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Förderkreis Kultur Großkrotzenburg feiert 20-Jähriges Bestehen

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Engagiert sich seit 20 Jahren für die Kultur in der Gemeinde: Karl Pitterling (links), der Vorsitzende des Förderkreises, organisiert Konzerte oder Ausstellungen, wie jüngst die Kunstpräsentation „Spektrum VII“. Foto: Bergmann
Engagiert sich seit 20 Jahren für die Kultur in der Gemeinde: Karl Pitterling (links), der Vorsitzende des Förderkreises, organisiert Konzerte oder Ausstellungen, wie jüngst die Kunstpräsentation „Spektrum VII“. Foto: Bergmann

Großkrotzenburg. Seit zwei Jahrzehnten liegt die Kulturarbeit in der Gemeinde quasi in privater Hand. Ein gemeinnütziger Verein sorgt dafür, dass der Slogan „Nix los in Großkrotzenburg“ erst gar nicht aufkommt. Karl Pitterling, der Vorsitzende des Förderkreises Kultur Großkrotzenburg, blickt zurück und wagt einen Ausblick.

Von Thorsten BeckerDer runde Geburtstag wird für alle Jazzfans aus nah und fern ein Ohrenschmaus.

„Ab und zu trauen wir uns was“, sagt Pitterling, der zu den Gründungsmitgliedern des Förderkreises gehört. Die Vereinskasse sei „im Plus“, daher sei entschieden worden: „Anstatt einer Feier laden wir eine gute Gruppe ein.“Ausschließlich ehrenamtlich aktivDamit untertreibt Pitterling maßlos, denn die Barrelhouse Jazzband (Sonntag, 10. Dezember) ist die wohl berühmteste ihrer Art in Deutschland. „Wir dachten, dass es in der Region genügend Fans gibt . . . die spielen an diesem Tag garantiert keine Weihnachtslieder.“

Die „Kulturmacher“ sind ausschließlich ehrenamtlich aktiv, doch haben sie es in den vergangenen Jahren immer wieder geschafft, große Namen an den Main zu holen: Ulrich Tukur, Mario Barth, Urban Priol oder die Magdeburger Zwickmühle gehörten dazu. Für Großkrotzenburg ein kulturelles Programm auf die Beine zu stellen, ist kein leichtes Unterfangen, denn die Kommune liegt zwischen deutlich größeren Städten, die über hauptamtliche Strukturen verfügen. „Wir merken das schon. Seitdem Hanau sich kulturell mehr profiliert und Geld reinsteckt – Alzenau ebenso –, bleibt für uns nicht viel übrig.“Jeder Euro wird zweimal umgedrehtBeim Blick auf die Finanzen muss Pitterling jedoch schmunzeln. Sein Verein bekommt pro Veranstaltung einen Zuschuss von 250 Euro aus dem Rathaus, maximal aber nur 1000 Euro im Jahr. „Wenn ich dann lese, dass die Brüder-Grimm-Festspiele in Hanau im Jahr rund 80 000 Besucher anlocken und die Stadt dann trotzdem noch 100 000 Euro an Zuschüssen zahlt, dann läuft da irgendwas verkehrt.“

Im Geld schwimmen Pitterling und sein Vorstandskollege Dr. Klaus Brünnler daher keineswegs. Sie müssen jeden Euro zweimal umdrehen. Dafür packen sie selbst mit an und sind erfinderisch. Beispiel: Die Eintrittskarten für das Jazzkonzert sind Fotoabzüge. „So sieben Cent pro Stück, auch noch auf Hochglanzpapier – das sieht gut aus und ist weitaus günstiger, als Eintrittskarten drucken zu lassen.“ Eine pfiffige Idee.Breite Palette an kulturellen Veranstaltungen bietenDahinter steckt auch der Anspruch, eine breite Palette kultureller Veranstaltungen zu bieten, die für das Publikum erschwinglich ist. „Wir können keine astronomischen Eintrittspreise nehmen, denn sonst kommt keiner.“

Fünf Veranstaltungen sind es pro Jahr, die der 40 Mitglieder zählende Verein auf die Beine stellt, Agenturkontakte, Verträge, Werbung, Veranstaltungsmanagement und manchmal auch das Catering inklusive.Von Harfenklängen bis zur Reaggaemusik Ob Reggaemusik, ein Querflöten-Ensemble, Harfenklänge oder wie jüngst das „Spektrum Kunst VII“, eine Gemeinschaftsausstellung aller Kunstschaffenden des Ortes – die Bandbreite der Angebote soll für jeden Geschmack etwas bieten.

Die Wahl der Veranstaltungsorte ist ebenso groß, denn neben Bürgerhaus und der Freilichtbühne am Römerkastell stehen auch das Rathaus sowie die Ehemalige Synagoge zur Verfügung.„Wir sind eine parteiübergreifende Allianz“Doch nicht jeder Ort habe sich anfangs als Bühne geeignet. In der kleinen „Arena“ habe der Förderkreis lange und beharrlich dafür kämpfen müssen, dass die geeigneten Stromanschlüsse zur Verfügung stehen. Doch gerade eine Open-Air-Veranstaltung birgt auch das Risiko. „Wenn das Wetter nicht passt, dann können wir auch baden gehen“, gibt Pitterling zu bedenken.

Vor mehr als 20 Jahren sah das noch ganz anders aus. Damals verfügte die Gemeinde sogar über eine halbe hauptamtliche Stelle für die Kulturarbeit. „Der Etat lag damals – ohne die Personalkosten – bei 25 000 D-Mark“, erinnert sich der langjährige Kommunalpolitiker. „Beim ersten großen Einbruch der Finanzen war dann Schluss“, sagt er. So war 1997 die „Geburtsstunde“ des Förderkreises. „Wir sind eine parteiübergreifende Allianz“, betont Pitterling, der zusammen mit Franz Plettner und Bernhard Walter die ersten Schritte unternahm. „Uns liegt die Kultur am Herzen“, nennt er die Motivation und hofft, dass er bald noch weitere aktive Mitstreiter findet.

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