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Flüchtlinge verarbeiten Traumata beim Malen

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Seelenbilder: Arash Bozorgmehr freut sich über das kreative Angebot, das ihm Monika Schaack (links) und Jutta Bergmann anbieten. Foto: Bergmann
Seelenbilder: Arash Bozorgmehr freut sich über das kreative Angebot, das ihm Monika Schaack (links) und Jutta Bergmann anbieten. Foto: Bergmann

Großkrotzenburg. Ein Malkurs soll Flüchtlinge in der Pfarrei Sankt Laurentius die Möglichkeit geben, kreativ zu sein, zu kommunizieren – und ihre Traumata zu verarbeiten. Dabei kommen erstaunliche Werke heraus, die bereits in mehreren Ausstellungen zu sehen waren.

Von Per Bergmann

Ein Malkurs soll Flüchtlinge in der Pfarrei Sankt Laurentius die Möglichkeit geben, kreativ zu sein, zu kommunizieren – und ihre Traumata zu verarbeiten. Unter dem Titel „Bunt statt grau“ leistet das Projekt der Künstlerin Monika Schaack damit einen wichtigen Beitrag zur Integration.

Die Idee, für Flüchtlinge einen Malkurs anzubieten, hatte Schaack bereits im Sommer 2014. Nachdem die Zahl der Asylbewerber im vergangenen Jahr anstieg, setzte die Kreativ-Therapeutin dieses Vorhaben in die Tat um. Bei der Suche nach einem Raum, der als Atelier genutzt werden kann, wurde sie schnell fündig: Petra Diet‧rich, Assistentin des katholischen Pfarrers Christian Sack, unterstützte die neuen Freunde in Großkrotzenburg von Beginn an.Deutschkurse zeigen WirkungSie stellte den Kontakt zu den Flüchtlingen aus Afghanistan, Syrien, dem Iran und Pakistan her und öffnete die Tore des Pfarrhauses für das kreative Angebot.Mit viel Engagement bereiteten die beiden Frauen den ersten Malkurs für Flüchtlinge vor. Da diese noch wenig Deutsch- und kaum Englischkenntnisse hatten, fiel die Kommunikation am Anfang schwer. „Mittlerweile funktioniert das auch besser“, freut sich Schaack. „Die Deutschkurse zeigen ihre Wirkung.“ YouTube-Videos helfen beim ErklärenAnderseits sei das künstlerische Angebot auch dazu da, nonverbal zu kommunizieren – mit der Hilfe von Bildern. Und wenn es doch einmal Verständigungsprobleme gibt, hilft das Internet: Anhand von YouTube-Videos beispielsweise lasse sich gut erklären, was gemeint ist.Mit ihrem Angebot leistet die Großkrotzenburgerin einen wichtigen Beitrag zur Integration. Vereinzelt nutzen auch Ortsbürger die Möglichkeit, im Rahmen des Malkurses, der jeden zweiten Samstag im Monat stattfindet, mit den Flüchtlingen in Kontakt zu kommen.Vier bis zehn Asylbewerber nehmen regelmäßig teilJutta Bergmann, die sich vorwiegend in Karlstein-Dettingen für Flüchtlinge engagiert, ist „von Anfang an dabei“ und zählt zu den regelmäßigen Teilnehmern. „Ich bin sehr dankbar für die Unterstützung von Jutta und der Pfarrgemeinde. Ohne ihre Hilfe wäre das Angebot nicht möglich“, stellt Schaack klar.Vier bis zehn Asylbewerber nehmen regelmäßig an den Kursen teil. Es handelt sich nicht nur um neue Freunde aus Großkrotzenburg: „Wir hatten auch schon Gäste von außerhalb, beispielsweise aus Berlin und Leipzig, die hier gerade Freunde besucht haben“, berichtet Schaack.Bilder werden in Ausstellungen gezeigtDie Ergebnisse der Kurse wurden bereits zweimal präsentiert: zunächst bei einer Ausstellung in der ehemaligen Synagoge sowie im Rahmen eines Themengottesdienstes. Die Flüchtlinge beteiligten sich, indem sie Essen für das Büfett zubereiteten.Beim jüngsten Malkurs gab es wieder zwei Neueinsteiger: Einer von ihnen ist der Iraner Arash Bozorgmehr, der erst vor zehn Tagen mit einer Gruppe von 20 Flüchtlingen nach Großkrotzenburg kam. Er mag es, „zu zeichnen und vor allem zu schreiben“. Trotz einiger Verständigungsprobleme machte sich der 32-Jährige sofort an die Arbeit."Mir geht es um das Seelenmalen“„Viele legen direkt los und toben sich kreativ aus“, so Schaack. „Ich möchte ihnen nichts beibringen. Mir geht es um das Seelenmalen“, beschreibt sie die Intention ihres Projekts. Den Flüchtlingen stehen dafür Kreide, Blei- und Buntstifte, Kohle sowie Acryl- und Aquarellfarben zur Verfügung – alles aus Spenden finanziert.Ideen für die Zukunft hat Schaack ebenfalls: „Es wäre schön, eine Ausstellung im Rathaus auf die Beine zu stellen.“ Die ersten Gespräche habe es bereits gegeben.

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