Die Open-Air-Veranstaltungen des Förderkreises im Römerkastell haben inzwischen Tradition. Auch in diesem Sommer soll es wieder ein Freiluft-Konzert geben.
+
Die Open-Air-Veranstaltungen des Förderkreises im Römerkastell haben inzwischen Tradition. Auch in diesem Sommer soll es wieder ein Freiluft-Konzert geben.

Förderkreis Kultur will wieder Akzente setzen

Corona stellt den Verein vor Herausforderungen / Mindestens drei Veranstaltungen für dieses Jahr geplant

  • Christine Semmler
    VonChristine Semmler
    schließen

Im ersten Halbjahr lag das kulturelle Leben fast komplett brach. In der Zeit sommerlicher Entspannung möchte der Förderkreis Kultur endlich wieder seinen Teil zur gepflegten Unterhaltung der Großkrotzenburger beitragen.

Großkrotzenburg - „Wir wollen mindestens drei Veranstaltungen umsetzen“, erzählt der Vereinsvorsitzende Karl Pitterling. Zwischen Mitte August und Mitte September soll die beliebte Tradition des Open-Air-Konzerts im Römerkastell fortgeführt werden. Datum und Bühnenprogramm stehen aber noch nicht fest. „Wir haben eine neue Gruppe aus der Frankfurter Umgebung angefragt“, verrät Pitterling.

Im Herbst soll es nach Wünschen des Vereins ein Konzert mit dem Duo 25Blue in der Ehemaligen Synagoge geben. Rund 100 Menschen könnten bei guten Bedingungen zuschauen und den Klängen von Bettina Blöchers Stimme und dem Piano lauschen. Die Sängerin und Pianistin, die vom Großkrotzenburger Gitarristen Volker Butte begleitet wird, ist die Tochter von Harald Blöcher, Mitbegründer der Barrelhouse Jazzband. Für das Wochenende des ersten Advents ist die Gemeinschaftsausstellung „Spektrum Kunst“ geplant, bei der Großkrotzenburger Künstler ihre Arbeiten zeigen. Auch eine Lesung wäre denkbar.

Die Planungen sind wegen Corona nach wie vor unsicher: Keiner weiß, wie die Infektionszahlen sich in Lauf des Jahres entwickeln. „Wir sind aber zuversichtlich, dass wir das hinbekommen“, erklärt der Vorsitzende. Karten soll es wie immer in der örtlichen Buchhandlung Lesebär geben.

Dem rund 50 Mitglieder fassenden Verein stehen im Jahr rund 1500 Euro zur Verfügung: Die eine Hälfte speist sich aus Mitgliedsbeiträgen, die andere Hälfte kommt von der Gemeinde.

In der ehemaligen Synagoge werden leisere Töne angestimmt, wie hier bei einem Bossa Nova-Konzert.

Trotz der bescheidenen Mittel hat der Verein zeit seines Bestehens echte Straßenfeger nach Großkrotzenburg geholt, darunter das Aschaffenburger Frauenkabarett, die 6-Zylinder oder die Barrelhouse Jazzband. Pitterling erinnert sich besonders gerne an den Auftritt des Kabarettisten Urban Priol im Bürgerhaus, der 600 Gäste aus der ganzen Region angelockt hatte. Auch die Lesung von Schauspieler Ulrich Tukur, der als Jugendlicher in Großkrotzenburg lebte, schlug beim Publikum ein. Tukur war zu Freundschaftskonditionen aufgetreten. „Von dieser Veranstaltung, die jetzt sieben Jahre her ist, haben wir heute noch 1000 Euro in der Kasse.“

In Corona-Zeiten gilt es nun, umso besser zu haushalten. Denn es kann sein, dass Ausfallhonorare für die gebuchten Künstler gezahlt werden müssen, wenn die Veranstaltung abgesagt wird. Auch die Eintrittsgelder fließen nicht gerade üppig, wenn die Bestuhlung wegen Abstand halbiert werden muss. Der Verein profitiert davon, dass er sich in den fast 25 Jahren seines Bestehens ein solides Netzwerk geschaffen hat. Dazu gehören feste Vorverkaufspartner, natürlich die Gemeinde und ein entgegenkommender Pächter des Bürgerhauses.

„Bugwelle von nachgefragten Künstlern“

Es ist im Moment nicht einfach, gute Künstler zu verpflichten. „Viele sagen uns, dass sie lange nicht proben konnten“, erzählt Pitterling. Begehrtere Bühnenacts sind so gut wie gar nicht zu bekommen: „Weil es keine Auftritte gab, hat sich eine Bugwelle von nachgefragten Künstlern gebildet.“

Im Krisenjahr 2020 hatte der Verein Glück: er konnte sein geplantes Programm fast komplett durchführen. Ein Konzert im März, „kurz vor dem Shutdown“, wurde noch umgesetzt, das Open-Air-Konzert im Sommer fand auch statt: 80 Zuschauer waren erlaubt. „Der Eintritt war frei und Essen durften wir auch keins anbieten. Also haben wir ein paar Euro drauf gelegt“, sagt Pitterling und schmunzelt: „Man muss ja im Geschäft bleiben.“

Karl Pitterling

Selbst das Theaterstück im November und ein Kinoabend konnten im Bürgerhaus unter abgespeckten Bedingungen stattfinden. Nur Anna Offens Konzert im Oktober musste abgesagt werden: Es hätte sich wegen der Zuschauerbeschränkung einfach nicht mehr gelohnt.

Aber nun gilt es, den Blick nach vorne zu richten. Ein ganz großer Traum der Kulturkreis-Aktiven ist es, das Kikeriki-Theater aus Darmstadt für einen Auftritt in Großkrotzenburg zu verpflichten.

Auch ein bisschen frischer Wind soll her, schließlich sind die meisten Förderkreismitglieder schon Jahrzehnte dabei, auch das Publikum ist eher mittleren bis höheren Alters. Der Kulturkreis hofft deshalb, mit der Bürgerinitiative „Quo Vadis“ ins Gespräch zu kommen, die sich für die Belebung der Innenstadt einsetzt. Pitterling: „Da kommt man eigentlich an der Kultur nicht vorbei.“ (Von Christine Semmler)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema