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Bürgerversammlung bringt Defizite in der Kinderbetreuung zutage

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Michael Ruf (Krotzebojer Grüne), Daniel Protzmann (FDP), Bernd Kurzschenkel (FDP), Bürgermeister Thorsten Bauroth (parteilos), Karolina Rachwalik (SDP) und Max Schad (CDU) standen den Bürgern Rede und Antwort. Foto: Bergmann
Michael Ruf (Krotzebojer Grüne), Daniel Protzmann (FDP), Bernd Kurzschenkel (FDP), Bürgermeister Thorsten Bauroth (parteilos), Karolina Rachwalik (SDP) und Max Schad (CDU) standen den Bürgern Rede und Antwort. Foto: Bergmann

Grosskrotzenburg. Rund 50 Teilnehmer haben die Bürgerversammlung im Bürgerhaus besucht. Rathauschef Thorsten Bauroth und die Fraktionsvorsitzenden informierten über aktuelle Entwicklungen in der Gemeinde und standen für Fragen zur Verfügung. Der Vorsitzende der Gemeindevertretung Bernd Kurzschenkel (FDP) moderierte.

Von Per Bergmann

Die CDU brachte das Thema Kinderbetreuung auf die Agenda. „Eines der drängendsten Themen, die es zu lösen gilt“, so Schad. Er sieht gerade „im Bereich der Kleinkindbetreuung großen Nachholbedarf“. Derzeit prüfe man eine Immobilie an der Bahnhofstraße, informierte Bürgermeister Thorsten Bauroth (parteilos). Gemeint ist das ehemalige Gasthaus „Zum Römer“, dessen Eignung bereits von Seiten des Kreisjugendamtes bestätigt worden sei. Zwei U3-Gruppen mit jeweils zwölf Kindern seien möglich. Es werde jedoch relativ aufwendig, das Gebäude entsprechend zu sanieren. Im Idealfall beteilige sich ein privater Träger an den Kosten.Die FDP will zunächst das Anmeldesystem bei der Gemeinde modernisieren, um eine ordentliche Bedarfsermittlung aufstellen zu können. Protzmann gestand entsprechende Versäumnisse seitens der Gemeinde ein.

Kita-Leiter zu selten gefragt

Irene Smak, die Leiterin der Kindertagesstätte St. Vinzenz wies darauf hin, dass man auch „einfach bei den Kita-Leitungen im Ort nachfragen“ könne. Um einen Bedarf zu ermitteln, bedürfe es nicht unbedingt einer Modernisierung. Zu selten würden die Leitungen der vier Großkrotzenburger Kitas gefragt, miteinbezogen und nach ihrer Expertise befragt. Eine andere Bürgerin, Silvia Börner-Knopp, plädierte für die Online-Anmeldung, „um auf Anforderungen und Wünsche der Eltern besser eingehen zu können“.

„Wir kommen an die Grenzen unserer räumlichen Kapazität“, sagte Bauroth. Im U3-Bereich würden derzeit elf weitere Plätze benötigt, so Bauroth. „Das ist die Zahl vom Juli. Mittlerweile sind es 15“, korrigierte Smak.Auch bei der Schulbetreuung werde ein „Plan B“ vermisst, bemerkte ein Vater aus dem Publikum. Es gebe den Pakt für den Nachmittag, aber „die Schule hat uns da einen Strich durch die Rechnung gemacht, das muss man so klar sagen. Das kostet uns alle eine ganze Menge Geld“, erklärte Schad.

Zukunft des Kraftwerk Staudinger

Bauroth sprach auch über ein „tagesaktuelles Thema“: Im Rahmen eines runden Tisches im Kraftwerk Staudinger hatte er kurz zuvor mit Vertretern des Betreibers Uniper über die Zukunft des Standortes gesprochen. Verschiedene Pläne von Uniper sehen derzeit die Ansiedlung eines Rechenzentrums, einen Solarpark und eine Teeraufbereitungsanlage vor).

Max Schad (CDU) merkte an, dass seinen Recherchen zufolge ein Rechenzentrum sehr wenige Arbeitsplätze schaffe. Nennenswerte Gewerbesteuereinnahmen seien nicht zu erwarten. Dem widersprach Bauroth: Eine konkrete Anfrage beinhalte die Schaffung von rund 100 Arbeitsplätzen. Der Einfluss darauf, „was Uniper mit ihrem Gelände anstellt“, sei ohnehin begrenzt. Der Betreiber werde sein Vorhaben näher vorstellen, wenn es konkreter wird.

Haushaltsdefizit von rund einer Millionen Euro

Nach dem kontinuierlichen Abzug des Energieriesen RWE sei das finanziell gesehen aber nur „ein Silberstreifen am Horizont“, so Bauroth. Aktuell rechnet die Gemeinde mit einem Haushaltsdefizit von rund einer Million Euro im kommenden Jahr.Positiv sei die Entwicklung bei einem der Dauerthemen der letzten Jahre, dem Strandbad Spessartblick. Der neue Strandbad-Betreiber, Bäderservice Deutschland GmbH, habe sich bereits gut eingelebt. Zudem hätten die Veranstalter der letzten beiden Festivals ihr Interesse bekundet, im kommenden Jahr auf das Gelände am See zurückzukehren.

Als Mitglied des „See-Beirats“ hatte Aloys Lenz eine Frage vorbereitet. „Ist es richtig, dass der See nach Saisonende im Winter geschlossen bleibt?“ Das liege in den Händen des Betreibers, stellte Bauroth klar. Vermutlich werde sich der aber „nicht auf dieses dünne Eis begeben“. Konkret geht es um die Haftung im Schadenfall, wenn – dieses Szenario wurde bereits im Vorfeld immer wieder genannt – jemand im See ertrinkt.Die Fraktionen schlossen sich dem Bürgermeister in diesem Punkt an. „Wir können dem Pächter keine Vorschriften machen“, erklärte Daniel Protzmann (FDP).

Nachdem Hanau seine Straßenbeiträge abgeschafft hat, könne man darüber auch in Großkrotzenburg nachdenken, lautete ein Publikumsbeitrag von Hans Kunkel. Möglich macht das ein „Beschluss der Landesregierung“, der es Gemeinden freistellt, ob sie diese Gebühren erheben. Zumindest könne „die Straßenbeitragssatzung sowie die Bemessungsgrenze“ angepasst werden. Idealer Weise würde man die Gebühren gleich ganz abschaffen. Protzmann warnte vor einer Illusion, denn: „Am Ende bezahlt die Rechnung ohnehin der Steuerzahler“.Kurzschenkel verwies abschließend auf die öffentlichen Ausschusssitzungen, bei denen sich auch Bürger zu Wort melden dürfen. „Sie sind herzlich eingeladen, an den Diskussionen teilzunehmen.“

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