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Iris, Sarah und Selina Zeizinger engagieren sich als Lesepaten

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Mit dem Spaß am Vorlesen infizierte Iris Zeizinger (links) auch ihre Töchter Sarah (rechts) und Selina, die am Pressegespräch leider nicht teilnehmen konnte. Foto: Zeh
Mit dem Spaß am Vorlesen infizierte Iris Zeizinger (links) auch ihre Töchter Sarah (rechts) und Selina, die am Pressegespräch leider nicht teilnehmen konnte. Foto: Zeh

Großkrotzenburg. Es ist an diesem Nachmittag ein wenig dunkler als sonst in der Gemeindebibliothek. Nur das Licht des Videobeamers scheint durch den Raum. Fünf Kinder fläzen auf Hockern und lauschen geduldig. Vor ihnen sitzt ihre Lesepatin Iris Zeizinger. Seit zehn Jahren liest sie ehrenamtlich alle vier Wochen etwas vor.

Von Sebastian Zeh

„Ich bin eine absolute Leseratte“, sagt die 47-Jährige von sich selbst. Ohne Buch leben? Das geht gar nicht. Und auch das Vorlesen gehörte immer schon wie selbstverständlich zu ihrem Leben dazu. „Für meine Kinder gab es früher immer noch eine Gute-Nacht-Geschichte. Manchmal bin ich da natürlich auch mal selbst beim Lesen eingeschlafen, aber so ist das eben“, sagt sie lachend.

Es war vor etwa 13 Jahren, als sie mit ihren Töchtern Selina und Sarah in der Gemeindebücherei saß. Sie las den beiden aus einem Buch vor. „Ich wurde dann relativ schnell vom Büchereiteam angesprochen: 'Sie lesen so schön, könnten Sie sich vorstellen, auch für uns vorzulesen?' Ich musste da ehrlich gesagt nicht lange überlegen und habe zugesagt.“

Für Kinder ab drei JahrenSeitdem gehört Zeizinger neben Edda Goertz zum Team der ehrenamtlichen Lesepaten. Sie begleiten abwechselnd alle zwei Wochen die Veranstaltungsreihe „Bilderbuchkino“, die für Kinder ab drei Jahren angeboten wird. Das Büchereiteam bereitet die Stunde vor, wählt ein Thema und sucht dazu passende Geschichten aus. Die Lesepaten lesen vor, die Bilder werden auf eine Leinwand projiziert.

„Am Anfang war ich natürlich schon auch ein wenig aufgeregt. Nur weil das Vorlesen vor den eigenen Kindern klappt, heißt es ja nicht, dass das vor fremden Kindern genauso gut geht“, erinnert sich Zeizinger. Schnell stellte sich heraus: Es klappt. Und noch besser: Es macht Spaß. „Am Anfang sind die Kinder ja immer sehr schüchtern, aber das verfliegt von Woche zu Woche immer mehr. Und irgendwann lacht man zusammen, kommentiert die Bilder, spricht miteinander.“ Ohnehin mache das Gemeinsame den besonderen Reiz aus. „Es sind ja immer auch Eltern oder Großeltern dabei. Die lachen manchmal sogar mehr als die Kinder“, erzählt sie schmunzelnd.

Teilnehmerzahl schwankt starkDie Zahl der Kinder, die an den Vorlesestunden teilnehmt, schwankt zwischen drei und zwölf. „Es gibt aber auch Tage, da kommt nur ein Kind vorbei – da lesen wir natürlich trotzdem vor.“

Das Ehrenamt sei für sie erfüllend – als Belastung habe sie es noch nie empfunden. Und auch ihre Kinder hat sie mit der Faszination für das Vorlesen infiziert. „Meine Schwester und ich fanden das immer schon ganz toll und dann haben wir auch angefangen, vorzulesen“, sagt Sarah. Beide debütierten in der Grundschule als Lesepatinnen, waren also kaum älter als die Kinder, denen sie vorlasen. Und auch Freunde seien immer mal dabei gewesen, um sich die Lesestunden anzuschauen. Angst hätten Selina und Sarah dennoch nie gehabt. „Gerade Sarah ist ja sowieso eine Rampensau“, attestiert Mutter Iris.

Tochter ist noch in anderen Ehrenämtern aktivFür Sarah war das Engagement als Lesepatin in vielerlei Hinsicht richtungsweisend. „Wenn man in die strahlenden Kinderaugen schaut und sieht, wie sehr sie sich darüber freuen, dass man vorliest, dann ist das schon was Besonderes“, sagt sie. Motiviert von diesem Hochgefühl engagierte sich Sarah noch in einigen anderen Ehrenämtern – etwa als Vorleserin bei den Ferienspielen der katholischen Kirchengemeinde. Und während eines Schulpraktikums hatte sie sogar in Neuseeland die Gelegenheit, Kindern die Welt der Bücher näher zu bringen.

„Seit ich mit Kindern arbeite, war mir klar, dass ich einmal Grundschullehrerin werden will“, sagt Sarah. Die 16-Jährige hat zwar noch ein paar Schuljahre vor sich, an dem Wunsch hat sie jedoch seit der dritten Klasse festgehalten.

Selina und Sarah mussten in den letzten Jahren als Lesepaten kürzer treten. „Ich habe mittwochs häufig nachmittags Unterricht, da klappt es dann nicht, noch in die Bücherei zu gehen. Ich hoffe aber, dass ich bald wieder mitmachen kann – ich vermisse das Vorlesen total“, so Sarah.

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