Großkrotzenburger mit fränkischen „Bier-Wurzeln“: Michael Thieroff hat in der Gemeinde seine eigene kleine Brauerei aufgemacht. Foto: Per Bergmann

Großkrotzenburg

"G-Town Beer-Project": Großkrotzenburger braut eigenes Bier

Großkrotzenburg. Jahr für Jahr keltern unzählige Menschen in der Gemeinde ihren eigenen Apfelwein. Selbst gebrautes Bier ist hingegen selten. Es musste erst ein Franke kommen und zeigen, wie's gemacht wird: Michael Thieroff taufte seine kleine Brauerei "G-Town Beer-Project".

Von Per Bergmann

Seit dem Adventsmarkt im vergangenen Jahr dürfte Thieroffs Kreation vielen Bierliebhabern bekannt sein. Im alten Ortskern hatte er sein Zelt aufgebaut und verkaufte verschiedene Sorten seines Selbstgebrauten, das Namen wie „Gipfelstürmer“ und „Don‘t argue with idiots“ trägt.

Geschmack und Aufmachung überzeugt

Nicht nur die Aufmachung überzeugte – es schmeckte auch. „Ich war froh, dass noch ein paar Flaschen für Weihnachten übrig waren.“ Der Projektmanager im Bereich Kommunikation „war überwältigt vom ersten Feedback“.

Das Faible für Bier bekam er sozusagen in die Wiege gelegt. Im „Bierland Franken“ bekomme man zwangsläufig die eine oder andere Brauerei zu sehen. Mittlerweile lebt er seit 14 Jahren in Großkrotzenburg.Thieroff ist schon lange ein leidenschaftlicher Koch, „der gerne mit Bio-Nahrungsgrundstoffen arbeitet“. Mit dem Bierbrauen hat er erst in Hessen begonnen. Den Anstoß gab letztendlich das Selbstgebraute seines Schwagers.

„Es ist faszinierend, dass man mit Hopfen, Malz, Hefe und Wasser so viel machen kann, alleine durch die unterschiedliche Behandlung und Verbindung der Stoffe.“ Mit Gersten-, Weizen- oder auch Röstmalzen „lassen sich die unterschiedlichsten Geschmacksnoten erzeugen, bis hin zu Kakao oder Kaffee“, erklärt der Hobbybrauer, der im vergangenen Jahr ein Gewerbe angemeldet hat. Für spontane, private Experimente steht der Braukessel stets in der Küche parat.

"Ich brau, was mir gefällt"

„Prinzipiell braue ich das, was mir gefällt. Ich mag India Pale Ale.“ Das obergärige Bier brauche während der Gärung keine Kühlung. Der Hopfen stehe hier im Vordergrund, „und dennoch ist es vielfältig im Geschmack“.Thieroff schätzt den bitteren Charakter des „India Pale“, der sich „durch eine hohe Hopfengabe“ drosseln ließe, plaudert er aus dem Nähkästchen.

Seine Leidenschaft brachte nun das „G-Town Beer-Project“ hervor, von dem es mittlerweile sieben Sorten gibt; Die „Jungle Jam“, das in Richtung Limette und Kokos geht und „Carpe Noctem“, das ein wenig nach Zitrus- und Tropenfrüchten schmeckt. Bei der Entwicklung seiner Craft-Biere schmeiße er keineswegs „wahllos Zutaten in den Kessel. Ich braue das Bier zuerst im Kopf.“

Aktuell arbeitet er an einem Festbier. Einem Märzen, also einem etwas stärkeren Bier. Sein allererstes Rezept steht unter dem Namen „No. 1“ zum Verkauf. „Es hat sofort geklappt“, damals noch mit einem geliehenen Braukessel. „Ich habe es seitdem nie verändert.“

Nachhaltige Produktion

Seine kleine Produktion sei nebenbei „total nachhaltig“. Für seine ersten „Eightpacks“, acht Mehrwegflaschen des G-Town Beer, hatte er Jutetaschen besorgt. Neben den 0,3-Liter-Flaschen bietet er sein Craft-Bier in Zehn- und 30-Liter-Fässern an. Für größere Bestellungen benötigt er aber „sechs Wochen Vorlaufzeit“.

Für den nächsten Event ist der Großkrotzenburger bereits bestens gerüstet. Beim Europafest am Sonntag, 12. Mai, wird er wieder seinen Stand aufbauen. Im Gepäck hat er seine neuste Kreation „Summertime Madness“, mit etwas weniger Umdrehungen, „ideal für heiße Sommertage“. Wenn das Wetter mitspielt, dürfte die Nachfrage am Römerkastell, wo das Bier schon beim Adventsmarkt zu überzeugen wusste, noch etwas größer sein.

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