeit für die Erlaubnis bezahlt. Aktuell sind seine rund 1600 Kunden in Großkrotzenburg mit einem eigenen Breitbandkabelnetz ausgestattet, das Internetgeschwindigkeiten von bis zu 200 Mbit ermöglicht. Die meisten Kunden beziehen derzeit lediglich Kabelfernsehen und Telefon von Schnabel. Von der Bundesnetzagentur hat das Schnabel-Team außerdem eine Nutzungsberechtigung für öffentliche Verkehrswege. Unter der Maßgabe des freien Wettbewerbs sieht er sich berechtigt, ein eigenes, flächendeckendes Netz unter den Bürgersteigen des Ortes auszubauen.

Erfahrung hat Schnabel auch: Die Industriegebiete von Hainburg-Kleinkrotzenburg und Heusenstamm-Rembrücken hat seine Firma in den vergangenen Jahren bereits mit Glasfaser versorgt. Wenn sein Plan aufgeht, rechnet er mit Ausbaukosten von rund zwei Millionen Euro. Zehn Mitarbeiter will er neu einstellen und den Ausbau selbst in die Hand nehmen. Das wäre eine gewaltige Expansion, denn aktuell sind sie im Unternehmen zu fünft: Schnabel und seine Frau Brigitta, seine beiden Söhne Erik und Wolfgang Hendrik Schnabel sowie eine Bürokraft. Noch im Juni hatte der Seniorchef beim Bürgermeister Thorsten Bauroth angefragt, ob es ein Interesse gäbe, dass er die Gemeinde mit Glasfaser versorgt. „Herr Bauroth hat gefragt, wie viel Geld ich dafür zahlen würde. Und dann habe ich nichts mehr von ihm gehört“, sagt er. Dann habe er im HANAUER ANZEIGER gelesen, dass die Gemeinde mit der Giganetz GmbH im Geschäft sei. „Darüber waren wir sehr erstaunt“, sagt er lapidar. Seine Firma, ein über Jahrzehnte verlässlicher Partner, sei einfach übergangen worden.

Internet in Großkrotzenburg: Bürgermeister verteidigt Entscheidung

Der Bürgermeister erklärt allerdings, er verwahre sich auf das Entschiedenste gegen diese Aussage, die so klinge, als habe er die Kooperation von der Höhe einer Zahlung abhängig gemacht. „Die Entscheidung gegen Schnabel fiel im Gemeindevorstand deswegen so deutlich aus, da man als Kunde bei Vertragsabschluss mit der Firma Schnabel keine Möglichkeit hat, zu einem späteren Zeitpunkt den Anbieter zu wechseln“, erklärt Bauroth. Dass es keinen „Open Access“ gegeben habe, sei das Ausschlusskriterium für die Verwaltung gewesen.

Schnabel weiß nicht, ob er gegen das Hamburger Unternehmen ankommt. Aber er rechnet sich durchaus Chancen aus. „Wir sind ein Unternehmen vor Ort und viel flexibler“, sagt er. „Wenn jemand eine Störung meldet, sind wir in zehn Minuten drüben.“ Das gelte auch für Feiertage. Schnabel hat zudem die Preisschraube ordentlich nach unten gedreht. Mit kostenfreiem Internetanschluss für Kunden bis ins Haus liegt er mit dem großen Netzbetreiber damit schon auf Augenhöhe.

Lokaler Anbieter in Großkrotzenburg legt sich mit Internet-Großkonzern an

Werbung hat er bereits angeleiert, hat Flyer gedruckt, will Infostände aufbauen und seine Kunden im Ort anschreiben. Von Tür zu Tür gehen, wie seine Konkurrenten, will er aber nicht. „Da sind ja richtige Drückerkolonnen unterwegs“, schimpft er.

Eine Kooperation mit Giganetz käme für Schnabel nicht infrage. „Wir würden keine Serviceleistungen übernehmen“, sagt er. Auch den Kauf einer Netzlizenz kann er sich nicht vorstellen. Also will er alles auf eine Karte setzen. Und das, obwohl er und seine Frau das Rentenalter inzwischen erreicht haben. Schnabel geht es um eine Investition in die Zukunft. „Wir machen das für unsere Söhne.“ (Christine Semmler)

Auch an anderer Stelle gibt es Frust über die politischen Entscheidungen in der Stadt: Dem Bürgerhaus-Pächter in Großkrotzenburg wurde gekündigt – zur allgemeinen Überraschung.

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