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Kahl: Die Kerb scheint gerettet

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Lassen sich das Feiern nicht verbieten: Im vergangenen Jahr gingen rund 1000 Kahler auf die Straße um für den Erhalt ihrer Kerb zu demonstrieren.  Archivfoto: Björn Friedrich
Lassen sich das Feiern nicht verbieten: Im vergangenen Jahr gingen rund 1000 Kahler auf die Straße um für den Erhalt ihrer Kerb zu demonstrieren. Archivfoto: Björn Friedrich

Kahl/Großkrotzenburg. Trotz einer überraschenden Einigung im jahrelangen Streit zwischen Gemeinde, Veranstaltern und Anwohnern wird es in diesem Jahr keine offizielle Kerb in Kahl am Main geben. Doch die „Sandhasen“ lassen sich das Feiern nicht komplett verbieten: Vier Vereine haben ein fünftägiges Ersatzprogramm vom 22. bis 26. Juli auf die Beine gestellt.

Von Thorsten Becker

Nachdem in Großkrotzenburg die Kerb erfolgreich gerettet worden ist und ab 9. September über die Bühne geht, sind die Festfreunde jenseits der hessisch-bayerischen Grenze noch lange nicht so weit: Anwohner hatten dem traditionellen Fest bereits im vergangenen Jahr den Garaus gemacht, weil sie sich gegen den Lärm geklagt hatten (wir berichteten).Der kuriose Streit hatte im Freistaat für großes Aufsehen gesorgt und sogar vier Ministerien in München beschäftigt. Zudem waren im vergangenen Jahr rund 1000 Menschen auf die Straße gegangen, um für den Erhalt des Traditionsfestes zu demonstrieren (wir berichteten). Witzbolde hatten sogar das Ortsschild der unterfränkischen Gemeinde kurzfristig von „Kahl“ in „Kerblos“ umgetauft.Nach einer offiziellen Genehmigung aus dem Rathaus und der erneuten Klage der beiden Anwohner ist nun eine außergerichtlicher Vergleich erzielt worden: 2017, 2018 und 2019 darf die Kerb nochmals auf Platz vor der Festhalle gefeiert werden – dann muss endgültig ein neuer Standort gesucht werden.Darüber hatte jüngst Kahls Bürgermeister Jürgen Seitz (SPD) die Öffentlichkeit informiert. „Wir warten täglich darauf, dass die Unterschriften unter den Vergleich gesetzt werden können“, sagte Seitz dem HA.Nachdem sich das Verwaltungsgericht in Würzburg mehrfach mit der Angelegenheit beschäftigt hatte, mussten beide Parteien bis ans Verwaltungsgericht im mittelfränkischen Ansbach reisen, um den Vergleich auszuhandeln.Wegen des Verfahrens hatte die Vereinsgemeinschaft die offizielle Kerb für dieses Jahr aber bereits abgesagt. Doch die großen Ortsvereine, Viktoria, DJK, Turnverein und die Eintracht-Sänger haben an verschiedenen Orten eine Ersatz-Kerb organisiert.Am Freitag, 22. Juli beginnt die Viktoria um 18 Uhr mit dem traditionellen Kerb-Fußballturnier, an dem zwölf AH-teams teilnehmen. Aus der Küche gibt es laut Ankündigung „haaas Flaaaschworscht“ mit Kartoffelsalat, und bei der „Players Night“ spielt „Thomas aus der Pfalz“ auf.Auf dem Sportplatz der DJK Kahl am „Christnersee“ geht es am Samstag, 23. Juli, weiter. Der Bieranstich ist dort um 17 Uhr. Der Musikverein sorgt mit seiner Kapelle „Troubadix“ für Unterhaltung.Am Sonntag gibt es einen erneuten Ortswechsel. Wie es auf der Homepage des Turnvereins Kahl heißt, bieten TVK und der Gesangsverein Eintracht „heimatlosen und eventuell ziellos herumirrenden Kerbmädchen und Kerbborschen eine vorrübergehende Heimat“.Um 10.30 Uhr gibt es einen „erweiterten Frühschoppen“ im Stadion am Waldseebad. Bei Weißwürstchen, Brezeln, Bier, Limo und Wein, später dann bei Kaffee und Kuchen, soll „die Kerbtradition gewahrt und ausgiebig über die Zukunft der Kerb sowie die Entscheidungen von Justiz und Politik spekuliert“ werden.Die Viktoria Kahl hat dann das Programm am Kerbmontag übernommen. Bereits ab 10 Uhr öffnen sich die Zapfhähne. Neben dem traditionellen Kerbschmaus gibt es Kaffee und Kuchen, sowie Musik mit DJ Thomas und „Troubadix“ (ab 18.30 Uhr).Am Dienstag, 26. Juli, übernimmt dann wieder der Turnverein. „Wir können die Kerb nicht begraben, sie war ja wieder nicht da“, heißt dann das Motto. Ab 18 Uhr lädt der TVK diese Tradition auf und lädt ins Stadion ein, um „eventuell noch vorhandene Trauer aktiv, in mitfühlender Gesellschaft zu bekämpfen“.Eines scheint nun sicher: 2017 darf wieder auf dem Festhallenplatz gefeiert. Und auch bei der Ersatzkerb dürfte der Schlachtruf erschallen: „Wem is die Kerb ? … Unser!“

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