In dieser Asylbewerberunterkunft in Großkrotzenburg (bei Hanau) kam es am Mittwoch (13. Januar 2021) zu einem tödlichen Streit.
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In dieser Asylbewerberunterkunft in Großkrotzenburg (bei Hanau) kam es am Mittwoch (13. Januar 2021) zu einem tödlichen Streit.

Tödlicher Streit

Streit in Asylbewerberunterkunft endet tödlich: Flüchtlingshelfer äußern sich

  • Jan-Otto Weber
    vonJan-Otto Weber
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  • Thorsten Becker
    Thorsten Becker
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Bei einem Streit in einer Asylbewerberunterkunft in Großkrotzenburg bei Hanau ist am Mittwochabend ein Mensch ums Leben gekommen. Die Polizei ermittelt.

  • Am Mittwochabend kam es in Großkrotzenburg (bei Hanau) zu einer Auseinandersetzung
  • Ein Mensch kam in einer Asylbewerberunterkunft ums Leben
  • Die Polizei ermittelt und die Staatsanwaltschaft hat sich zum Tötungsdelikt geäußert

Update vom Dienstag 19. 01.2021, 14.13 Uhr: Die Mitglieder der Ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe Großkrotzenburg drücken in einer Mitteilung ihre Trauer und ihr Entsetzen über die tödliche Messerattacke in der örtlichen Asylbewerberunterkunft aus. „Am 13. Januar ereignete sich am Abend ein fürchterliches Verbrechen in der Gemeinschaftsunterkunft in der Schulstraße, bei dem ein Geflüchteter afghanischer Herkunft den Tod fand. Er wurde von einem Mitbewohner derart mit einem Messer verletzt, dass er noch vor Ort starb“, so die Mitteilung.

„Diese Nachricht erschüttert alle – besonders die Menschen, die in der Unterkunft zusammenleben und womöglich sogar Zeugen der Auseinandersetzung waren, sind traumatisiert und verunsichert.“

Mit einer derartigen Aggression habe niemand gerechnet, erklären die ehrenamtlichen Helfer. „Klar, wenn junge Männer so unterschiedlicher kultureller Herkunft mit unsicherer Perspektive auf engem Raum zusammenleben, kommt es hier und da zu Reibereien. Mag sein, dass die Öffentlichkeit gelegentliche Einsätze der Sicherheitsbehörden wahrnimmt; das Gros der Bewohner sind ganz normale junge Männer mit dem Ziel, in Frieden zu leben, in Arbeit zu kommen und langfristig bei uns ihre Heimat zu finden. Ein Ereignis von einer Wucht wie das gestrige war zu keiner Zeit vorauszusehen.“

Flüchtlingshelfer wollen ein friedliches Miteinander

Von Beginn an habe die weitsichtige Flüchtlingspolitik der Gemeinde Großkrotzenburg in enger und unermüdlicher Zusammenarbeit mit der Ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe eine sehr individuelle Betreuung der Einzelnen und eine auf deren Bedürfnisse ausgerichtete Verwaltung der Unterkunft möglich gemacht; immer im Sinne einer reibungslosen Integration. „Und nichts wird uns davon abbringen, dies mit allem Engagement weiter zu verfolgen.“

Die Akteure der Ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe werden das Möglichste tun für ein friedliches Miteinander der Bürger von Großkrotzenburg – „egal, ob ‘eingeboren’ oder zugereist“, versprechen die Helfer. „Unser tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen und den Freunden des Verstorbenen. Möge dieses schreckliche Verbrechen dazu dienen, zu vereinen und keine Gräben aufzureißen.“

Mutmaßlicher Täter hätte abgeschoben werden sollen

Update vom Samstag, 16.01.2021, 11.56 Uhr: Ein 25-jähriger Mann ist am Mittwochabend in der Asylbewerberunterkunft an den Folgen schwerer Stichverletzungen gestorben. Der mutmaßliche Messerstecher, der 33-jährige Abdiqadir M., sitzt wegen des dringenden Verdachts des Totschlags in Untersuchungshaft. M. hätte eigentlich bereits im Oktober 2016 in sein Heimatland Somalia abgeschoben werden sollen*, wie Recherchen des Hanauer Anzeiger ergeben haben.

Update vom Donnerstag, 14.01.2021, 10.56 Uhr: Im Zusammenhang mit dem Kapitalverbrechen in Großkrotzenburg ist soeben bekannt geworden, dass der mutmaßliche Messerstecher, der am Mittwochabend einen 25-jährigen Afghanen getötet haben soll, bereits einschlägig vorbestraft* ist.

Der aus Somalia stammende Abdiqadir M. wurde im Juni 2014 von der 1. Schwurgerichtskammer am Hanauer Landgericht zu einer Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren verurteilt. Das Verbrechen, für das er rechtskräftig verurteilt worden ist, ähnelt dem blutigen Geschehen in Großkrotzenburg. Nach Feststellung des Gerichts hatte M. 2013 in der Asylbewerberunterkunft an der Neckarstraße in Maintal (bei Hanau) einen damals 19-jährigen Landmann während eines Streits mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt. M. war daher wegen versuchte Totschlags sowie gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden.

Mutmaßlicher Täter ist vorbestraft

Nach Informationen des Hanauer Anzeiger hat M. seine Freiheitstrafe bis zum letzten Tag verbüßt und ist demnach 2019 aus dem Gefängnis entlassen worden. Hintergründe, weshalb der Mann von den zuständigen Behörden des Main-Kinzig-Kreises nicht abgeschoben wurde und sich nun in der Asylbewerberunterkunft in Großkrotzenburg aufhielt, sind bislang nicht bekannt.

Update vom Donnerstag, 14.01.2021, 9.08 Uhr: Wie die Staatsanwaltschaft Hanau mitteilte, handelt es sich bei den beiden Streitenden um einen 33-jährigen Somalier sowie einen 25 Jahre alten Mann aus Afghanistan. Der 25-jährige Afghane kam bei dem Streit ums Leben. Die Polizei nahm den 33 Jahre alten Somalier unter dringendem Tatverdacht fest. Die Staatsanwaltschaft und die Kripo Hanau ermitteln wegen eines Tötungsdelikts.

Mitarbeiter der Gemeinde Großkrotzenburg (bei Hanau) hielten den mutmaßlichen Täter fest

Warum es gegen 18 Uhr zu dem Streit in der Unterkunft in der Schulstraße kam, ist derzeit noch unklar. „Nach bisherigen Erkenntnissen erlitt der 25-Jährige wohl mehrere Stichverletzungen. Trotz sofortiger Reanimation konnte ein Notarzt nur noch den Tod des Schwerverletzten feststellen. Eine Obduktion, die für Donnerstagvormittag geplant ist, soll nun weiteren Aufschluss darüber geben, woran der Mann gestorben ist“, berichtete Oberstaatsanwalt Dominik Mies am Donnerstagmorgen dem Hanauer Anzeiger.

Mitarbeiter der Gemeinde Großkrotzenburg, die für die Betreuung der Bewohner zuständig sind, hatten den 33-Jährigen nach der Tat überwältigt und ihn bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten.

Es ist davon auszugehen, dass der mutmaßliche Täter noch am Donnerstag (14.01.21) dem Haftrichter vorgeführt wird.

Streit in Großkrotzenburg bei Hanau eskaliert: Mann zieht Messer

Erstmeldung vom Mittwoch, 13.01.2021, 22.33 Uhr: Großkrotzenburg – Das Verbrechen hat sich gegen 18 Uhr ereignet. Wie der Hanauer Anzeiger* aus zuverlässiger Quelle erfuhr, sei aus bislang ungeklärter Ursache ein Streit zwischen zwei Männern eskaliert, die aus Somalia sowie aus Afghanistan stammen. Dabei soll der Afghane erstochen worden sein.

Der mutmaßliche Täter sei kurze Zeit später festgenommen worden. Hintergründe zu dem Geschehen stehen nicht fest. Die Kriminalpolizei hat umfangreiche Ermittlungen eingeleitet, die am Abend andauerten. Die Sammelunterkunft besteht aus zweigeschossigen Modulbauten.   

*Der Hanauer Anzeiger ist Mitglied des deutschlandweiten Redaktionsnetzwers von Ippen-Digital.

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