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Diskussion über Großkrotzenburger Strandbadgelände

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Visionen für die Zukunft sind gefragt. Vertreter der Bürgerinitiative und Bürgermeister Bauroth bei der Veranstaltung zum Strandbad.  Foto: Bergmann
Visionen für die Zukunft sind gefragt. Vertreter der Bürgerinitiative und Bürgermeister Bauroth bei der Veranstaltung zum Strandbad. Foto: Bergmann

Grosskrotzenburg. Die Bürgerinitiative „Strandbad Spessartblick“ (BI) hat am Mittwochabend im Rathaus die bisher eingegangenen Vorschläge des Ideenwettbewerbs zur Neugestaltung des Strandbadgeländes präsentiert und diskutiert.

Von Per Bergmann

Insgesamt standen neun eingereichte Ideen zur Diskussion. Sie alle fußten auf dem „obersten Ziel“, dem „Erhalt des öffentlichen Bades“, stellte Bürgermeister Thorsten Bauroth klar. Darüber hinaus gab es viele weitere inhaltliche Überschneidungen. Manche Vorschläge, wie die „Ergänzung des Geländes durch eine Saunalandschaft“ nach dem Vorbild des Mainparksees in Main‧aschaff, wurden lediglich am Rande erwähnt.Klar sei, dass der reine Badebetrieb „gut vier bis fünf Monate im Jahr Einnahmen generiert, aber auch den Rest des Jahres Kosten verursacht“, für die Pflege des Geländes, so Bauroth. An den konstant roten Zahlen von „rund 100 000 Euro jährlich“ werde sich auf dem aktuellen Weg nichts ändern. Das Bad an sich „bleibt ein Kostenfaktor, das ist klar“, so der Rathauschef.Der Einwand eines Bürgers, dass die Gemeinde mit dem Zuschussbetrieb leben müsse, erntete viel Applaus. Zudem zeigten einige Gäste ihre Bereitschaft, „noch etwas mehr Eintritt zu bezahlen“, um ihr geliebtes Strandbad zu erhalten.

Privatisierung kritisch gesehenRund 90 interessierte Bürger, darunter viele Unterstützer der Bürgerinitiative, hatten sich im großen Saal versammelt.Von Seiten möglicher Investoren stellten sich Dirk Ritter von Mobilheime-Kahl und ein Vertreter der Firma Cube Culture Beats und Events den Fragen der Bürger. Diese machten früh deutlich, dass sie einer Privatisierung des Geländes grundsätzlich kritisch gegenüber stehen.Ritter möchte Mobilheime, ähnlich wie am nahegelegenen Campingplatz in Kahl, am Strandbad errichten. Für seine „Investition von rund zwei Millionen Euro“ bietet er der Gemeinde „jährlich 40 000 Euro“ an. Seine „zirka 40 Häuser“ würden lediglich „zehn bis 15 Prozent“ der 40 000 Quadratmeter großen Liegewiese beanspruchen.Die angebotene Zahlung sei „viel zu gering“, waren sich viele Anwesende einig. Sie wären am liebsten direkt mit Ritter in die Verhandlungen eingestiegen. Dass dies der falsche Rahmen und Zeitpunkt dafür war, sprach sich aber schnell herum.Die Firma Cube Culture Beats und Events möchte hingegen „das gesamte Gelände entwickeln“, wie ihr Vertreter erklärte. Das „Komplettpaket„ beinhalte Familien- und Sportangebote, Ferienhäuser und vor allem Events „bis hin zu Theatervorstellungen“. Obwohl versichert wurde: „Uns ist daran gelegen, auch die örtlichen Vereine in das Projekt zu integrieren“, bekam auch der zweite Investor die volle Breitseite von denen ab, die möglichst wenig am Strandbad verändern wollen.Sie befürchten zum Beispiel eine „konstante Lärmbelästigung“, die Einschränkung des Badebetriebes und eine Verschmutzung des Geländes. Als Ableger der Gemeinde hatten auch die Gemeindewerke einen Vorschlag eingereicht. Dieser greift die Idee von Ritters Mobilheim-Firma auf.Durch die Gründung einer weiteren Gesellschaft soll die Gemeinde nach der Errichtung von Ferienhäusern und Wohnmobilstellplätzen indirekt als Betreiber fungieren. Ein ambitioniertes Projekt, das mit sehr viel Arbeit verbunden wäre. Auf die in den letzten Jahren angeschobenen Sparmaßnahmen müsste eine Aufstockung des Personals folgen.

Schwimmen ohne Badeaufsicht?Der Vorteil: Die Gemeinde behält bei der Umsetzung den Hut auf, sie bleibt unabhängig, Gewinne kommen ihr direkt zugute. Das Risiko: Bisher fehlt jegliche Erfahrung und Expertise auf diesem Gebiet. Etwaige Verluste fließen ebenfalls in den Gemeindehaushalt ein. Die BI präferiert die Umwandlung des Strandbades in ein Naherholungsgebiet – und ddies ohne Badeaufsicht, „ähnlich wie in Niedernberg“.

Die bleibenden Kosten der Geländepflege sollten durch Parkplatzgebühren ausgeglichen werden, so die Idee. Vorher müsste am Strandbad alles beseitigt werden, was nach Badebetrieb aussieht: Schwimmende Inseln, Stege, Aussichtsturm und mehr. Und selbst dann sei nicht sicher, ob der Vorschlag umsetzbar ist. „In Bayern lassen die Gesetze das zu, in Hessen nicht“, war sich einer der wenigen anwesenden Gemeindevertreter sicher.Das Strandbad ist seit über 50 Jahren als solches bekannt. Nun zu sagen, hier wird künftig „auf eigene Gefahr“ gebadet, könnte das Oberhaupt der Gemeinde im Schadensfall in rechtliche Schwierigkeiten bringen.Abhilfe könnte „eine Aufwertung der DLRG-Rettungsschwimmer“ schaffen, freute sich Bauroth über einen eingebrachten Vorschlag. Deren Gelände befindet sich unmittelbar neben dem Strandbad.Obwohl einige Ideen nur am Rande behandelt wurden und viele Fragen offen blieben, forderte Aloys Lenz von der BI: „Der Bürgermeister muss nun eine Vorlage für die Gemeindevertreter erstellen, damit es endlich voran geht.“ Bauroth wird sich durch den öffentlichen Druck jedoch vermutlich kaum zu Schnellschüssen hinreißen lassen.Schließlich geht es mit dem Strandbad um das wahrscheinlich attraktivste Gelände in Gemeindehand – aus Sicht der Bürger und vor allem auch aus Sicht möglicher Investoren.Wenn es um langfristige Verträge und Ziele geht, sollten diese bis ins kleinste Detail durchdacht und vorbereitet werden.Aktuell ist deshalb damit zu rechnen, dass es im nächsten Jahr zunächst mal so weiter geht, wie bisher.

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