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Großkrotzenburg will den S-Bahn-Anschluss

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Fährt bald auch eine S-Bahn nach Großkrotzenburg? Wenn es nach den Gemeindevertretern geht, soll das in Zukunft der Fall sein. Archivfoto: Becker
Fährt bald auch eine S-Bahn nach Großkrotzenburg? Wenn es nach den Gemeindevertretern geht, soll das in Zukunft der Fall sein. Archivfoto: Becker

Großkrotzenburg. Die Gemeinde will alle Hebel in Bewegung setzen, um an das S-Bahn-Netz angeschlossen zu werden. Das fordert die Gemeindevertretung – mit ungewöhnlicher Einmütigkeit. Sprecher aller Fraktionen gehen in der Debatte über die CDU-Initiative hart ins Gericht mit der „chaotischen Situation im Nahverkehr“.

Von Thorsten Becker „Wenn ich morgens an unserem Bahnhof stehe, dann warte ich meistens auf einen verspäteten Zug – und ich bin nicht alleine dort“, beschreibt Erich Fischer (CDU) den Ist-Zustand.

Eine Autofahrt in Richtung Mainmetropole mache aus zeitlicher wie ökologischen Sicht keinen Sinn und sei für ihn „keine Alternative“.Auf funktionierende Anbindung angewiesenAls Wohngemeinde sei Großkrotzenburg jedoch auf eine funktionierende Anbindung angewiesen, denn die Zahl der Pendler, die werktags in Richtung Hanau, Offenbach sowie Frankfurt unterwegs sind, sei enorm. „Die Straßen sind verstopft, die vorhandenen Bahngleise zu wenig“, moniert Fischer und warnt vor einem „Verkehrskollaps“, dass es sich beim Streckenabschnitt Hanau-Würzburg um eine der am höchsten befahrenen Zugstrecken Deutschlands handele.

Für die vom RMV seit kurzem angebotenen „Zehn-Minuten-Garantie“, durch die  bei Verspätungen Erstattungen für die Fahrgäste fällig werden, hat Dauerkarten-Besitzer Fischer, der selbst schon „einige Euro“ bekam, nur Spott übrig: „Wir wollen mit dem RMV kein Geld verdienen, sondern pünktlich ankommen.“„Wir müssen an einem Strang ziehen.“Auch als kleine Gemeinde dürfe Großkrotzenburg nicht passiv bleiben und müsse die Initiative ergreifen. Daher hat die CDU vorgeschlagen, mit  dem RMV und den  umliegenden Kommunen das Gespräch zu führen, um eine S-Bahn-Verbindung zwischen Hanau und Aschaffenburg realisieren zu können (wir berichteten). Fischer: „Wir müssen an einem Strang ziehen.“

Diese Forderung greift FDP-Fraktionsvorsitzender Daniel Protzmann sogleich auf und lobt die CDU-Fraktion für ihren Vorstoß: „Das ist ein guter Antrag.“ Gleichzeitig gibt er zu, dass seine Fraktion vor Jahren einen ähnlichen Antrag schon einmal abgelehnt habe wegen „wenig Aussicht auf Erfolg“.SPD-Fraktionschef beurteilt Erfolgsaussichten pessimistischerDoch jetzt müsse „weitergedacht“ werden. Man müsse alles daransetzen, gemeinsam zum Erfolg zu kommen, zumal auch der Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main entsprechende Ideen entwickele. FDP und Krotzebojer Grüne ergänzen daher den CDU-Antrag mit der Forderung, Gespräche mit allen beteiligten politischen Gremien aufzunehmen. Neben den von der CDU vorgeschlagenen unterfränkischen Nachbarkommunen Kahl, Karlstein, Kleinostheim und Aschaffenburg solle auch die Nachbarstadt Hanau ins Boot geholt werden. Protzmann: „Wir dürfen mit dieser Idee nicht an der Landesgrenze aufhören.“

Deutlich pessimistischer beurteilt SPD-Fraktionschef Uwe Bretthauer die Erfolgsaussichten. Die Bahnstrecke sei „hoffnungslos überlastet“, die „Gleiskapazitäten zu gering“. Mit Blick auf die „sehr, sehr langen“ Planungszeiten bei der Nordmainischen S-Bahn mache er sich jedoch keine Hoffnungen auf eine schnelle Realisierung.„Katastrophale Parksituation“Zugleich tritt Bretthauer auf die Euphoriebremse und verweist darauf, dass Großkrotzenburg nur eine Regionalbahn-Anbindung besitze, die bayerische Nachbarkommune Kahl jedoch an die Regionalexpressstrecke Hanau-Aschaffenburg angebunden sei. „Ich bezweifele, dass es dort ein echtes Interesse daran besteht, denn durch den Einsatz der S-Bahn würde der Regionalexpress langsamer.“

Und noch ein Defizit sieht er: „Wir haben bereits jetzt am Bahnhof eine katastrophale Parksituation. Die würde durch eine S-Bahn-Station nur noch verschärft.“ Bretthauers süffisantes Fazit: „Der Antrag bringt nix, er schadet aber auch nicht. Er hat wenig Erfolgsaussichten . . . deshalb stimmen wir zu.“Umweltpolitischer VorstoßMax Schad (CDU) will den Pessimismus von Bretthauer indes nicht teilen. „Wenn wir das heute beschließen, werden wir morgen noch keinen S-Bahn-Anschluss haben.“ Doch lohne es sich, alles zu unternehmen, um eine bessere Zugtaktung zu erreichen. „Man muss auch mal etwas Visionäres fordern“, so Schad. Am Ende herrscht Einstimmigkeit, bei drei Enthaltungen aus den Reihen der SPD.

Zu diesem verkehrspolitischen Vorstoß kommt an diesem Abend noch ein umweltpolitischer: Auf Vorschlag der CDU wird die Gemeinde künftig mehr unternehmen, um Bienen und andere nützliche Insekten zu fördern. Dazu sollen geeignete Rasenflächen durch den Einsatz von Saatgutmischungen in Blühflächen umgewandelt werden. Damit, so Schad, solle ein kleiner Beitrag gegen das Bienensterben und für mehr Biodiversität geleistet werden. „Es ist Zeit, ein Zeichen zu setzen.“ Durch weniger  Mahd gebe  es schließlich auch ein kleines Einsparpotenzial. Grüne und FDP stimmen dem zu, lehnen ein zusätzliches Saatgut-Angebot für die Bürger jedoch ab. Die SPD stimme dagegen.

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