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Buslinie gekappt: Endstation Großkrotzenburg-Ost

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Neuer Betreiber: Seit Sonntag fährt die Firma Viabus auf der Strecke Hanau-Großkrotzenburg-Ost. Foto: Becker
Neuer Betreiber: Seit Sonntag fährt die Firma Viabus auf der Strecke Hanau-Großkrotzenburg-Ost. Foto: Becker

Großkrotzenburg/Kahl. Zahlreiche Pendler sind sauer, in den Rathäusern auf beiden Seiten der hessisch-bayerischen Landesgrenze herrscht ebenfalls Ärger und Unverständnis: Die Buslinie 566 ist zwischen Großkrotzenburg und Kahl gekappt worden. Offenbar ohne „amtliche“ Ankündigung.

Von Thorsten Becker

Weder an den Haltestellen noch in den Rathäusern hat der zuständige Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) direkt informiert. Allerdings vor einer Woche in einer Pressemitteilung. Im Internet formieren sich nun die Bürger und haben eine Online-Petition gestartet.

Die Sonne knallt auf den Asphalt, das Wartehäuschen an der Station Großkrotzenburg-Ost ist verwaist. Schäbig-schief hängt ein Busfahrplan in der verwittert aussehenden Halterung. „566 Richtung Kahl“ heißt es auf dem Zettel. In drei Minuten müsste gleich eigentlich der Bus kommen.

Neuer Plan Und der kommt sogar pünktlich. Neuerdings ein Fahrzeug des Unternehmens „Viabus“. Als der Bus die Haltestelle verlässt, fährt er aber nur wenige Meter weiter in Richtung bayerischer Landesgrenze. Dann dreht er und fährt wieder zurück.

Ein zweiter Blick auf den Fahrplan zeigt: „gültig bis 23.6.2018.“ Niemand vom RMV oder dem Busunternehmen hat es offenbar für nötig gefunden, einen neuen Plan aufzuhängen. An anderen Stellen im Ort hängen allerdings die neuen Pläne.

VerärgerungGenau dieser erzürnt derzeit auf beiden Seiten der Landesgrenze die Gemüter. Zum Fahrplanwechsel am vergangenen Sonntag ist die Buslinie 566 gekappt worden und fährt die unterfränkische Nachbargemeinde nicht mehr an.

Zwar weist das Haltestellenschild, auf dem die Verbindung nach Kahl gestern immer noch angepriesen wurde, die Kreisverkehrsgesellschaft (KVG) Main-Kinzig als Betreiber der Buslinie auf, doch das scheint nicht ganz der Wahrheit zu entsprechen.

„Es handelt sich um eine Regionalbuslinie in der Zuständigkeit des RMV“, klärt Kreispressesprecher Frank Walzer die etwas unübersichtliche Zuständigkeit auf.

Stadt wurde nicht informiertUnd auf den RMV ist Bürgermeister Thorsten Bauroth (parteilos) gar nicht gut zu sprechen. „Wir wussten im Vorfeld nichts davon. Wir sind vom RMV nicht informiert worden“, so Bauroth gestern auf Anfrage. Im Rathaus sei die Problematik erst am Dienstag bekannt geworden, als sich erzürnte Bürger beschwert haben.

„Sieht so die allseits gepriesene Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs aus? Sicherlich nicht“, meint Bauroth zur Situation. Obwohl kein Bus mehr fährt: Die Gemeindeverwaltung fühlt sich überrollt. „Wir wussten nichts. Weder offiziell noch inoffiziell“, beteuert der Bürgermeister.

Kein Einfluss auf EntscheidungDamit ist er nicht alleine. Denn auf der bayerischen Seite ist die Verwaltung am Mittwoch darauf aufmerksam geworden. „Wir wissen das erst seit 9 Uhr“, sagt Geschäftsstellenleiter Andreas Oberle. Allerdings sind die „Sandhasen“ etwas schneller als ihre Kollegen auf hessischer Seite.

Bereits um 13.15 Uhr hängt an der inzwischen überflüssig gewordenen Haltestelle Naßmühle ein Aushang, der über die Kappung informiert. „Auf diese Entscheidung haben wir leider keinen Einfluss“, heißt es in der amtlichen Mitteilung der Gemeinde Kahl.

Begründungen seien nicht stichhaltig„Wir haben weder vom RMV noch aus dem Landratsamt Aschaffenburg eine Information erhalten“, sagt auch Oberle und nennt die Maßnahme einen „gravierenden Einschnitt“, weil auch zahlreiche Bürger aus Kahl den Bus genutzt haben.

Bürgermeister Bauroth, der am Mittwoch noch einen Gesprächstermin mit seinem Kahler Kollegen Jürgen Seitz (SPD) vereinbart hat, um ein mögliches gemeinsames Vorgehen zu diskutieren, sind die inzwischen bekannt gewordenen Begründungen nicht stichhaltig: „Wer auf diese Verbindung angewiesen ist, wird seitens des RMV lapidar auf bestehende Zugverbindungen verwiesen. Dies kann jedoch keine Lösung sein.“

Erhebliche EinschränkungenBauroth weiter: „In beiden Ortschaften liegen die Bahnhöfe weit ab der Ortsmitte. Gerade für ältere Menschen sowie all diejenigen, die nicht mehr gut zu Fuß sind, kann die Fahrt mit dem Zug daher keine Alternative sein.“

Auch für den Schülerverkehr, insbesondere zum Franziskanergymnasium Kreuzburg, erfahre in beiden Richtungen erhebliche Einschränkungen.

Bauroth hat daher in einem Schreiben an den Geschäftsführer des RMV, den ehemaligen Kreisbeigeordneten André Kavai, zur Wiederherstellung des bisherigen Zustandes aufgefordert.

Widerstand gegen die Fahrplanänderung „Auch aus den Reihen der Fahrgäste wurde bereits berechtigte Kritik laut“, so Bauroth, der seinen Bürgern empfiehlt, sich über das Serviceportals des Rhein-Main-Verkehrsverbundes unter „anliegen.kvg-main-kinzig.de“ direkt an den Verkehrsbetrieb weiterleiten.

„Machen Sie von dieser Möglichkeit Gebrauch, um den Widerstand gegen die Fahrplanänderung auf eine breite Basis zu stellen“, fordert er in einem Schreiben auf. Allerdings ist es sachlich falsch, dass der RMV überhaupt nicht über die Kappung informiert habe. Bereits am Mittwoch, 20. Juni, berichtete der HANAUER umfangreich über alle Linienänderungen in der Region.

So sieht es der RMVAuf HA-Anfrage, weshalb weder Rathäuser noch die Aushänge an den Bushaltestellen auf die Fahrplanänderung sowie die Kappung der Linie 566 hingewiesen worden seien, betont RMV-Pressesprecher Maximilian Meyer, dass die Änderung des regionalen Nahverkehrsplans bereits 2013 beschlossen worden sei. Wenn es jetzt zu Irritationen komme, sei dies „bedauerlich“.

„Allerdings sind die entscheidenden Teile der Ausschreibung seit vielen Jahren bekannt“, so Meyer, der die Kritik aus den Rathäusern insofern zurückweist. So teilt der RMV zum Fahrplanwechsel seiner Homepage mit: „Die Linie 566 fährt nun zwischen Hanau und Großkrotzenburg und nicht mehr weiter nach Kahl, da auf diesem Abschnitt gleich vier schnelle und komfortable Regionalbahnen (RB 56, RB 58, RB 59, RE 55) unterwegs sind.“ Dass die Fahrpläne an den Aushängen veraltet seien, so Meyer, sei „Sache des Betreibers“. In diesem Fall von Viabus.

Online-Petition gestartetIm Internet dominiert auf der Facebook-Seite „Großkrotzenburg“ ebenfalls Ärger. Zudem ist eine Online-Petition unter „change.org“ gestartet worden, um gegen die Änderungen vorzugehen. Die Petition ist über die Suchfunktion mit dem Stichwort „Großkrotzenburg“ leicht zu finden.

Initiiert wurde die Petition von Wolfgang Schwarze, der auch den auf 30 Minuten verlängerten Takt der Linie 566 anprangert. „Wir möchten wieder unseren alten Fahrplan haben. Die Busse müssen wieder im zwanzig Minuten Takt fahren. Schüler und Arbeitnehmer sind darauf angewiesen pünktlich in der Schule und Arbeit zu erscheinen“, schreibt Organisator Schwarze.

Er ist der Meinung: „Durch diesen neuen, unattraktiven Fahrplan werden mehr Menschen wieder das Auto nutzen – und das sollte doch eigentlich vermieden werden.“

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