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Betäubt? Ehepaar Weber erlebt Horrortrip in Schweden

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Haben einen Horrortrip nach Schweden hinter sich: Theresia und Johann Weber. Foto: Di Cara
Haben einen Horrortrip nach Schweden hinter sich: Theresia und Johann Weber. Foto: Di Cara

Großkrotzenburg. Für das Ehepaar Johann und Theresia Weber ist die Urlaubsfahrt nach Schweden zum Horrortripp geworden. Unbekannte haben sie auf einem Rastplatz wohl betäubt und ausgeraubt. Plötzlich standen sie im Urlaub mittellos da - ohne Geld, Ausweise und Kreditkarten.

Von Jasmin Di Cara

Immer wieder werden Touristen Opfer von kriminellen Übergriffen. Der ADAC warnt Camper vor nächtlichen Überfällen in ganz Europa. Ausgeraubt wurde vor Kurzem auch das Ehepaar Weber – schlafend, als es mit seinem Wohnmobil auf einem Rastplatz in Schweden Halt machte. „Wir gehen davon aus, dass wir mit Gas betäubt wurden“, berichtet Johann Weber.

Es ist nun zwei Wochen her, als der 80-Jährige und seine Frau Theresia (78) auf dem Weg zu ihren schwedischen Bekannten in Torsby sind. Am dritten Tag legen sie auf einem öffentlichen Tank- und Rastplatz 30 Kilometer nördlich von Malmö eine Schlafpause ein. „Er war gut belegt, deshalb haben wir uns sicher gefühlt“, sagt Johann Weber. „Wir haben uns gegen zehn Uhr schlafen gelegt und wollten nach Tagesanbruch weiterfahren.“Ungewöhnlich tiefer SchlafDoch das Paar schläft in dieser Nacht ungewöhnlich tief und fest. Erst gegen 7 Uhr am Morgen wird es wach. „Ich habe sofort gemerkt, dass mein Rucksack weg war“, berichtet Theresia Weber. So auch die Tasche ihres Mannes.Als sie aus dem Fenster blicken, sehen sie einige ihrer Habseligkeiten, darunter einen Reiseatlas, eine Fotokamera sowie einen Einkaufskorb, neben dem Auto liegen. Da die Seitentür aus unerklärlichen Gründen nicht zu öffnen ist, steigt Johann Weber durch die Beifahrertür aus – diese ist nur angelehnt. „Das hat mich noch gewundert, weil das Auto vollständig abgeschlossen war“, erinnert er sich. Nach näherer Untersuchung stellt das Paar schließlich fest, dass alle Schlösser am Auto beschädigt sind."Wir waren mittellos“ „Sämtliche Papiere sowie 300 Euro Bargeld wurden gestohlen“, berichtet Theresia Weber. „Unsere Ausweise, Kreditkarten, Fahrzeugpapiere und Führerscheine – alles war weg. Wir waren mittellos.“ Von dem Überfall, der sich vermutlich zwischen 23 und 24 Uhr ereignet hat, haben die Eheleute jedoch nichts mitbekommen. „Die müssen uns doch betäubt haben“, sagt Johann Weber, „so, wie das Auto beschädigt ist, müssen die Geräusche gemacht haben. Das hätten wir doch gemerkt!“Auch die dänische Polizei warnte bereits im vergangenen Jahr vor Übergriffen auf Camper. Betroffen seien vor allem Urlauber, die mit der Fähre von Puttgarden nach Rodby und weiter in Richtung Norden fahren. Gehäuft hätten sich Überfälle auch entlang der schwedischen E 6 von Malmö nach Göteborg – jene Autobahn, auf der das Ehepaar Weber unterwegs war.ADAC: Camping- statt Rastplätze nutzen„Solche Überfälle gibt es in vielen europäischen Ländern“, berichtet Johannes Boos, Pressesprecher des ADAC auf Nachfrage unserer Zeitung. Auch entlang der A5 in Deutschland seien Touristen bereits bestohlen worden. Deshalb gelte sowohl im In- und Ausland die wichtigste Sicherheitsregel: richtige Camping- statt Rastplätze nutzen. „Uns ist noch kein Fall bekannt, in der eine Betäubung durch Gas nachgewiesen werden konnte“, berichtet er. Betroffene hätten jedoch schon häufiger den Verdacht geäußert, betäubt worden zu sein. „Diese Vermutungen sind natürlich ernst zu nehmen“, so Boos.Auch für die schwedische Polizei ist der Überfall auf die Webers aus Großkrotzenburg nicht der erste dieser Art. Um 9 Uhr morgens erstatten die Eheleute auf der Wache in Helsingborg Anzeige. Die Beamten nehmen die Aussage auf und untersuchen das Fahrzeug. „Die Polizei meinte, dass wir in dieser Woche bereits die dritten waren, die ausgeraubt wurden“, berichtet Johann Weber.2500 Euro abgehobenAuch ihre Kinder werden am frühen Morgen in der Heimat informiert. Diese handeln sofort und lassen alle Kredit- und EC-Karten sperren – jedoch zu spät. „Der erste Betrag wurde bereits um 1.30 Uhr morgens abgebucht“, berichtet Johann Weber. Die Diebe hätten innerhalb kürzester Zeit 2500 Euro ausgegeben.Das Paar fährt wie geplant zu seinen Bekannten ins rund 600 Kilometer entfernte Torsby weiter. „Zum Glück hatte ich vorher noch vollgetankt“, sagt Johann Weber. Ihre Freunde helfen ihnen weiter, borgen ihnen Geld. Dennoch ist der Urlaub schnell vorbei. Die Großkrotzenburger wollten ursprünglich für vier bis fünf Wochen verreisen und nach Norwegen und Finnland weiterfahren. „Das ging dann natürlich nicht mehr“, bedauern sie.„Das ist einfach furchtbar“Wieder in Deutschland angekommen, meldet das Paar den Vorfall unverzüglich bei der Polizei in Großauheim. Inzwischen bearbeitet die Kriminalpolizei in Gelnhausen den Fall. „Wenn alles gut geht, bekommen wir das Geld von der Versicherung zurück“, hofft Theresia Weber. „Jetzt müssen wir abwarten, was passiert.“ Am Schlimmsten sei jedoch der Gedanke daran, betäubt und im Schlaf überfallen worden zu sein. „Das ist einfach furchtbar.“Die reiselustigen Eheleute touren seit 1989 mit dem Campingwagen durch Europa. Einmal im Jahr führt die Reise nach Schweden. „Wir sind keine Anfänger in diesem Land“, so Johann Weber. „Sowas ist uns aber noch nie passiert. Das sitzt uns noch lange in den Knochen.“

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