Neubeginn mit Neubau: Im Haus Theresa waren Ende des vergangenen Jahres viele Bewohner an Corona gestorben.
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Neubeginn mit Neubau: Im Haus Theresa waren Ende des vergangenen Jahres viele Bewohner an Corona gestorben.

Seniorenheim präsentiert sich mit neuer Leitung sowie einem An- und Neubau

Neuanfang im Haus Theresa in Großkrotzenburg

  • Holger Weber-Stoppacher
    vonHolger Weber-Stoppacher
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Wer ins Seniorenheim Theresa möchte, muss zunächst ein strenges Protokoll durchlaufen. Gleich am Eingang wird beim Besucher die Temperatur gemessen. Im Anschluss folgt dann im Nebenraum ein Corona-Test. „So lange kein Ergebnis vorliegt, kommt hier niemand auch nur einen Schritt weiter“, sagt Jennifer Yeida. Sie ist seit Kurzem die neue Pflegedienstleiterin in der Großkrotzenburger Einrichtung.

Großkrotzenburg - Ausgewechselt wurde auch die Geschäftsführung des Hauses. Andreas Wicklein soll nun das angeschlagene Image des Seniorenheims wieder aufpolieren, nachdem das Haus Theresa wegen eines Corona-Ausbruchs im Dezember in die Schlagzeilen geraten war.

Das Gesundheitsamt des Main-Kinzig-Kreises hatte damals nach eigenen Angaben schwere hygienische Mängel festgestellt und in Absprache mit der Heimaufsicht vorübergehend die Leitung des Heims übernommen. Mindestens sieben Bewohner waren damals an der Infektion mit dem Virus gestorben, die genaue Zahl wisse man aber allerdings nicht. „Es war eine erhebliche Zahl“, sagt Klaus Schaf, einer der Gesellschafter des Heims. Neben der Theresa GmbH gehört auch die St. Vinzenz GmbH mit zwei festen und einer ambulanten Senioreneinrichtung in Freigericht zum Eigentum der Gesellschafterfamilie.

„Seniorenheim Theresa ist der Familie eine Herzensangelegenheit“

In Großkrotzenburg haben die Eigentümer des 1970 erbauten Hauses jetzt auch einen Anbau sowie einen Neubau in Betrieb genommen. Rund sieben Millionen Euro wurden nach Angaben von Schaf investiert. Durch die neuen Räumlichkeiten wurde die Zahl der Heimplätze von 62 auf 113 erhöht. Im Neubau wurden zwei Doppelzimmer sowie 39 Einzelzimmer geschaffen, alle mit eigenem Bad, betont Schaf. Dessen Frau Bernadette hatte das Heim zwischen 2007 und 2015 selbst als Geschäftsführerin geleitet. „Das Seniorenheim Theresa ist der Familie deshalb eine Herzensangelegenheit“, betont er. Die neuen Führungskräfte seien Personen, zu denen die Eigentümerfamilie großes Vertrauen habe und die sich bereits bewährt hätten.

Die Pflegedienstleiterin Jennifer Yeida war bereits acht Jahre in dieser Position, ehe sie im Jahr 2017 aus privaten Gründen zu einem Unternehmen an die Bergstraße gewechselt war. Der neue Geschäftsführer Andreas Wicklein ist zugleich Geschäftsführer des Hauses St. Vinzenz in Freigericht, er arbeite seit zwei Jahren für die Familie. Er soll die Heimleitung in Großkrotzenburg zunächst kommissarisch übernehmen, bis ein geeigneter Nachfolger gefunden worden sei, sagt Schaf.

Auch in Freigericht habe es im Dezember einen Ausbruch in einem Heim gegeben. Ähnlich wie in Großkrotzenburg seien dort 90 Prozent aller Heimbewohner und 80 Prozent der Belegschaft mit dem Virus infiziert gewesen. Unter anderem der Geschäftsführer selbst. Doch im St. Vinzenz verstarben nur zwei Heimbewohner, einer davon sei bereits zuvor in palliativer Behandlung gewesen, berichtet Wicklein. Man habe in Freigericht strikt einen Notfallplan befolgt. Dieser sei für den Fall, von dem jeder gehofft habe, dass er niemals eintreten werde, präventiv gemacht worden. In Freigericht habe das Krisenmanagement funktioniert, ergänzt Schaf. Man habe damals gleich den Kontakt mit dem Gesundheitsamt aufgenommen und um Hilfe gebeten.

Möchten klären, was in Großkrotzenburg schiefgelaufen ist: Andreas Wicklein (von links), Klaus Schaf und Jennifer Yeida.

Woran aber hat es in Großkrotzenburg gelegen? „Wir sind gerade dabei, diese Frage zu beantworten“, sagt Wicklein. Anhand der Protokolle von Heimaufsicht und Gesundheitsamt versuche man, das Geschehene aufzuarbeiten, so der neue Geschäftsführer. Im Haus Theresa geht es mit dem gleichen Team weiter wie vor dem Ausbruch. Alle Mitarbeiter, die sich im Dezember infiziert hatten, seien wieder wohlauf, keiner hat nach Angaben des Geschäftsführers bleibende Schäden erlitten. Wichtig sei es nun, verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen: bei den Bewohnern, deren Angehörigen und auch bei den Mitarbeitern.

Verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen

Man habe einen guten Anfang gemacht. Viele der neuen Zimmer seien bereits schon belegt worden. Nach dem Ausbruch im Dezember habe es keine neuen Corona-Fälle mehr in der Einrichtung gegeben, sagt Wicklein. Alle Heimbewohner seien geimpft, manche sogar schon zum zweiten Mal. Auch die Belegschaft hat einen Impfschutz. Getestet werden die Mitarbeiter zudem zweimal in der Woche.

Und auch die Bewohner müssen sich Tests unterziehen, wenn sie das Heim verlassen. „Wir sind ja hier kein Gefängnis“, sagt der Geschäftsführer. „Die Menschen können und sollen sich natürlich frei bewegen und besuchen an den Wochenenden auch ihre Verwandten.“ Wicklein hat den Wunsch, auch mit denjenigen in Kontakt zu treten, die ihre Angehörigen während der Pandemie im Haus Theresa verloren haben. „Wir müssen reden“, sagt er. (Von Holger Weber)

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