Die Gemeinde wäre besser dran, wenn sie an die Stadt Hanau angebunden wäre, behauptet die "Initiativgruppe zukunftssicheres Großkrotzenburg". Fotos: Häsler/Habermann

Großkrotzenburg

Großkrotzenburger Initiativgruppe will enge Kooperation mit Hanau

Großkrotzenburg. Sie sind unzufrieden mit dem „jahrzehntelangen politischen Stillstand in der Gemeinde Großkrotzenburg“ im Allgemeinen und mit den Gemeindevertretern quer durch alle Parteien und Fraktionen im Speziellen: die Hauptinitiatoren der „Initiativgruppe zukunftssicheres Großkrotzenburg“, Aloys Lenz und Ulrich Fischer.

Von Rainer Habermann

Deshalb wollen der 75-jährige, frühere CDU-Landtagsabgeordnete und der 64-jährige, parteilose frühere Gemeindevertreter jetzt ein Bürgerbegehren anstoßen, das Zündstoff für die Kommune am Staudinger-Kraftwerk enthalten könnte. „Immer wieder hört man aus Bürgerkreisen Stimmen, die sich durchaus mit einer engeren Zusammenarbeit mit der Stadt Hanau auseinandersetzen wollen“, meint Lenz. „Doch die Leute sagen auch: 'Wir brauchen mehr Fakten, Daten und Zahlen, wie sich das darstellen könnte'“.

Großkrotzenburger zahlen mehr für Müll und Abwasser

Erste Zahlen haben die beiden Politiker bereits bei einem Pressegespräch gestern vorgelegt. Danach fielen für eine angenommene Modellfamilie jährlich etwa im Bereich Abwassergebühren in Hanau rund 282 Euro an, in Großkrotzenburg satte 557 Euro. Bei den Müllgebühren sehe das ähnlich aus. In Hanau zahle die Modellfamilie jährlich rund 214 Euro, in der Gemeinde am See 276 Euro. Bei Friedhofs- und Wassergebühren seien die Beträge relativ gleich. Bei der Grundsteuer B liegen die Hebesätze der Stadt Hanau mit 595 Punkten deutlich unter den 790 Punkten Großkrotzenburgs.

Zudem seien die Straßenanliegergebühren in der Brüder-Grimm-Stadt abgeschafft, in der Gemeinde am See gibt es sie noch. Nun hinkt dieser Vergleich natürlich, da nur im Falle einer Eingemeindung respektive Fusion mit Hanau automatisch dortige Sätze für die Großkrotzenburger gelten würden. Das ist aber noch lange nicht gefordert von Lenz und Fischer respektive der Initiativgruppe. Eine Machbarkeitsstudie, etwa nach dem Muster, wie sie in Erlensee beschlossen wurde, soll Grundlageninformationen liefern über alle möglichen Arten von interkommunaler Zusammenarbeit bis hin zu einer Fusion.

Bürgerbegehren erforderlich

Und um eine solche Studie in Auftrag zu geben, soll eben ein Bürgerbegehren dienen, für das rund 440 Unterschriften (mindestens zehn Prozent aller Wahlberechtigten) im Ort nötig wären. Um schließlich im nächsten Schritt einen Bürgerentscheid zugunsten der Machbarkeitsstudie zu erwirken, sollte das Parlament dies nicht zur eigenen Sache machen. Danach sieht es laut Fischer aber nicht aus.

Warum aber Bürgerbegehren, warum nicht einfach Abstimmung in der Gemeindevertretung? „Ein Nachdenken in der Bevölkerung über die Missstände innerhalb der Kommune ist von den Gemeindevertretern nicht erwünscht, die Gemeindevertreterversammlung hat Denkverbot erteilt“, spitzt Lenz die Kritik an der politischen Arbeit im Parlament zu. Und zudem habe die SPD dort jüngst einen Antrag eingebracht, wonach die Hessische Landesregierung aufgefordert werde, im Zusammenhang mit der Kreisfreiheit Hanaus jeden Eingemeindungsgedanken zu unterlassen. So formulierte es zumindest Lenz.

Unzufriedenheit der Bürger ist groß

„Wir haben einen jahrzehntelangen Stillstand in der Politik in Großkrotzenburg. Projekte, sei es das Stadion, seien es das Ärztezentrum oder die Neue Mitte und andere, gehen nicht voran“, erklären die Gründer der Initiativgruppe. „Daran hat auch der parteilose Bürgermeister mit der gelb-grünen Regierungsmehrheit im Parlament seit drei Jahren nichts geändert.“ Weitere Gründe für die Unzufriedenheit im Ort lägen in der Tatsache, dass „das Kraftwerk Staudinger seit zehn Jahren keine Gewerbesteuern mehr zahlt“. Und nicht zufrieden ist man auch mit den Regelungen rund um die „Perle Großkrotzenburgs, den See“ (Lenz). Dass die Kommune kein Geld mehr habe, sei nicht zwangsläufig gekommen, hört man unterschwellig heraus.

Die Initiativgruppe zukunftsfähiges Großkrotzenburg habe in den zurückliegenden Wochen Gespräche mit allen Fraktionen im Gemeindeparlament geführt, ebenso mit zwei Landtagsabgeordneten, mit Bürgermeister Thorsten Bauroth, aber auch mit Vertretern des Hanauer Stadtparlaments und mit dem Oberbürgermeister der Brüder-Grimm-Stadt, Claus Kaminsky (SPD). „Wenn Großkrotzenburg das möchte (eine Machbarkeitsstudie), stehen wir dem positiv gegenüber“, habe der OB geäußert. Das Land Hessen, darauf weisen die Initiatoren hin, finanziere eine solche Studie durch entsprechende Fachfirmen mit bis zu 50 000 Euro. Wobei eine entsprechende Expertise dann durchaus als ergebnisoffen im Hinblick auf die Art Zusammenarbeit zweier Kommunen gestaltet ist.

Flugblätter und Unterschriftenlisten

Die Initiativgruppe für ein Bürgerbegehren, die sich ausdrücklich noch nicht als eine Bürgerinitiative versteht, will in den kommenden Tagen und Wochen Flugblätter und Unterschriftenlisten verteilen, auf denen ihre Sicht der Dinge nochmals deutlich gemacht werden solle. Es habe sich keine Fraktion im Gemeindeparlament bereitgefunden, einen entsprechenden Antrag an den Gemeindevorstand zu formulieren, wonach Gespräche mit der Stadt Hanau aufgenommen und eine solche Studie festgezurrt werden sollen.

Initiativgruppe:Der Kontakt zur Initiativgruppe zukunftssicheres Großkrotzenburg kann erfolgen über Aloys Lenz, Großkrotzenburg, Telefon 0 61 86/27 27, E-Mail aloys.lenz@t-online.de.

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